| "Innovationes Graecae Et Latinae" (IGEL) heißt das unter Federführung von Prof. Reinhold F. Glei (Seminar für Klassische Philologie) entwickelte Reformprojekt zur Verbesserung der Qualität der Lehre, das jetzt vom NRW-Wissenschaftsministerium (MSWWF) genehmigt wurde. Es ist mit einer halben wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle, einer studentischen Hilfskraft und Sachmitteln für die Dauer von zwei Jahren ausgestattet. | | Kern des Projekts ist die Entwicklung einer neuen Art von Lehrveranstaltung/Workshop, in der Studierende die wissenschaftliche Edition von Texten erlernen und einüben sollen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht die 'ollen Klassiker', sondern lateinische Texte des 15. Jahrhunderts, die nur in Handschriften und ggf. Frühdrucken erhalten sind: Durch den konkreten Umgang mit den Handschriften, die gelesen, transkribiert, verglichen und bewertet werden, erwerben die Studierenden philologische Schlüsselqualifikationen, die Studienerfolg und Motivation entscheidend verbessern, da hier nicht mehr bloß Lernstoff 'wiedergekäut', sondern echte Pionierarbeit an einer unerschlossenen Textmasse geleistet wird. Begleitend bietet die Sektion für Byzantinistik Veranstaltungen zu den methodischen Grundlagen an. |
| Ein erster 'Probelauf' fand im Sommersemester 1998 und in der anschließenden vorlesungsfreien Zeit statt: Textgrundlage war ein längerer Brief von Papst Pius II., den er im Herbst 1461 an den osmanischen Sultan Mehmet II. schrieb, um diesen zum Christentum zu bekehren - die Aktualität des Themas bedarf keiner weiteren Erläuterung. Die über 30 Handschriften des Briefes wurden von den Studierenden eigenständig bearbeitet; die Endredaktion des Textes und die Publikation (einschließlich einer deutschen Übersetzung und kommentierenden Anmerkungen) ist für Frühjahr 1999 vorgesehen. |
| Im Rahmen des Leuchtturmprojekts werden in den Jahren 1999 und 2000 weitere Workshops durchgeführt. Der nächste wird bereits im kommenden Sommersemester stattfinden: Thema ist die von einem italienischen Humanisten um 1416/17 gefälschte, fingierte Rede des 'Terroristen' Catilina, mit der dieser in der Senatssitzung vom 7./8. November 63 v. Chr. dem berühmten "Quo usque tandem" des Konsuls Cicero geantwortet haben soll. Hier ergeben sich ungeahnte Einsichten in die Macht der Rhetorik und mögliche Alternativen der Geschichte ... |
| Daß das Land ein derartiges Projekt in Zeiten knapper Kassen fördert, demonstriert die hohe bildungs- und gesellschaftspolitische Bedeutung, die der exemplarischen Verbindung von Forschung und Lehre im allgemeinen und den philologischen Wissenschaften im besonderen immer noch (oder vielleicht wieder!) zugemessen wird. Auch in Zukunft lautet also die Devise: Stacheln zeigen! |
| Reinhold F. Glei |
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