| Kalendarisch nähern wir uns dem großen Einschnitt, der Jahrtausendwende. Anlaß genug, innezuhalten und über die Zukunft nachzudenken. Angesichts der Beschleunigung gesellschaftlichen Wandels, der Erodierung der alten Arbeitswelt und der sie stützenden Institutionen ist eine neue Ethik der Verantwortung und der Solidarität erforderlich, Kreativität und Mut für intellektuelle Experimente. In diesem Transformationsprozeß sind Universitäten nicht nur passiv Betroffene, vielmehr besonders gefordert, entscheidende Beiträge zur Gestaltung des Übergangs von der traditionellen Arbeits- zur Wissens- und Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu leisten. Sie besitzen die Freiräume des Nachdenkens, regen zur Neugier an, sind die unverzichtbaren Experimentierfelder der Gesellschaft. Das Hochschulsystem befindet sich in einem Umbruch, der in seinen Ausmaßen an den Auf- und Neubau der universitären Landschaft vor drei Jahrzehnten erinnert: | | Die verschärfte Konkurrenz innerhalb des Systems, national und international, zwischen Unis und Fachhochschulen: Ziel der RUB muß es sein, auch 2005 einen oberen Rang in der Bundesliga der Universitäten einzunehmen. |
| Europäisierung und Internationalisierung: Die RUB wird und muß darauf verstärkt in Lehre und Forschung reagieren. Europäische Forschungsverbünde und die Einführung international kompatibler Studienabschlüsse sind hierauf eine Antwort, nicht zuletzt im Interesse unserer Studierenden. |
| Stagnierende bis schrumpfende Finanzressourcen: Wir beklagen zu Recht den vorhersehbaren dramatischen Abbau von Stellen, doch müssen wir darauf auch neue Antworten finden. Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen, fakultäts- und uniübergreifende Verbünde in Lehre, Forschung und bei der Nutzung von Geräten, Überprüfung der Fächerbreite - dies sind mögliche Antworten, um handlungsfähig zu bleiben. |
| Sinkende Akzeptanz von Universitäten und Wissenschaft in Gesellschaft und Politik: Wir müssen uns stärker als in der Vergangenheit legitimieren, deutlich machen, weshalb wir einen unersetzlichen Bildungsauftrag erfüllen, Lehrende und Studierende gleichermaßen. Jedes Fach an der RUB muß sich offensiv mit kritischen Fragen von außen auseinandersetzen, sein je besonderes Profil verdeutlichen. |
| Das Rektorat hat angesichts dieser Situation einen Diskussionsprozeß um die künftigen Ziele initiiert, in einem Strategiepapier Optionen und Handlungsfelder zu präzisieren versucht. Alle Mitglieder der Uni sind aufgerufen, sich an der Diskussion zu beteiligen, die unsere Zukunftsfähigkeit sichern soll. Wir sollten alle daran mitwirken, das Profil der RUB als einer "Arbeitsuniversität" in Richtung einer exzellenten Dienstleistungsuni weiterzuentwickeln, exzellent in Forschung, Lehre und der Wahrnehmung der Verantwortung für unsere Absolventen. Was wir hierfür benötigen: den Freiraum vom Staat zur eigenverantwortlichen Gestaltung von Studiengängen, Fächerstruktur und Organisationsabläufen. |
| Ich bin zuversichtlich, daß wir, die Mitglieder und Angehörigen dieser Universität, diesen Kraftakt meistern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein friedvolles und produktives Jahr 1999. |
| Ihr Rektor Dietmar Petzina |
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