| Wenn abends in Saarlouis die Lichter ausgehen, dann geht der Kreisel an. Aus der Mitte einer Ampelkreuzung fahren vier versenkbare Poller nach oben und verwandeln sie in einen Kreisverkehr. Entwickelt und patentiert wurde das weltweit einmalige Konzept von Dipl.-Ing. Joachim Schwarz aus Saarbrücken. Die wissenschaftliche Begleitung der einjährigen Testphase an einer stark befahrenen Kreuzung übernahm der Lehrstuhl für Verkehrswesen der RUB unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Werner Brilon. Die Bilanz nach einem Jahr Vario-Kreis zieht Dipl.-Ing. Roland Weinert positiv: Die unnötigen Wartezeiten für die Autos fielen weg und damit auch Lärmbelästigung für die Anwohner des Knotenpunktes. Auch Fußgänger konnten ohne lange Wartezeiten die Straße überqueren. Weitere Erprobungen sind bereits geplant. Der Vario-Kreis macht neben dem Umbau der Kreuzungen auch eine Ausnahmeregelung von der Straßenverkehrsordnung notwendig: Aus dem früheren Verkehrszeichen für den Kreisverkehr, das die Vorfahrt regelt, wird jetzt ein Hinweisschild. Bei der Umrüstung von bestehenden Kreuzungen ist der Vario-Kreis in jedem Fall die preiswertere Alternative im Vergleich zum herkömmlichen Kreisverkehr. | | Selbstverständlich enthält die neue Ausgabe des Wissenschaftsmagazins RUBIN noch einiges mehr, z. B. aus den Naturwissenschaften: Die Sonnenenergie in Richtung Erde hat eine Leistung von 170 Billionen Kilowatt. Das könnte Energie für alle Zeiten sein. Sie zu erschließen, ist nicht allein solarthermisch oder solarelektrisch möglich. Dem dritten Weg - der Solarchemie - werden auf lange Sicht vielleicht die größten Chancen zugeschrieben. Wie? Die Pflanzen machen es uns vor: die photochemische Zersetzung von Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff. Jahrzehntelange Forschung ist jetzt fast am Ziel - der Aufklärung von Struktur und Funktion des "Wasserspaltungsproteins". Der Endspurt hat begonnen, auch für Prof. Dr. Matthias Rögner (Biochemie der Pflanzen). |
| In mehr als 80 % aller industriellen chemischen Prozesse "mischen sie mit" - und doch unterliegt ihre Auswahl nicht selten dem Prinzip von "trial and error". Katalysatoren blieben auf atomarer Ebene bislang so gut wie unerforscht. Die Aufklärung der Reaktionsschritte auf atomarem Niveau und ihrer strukturellen Voraussetzungen an realen Katalysatoren sind Herausforderungen für Prof. Dr. Wolfgang Grünert und Prof. Dr. Martin Muhler (Technische Chemie). Dabei interessiert vor allem der Einsatz von Katalysatoren mit Blick auf das Autoabgasproblem: einerseits die Reduktion von Stickoxiden im Dieselabgas ("end-of-pipe-Technologie"), andererseits der Einsatz von Katalysatoren schon an der Quelle, so bei der Ablösung der Verbrennungsmotoren durch die Brennstoffzelle. Zukünftig könnten Katalysatoren Werkzeuge einer sanften chemischen Technologie sein. |
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| Harakiri mit tausend Schnitten |
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| Medizin: Wie die Lemminge stürzen sich unsere Körperzellen in den Tod. Ein Tod mit System. Hat ein Embryo zunächst noch "Schwimmhäute" an Händen und Füßen, sterben diese Zellen wenig später ab; kleine Finger und Zehen entstehen. Gezielt ist auch das massive Zellsterben nach dem Sonnenbrand: Defekte Erbanlagen sollen nicht in Umlauf kommen. An der Entschlüsselung des Zellsuizids wird fieberhaft gearbeitet, sind doch neue Behandlungsperspektiven für Krankheiten wie Krebs, Multiple Sklerose oder Alzheimer in Sicht. Über ihre Ergebnisse berichten Prof. Dr. Hans Georg Mannherz und Harald Stephan (Abteilung für Anatomie und Embryologie). |
| Rampen, Geländer oder Treppen fordern sie heraus zu spektakulären Sprüngen: Aggressive Skater sind die jungen Wilden der "Inline-Szene". Doch bei der Mehrzahl "ihrer Zunft" geht es deutlich gemäßigter zu: Für sie stehen Fitneß und Spaß im Vordergrund; Inline-Skating als Ausdauertraining, ohne gleich die Grenzen auszuloten, ist bei allen Altersklassen gefragt. "Bleibt dennoch ein gesundheitliches Risiko?" fragen Dr. Henry Schulz und Prof. Dr. Hermann Heck (Sportmedizin). |
| Natur-/Ingenieurwissenschaften: Moderne Multimediaprodukte versprechen authentische dreidimensionale Schallwiedergabe: dennoch wird die "gute Stube" noch lange nicht zur Metropolitan Opera. Richtungshören ist eine individuelle Sache. Die räumlichen Beziehungen einzelner Schallquellen, die zunächst verloren gehen, muß das Gehirn mühsam rekonstruieren. Dabei nutzt es die Unterschiede der Signale am rechten und am linken Ohr. Kommt der Schall direkt von hinten oder vorn, macht die Form der Ohren "den feinen Unterschied". Ein Thema, das nur zwischen den Disziplinen bearbeitet werden kann; das erkannt haben Dr. Susanne J. Sterbing (Lehrstuhl für allgemeine Zoologie und Neurobiologie) und Dr.-Ing. Klaus Hartung (Institut für Kommunikationsakustik). |
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| Rund um die Uhr |
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| Ingenieurwissenschaften: Präsenz auf fernen Märkten setzt ein umfangreiches Servicenetz voraus. Doch welches mittelständische Unternehmen kann seine Fachleute schon rund um die Welt auf Reisen schicken? TeleService heißt die Lösung: Online-Support über Datenautobahnen bringt die Experten des Kunden und des Lieferanten an einem virtuellen Tisch zusammen. Im Verbundprojekt "TEL ec - Multimedial unterstützter Tele-Service" arbeiten Anwenderfirmen, Informationstechnik (IT)-Systemhäuser und Forschungseinrichtungen zusammen. Koordiniert wird das Projekt vom Lehrstuhl für Produktionssysteme (Prof. Dr. Wolfgang Maßberg, Dipl.-Ing. Martin Hermsen). |
| Geisteswissenschaften: "Kai-Zen" oder "Total Quality Management" lauten die modernen Konzepte der Betriebsorganisation. Sie versprechen leistungsstarke und dynamische Unternehmen, dank flacher Hierarchien, Flexibilität der Arbeitsorganisation und Kundenorientierung. Da wirkt Gruppenarbeit fast schon etwas angestaubt. Doch wird sie nach wie vor als "Erfolgsrezept" gehandelt: Im Gegensatz zu vielen modernen Konzepten ist Gruppenarbeit sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis etabliert. Wenngleich immer weniger Unternehmen diese Konzept nur als "Etikett" benutzen, ist "Gruppenarbeit noch immer nicht gleich Gruppenarbeit". Dies zeigen u.a. Prof. Dr. Bernhard Zimolong und Dr. Armin Windel (Arbeits- und Organisationspsychologie). Wer sich einen Überblick über Forschungsprojekte verschaffen möchte, sollte einen Blick werfen in die "gesammelten" Promotionen und Habilitationen (zweites Halbjahr 1998), die als Beilage zu RUBIN erscheinen. bk |
| RUBIN ist erhältlich bei Brockmeyer, Schaten und Janssen sowie in der Pressestelle der RUB zum Preis von DM 5. Auch im Internet darf geblättert werden: www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm |
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