| Natürlich darf in einem Buch mit dem Titel "Amoklauf im Audimax. Die blutigsten Unis. Die gemeinsten Professoren. Die bösesten Studenten" eine Geschichte aus der RUB nicht fehlen. Und genauso selbstverständlich muß diese Geschichte ihr Vexierspiel mit dem arg strapazierten Vorurteil treiben, nachdem sich hier die Menschen scharenweise von den Gebäuden in die Tiefe stürzen. Im Kurzkrimi "Das Dozentenvirus" von Peter Schmidt, einem in Bochum studierten Philosophen und Literaturwissenschaftler, stürzen gleich drei Profs in den Tod. Doch bevor Kriminalkommissar Appenzell, ein Spezialist "für unlösbar scheinende Aufgaben", hinter das Intrigenspiel eines ausgebufften Studenten und seiner Kommilitonin kommt und die Wahrheit zwischen "Mord und Selbstmord" erkennt, muß er sich durch allerlei unverdautes philosophisches Geschwafel quälen. | | Es ist auffällig, wie häufig gerade Philosophen und Philologen Mordgelüste in die Welt der Uni hinein- und aus ihr heraustragen. Schon im ersten Kurzkrimi dieser Anthologie ist die Auslöschung des Philosophischen Instituts die "Ultima Ratio" für Prof. Penelope Kura. Die Autorin Thea Dorn, die bereits 1995 erfolgreich mit dem Krimi "Berliner Aufklärung" debütierte, treibt ihre Vorliebe für Morde an Professoren der Philosophie an der FU Berlin konsequent und köstlich fort. |
| Und während die Romanistin Heidi Brang die "Spätfolgen" eines Mordes für einen verdienten Wissenschaftler aus dem romanischen Institut in Leipzig angesichts seiner bevorstehenden ‚Evaluierung' schildert, wetteifern zwei Literaturwissenschaftler und Fontane-Spezialisten auf einem Kongreß um die Gunst von "Elfie, das Biest" in Peter Zeindlers gleichnamiger Erzählung. |
| Nur dort, wo der Name Dieter Schwanitz auftaucht, ist ‚echter Campus' drin - glaubt wohl der Verlag. Weshalb sonst wirbt er mit diesem Garanten schon im Titel der Sammlung? Doch der mittlerweile aus der Hamburger Uni in Unfrieden geschiedene Anglist, den wohl viele Kritiker aus Unkenntnis zu Unrecht zum Erfinder des "Campusromans" stilisieren, liefert für diesen Band nur einen schwachen Abklatsch seines noch schwächeren Romans "Der Zirkel" (1998 im Eichborn-Verlag erschienen). "Die nackte Wahrheit" handelt - wie der Roman - von den zahllosen geheimen DDR-Dissertationen, von Titel- und Dissertationsverkäufe(r)n und von gehetzten Käufern, die sich zu früh gefreut haben, konnten sie doch nicht ahnen, daß die DDR sich irgendwann einmal in Luft auflösen werde. |
| Dennoch: Die Geschichten sind lesenswert - vielfach auch nur aus dem Grund, damit man erfährt, wie Absolventen und Dozenten ihre "alma mater", erleben bzw. wie über uns alle in der Öffentlichkeit auch verklausuliert gedacht und gesprochen wird. |
| jk |
| Dieter Schwanitz u. a., "Amoklauf im Audimax", Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1998. DM 14. |
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