| Das Jahr geht zur Neige, und ich habe Zeit für einen ganz persönlichen Rückblick. Ich gedenke des Sommers, als der Campus zweimal als Kulturstätte dienen sollte und nicht konnte. Das lauthals angekündigte Event "Rock in the Green" fiel mangels Interesse, das Open Air Kino buchstäblich ins Wasser. | | An den Physikprofessoren der RUB wäre beides ohnehin spurlos vorübergezogen - von ihnen war im Sommer keiner da: Urlaub, Gastvorträge, Forschen, das Übliche halt, das für uns Sterbliche Nicht-so-recht-Nachprüfbare. Ein Freund wollte sich Ende Juli gerne prüfen lassen. Ging nicht. Der einzig anwesende Physiker ließ ausrichten, daß er nur im Semester prüfe. Schade. Im Semester hatte es allerdings auch nicht geklappt, da sich niemand so recht verantwortlich fühlte, weder für den Kandidaten noch für das Thema der Diplomarbeit. Pech! Der Freund hatte den Fehler begangen, nicht nach der amtlichen Diplomprüfungsverordnung zu studieren, sondern sich zwecks Diplomarbeit von einem nichtphysikalischen Institut abwerben zu lassen. |
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| Prüfer, wo bist du? |
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| Liegt es an meinem Freundeskreis, daß das kein Einzelfall ist? Ein anderer Freund jedenfalls studierte Anfang der 90er an der RUB Sport für das Lehramt. Er mühte sich jahrelang, in die Kurse gelost zu werden und mußte stets miterleben, daß im Zweifel die Diplomsportler "Glück" hatten. Dann die Freundin, die das gesamte Institut für Germanistik absuchte, bis sie endlich einen gnädigen Prüfer fand. Oder die andere Freundin, die bei den Biologen promoviert wurde und hundertfach vor dem Aus stand, weil ihr Vertrag jeweils nach fünf, sechs Wochen endete und meist unter dubiosen Umständen und Gehaltseinstufungen verlängert wurde - und damit noch Glück hatte, denn eine Kollegin beendete ihre Diss. als studentische Hilfskraft, zwei andere Kollegen gar nicht. Oder der Freund, der bei den Wiwis seinen Doktor machte und ständig die Terminpistole vom allmächtigen Chef auf der Brust spürte: Fertig werden, sonst ... Und das, nachdem der Freund drei Jahre lang am Lehrstuhl keine ruhige Minute hatte, weil er ständig seinem Ämter häufenden Prof zuarbeiten mußte. Ein anderer Freund hat alles noch vor sich, aber schon jetzt Panik, da sein Wunschprüfer kürzlich verstarb. |
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| Die BSZ leiht Worte |
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| Zurück ins Jahr 1998: Ja, der Sommer, der keiner und trotzdem aufschlußreich war. Z. B., als der alte und seit Januar eigentlich abgewählte AStA unbedingt dafür sorgen mußte, daß seine Studenten im September das richtige Kreuz machen. Kohl mußte weg, klar, und die politischen Vertreter der gewünschten neuen Koalition wurden vom AStA zwecks "Vortrag" an die RUB geladen. Zeitgleich schleppten sich die Vertreter des kommenden AStA (die SPD-nahe TuWas-Liste und die grün-alternative Linke Liste) durch die Koalitionsverhandlungen. Kurz vor Ende des Sommers stand der neue AStA, und gerade jetzt startet der Kampf zur nächsten Wahl, die Flugblätter segeln bereits durch die Mensa. Schön, daß Oliver Nölken vom RCDS wieder mitmischt - er dichtet die lustigsten Pamphlete. |
| Leider hat er keines zum Ende der Picassokopie geschrieben; vielleicht
ist ihm ja entgangen, daß das Wandgemälde schräg gegenüber der UB
durch eine gläserne Ladenzeile ersetzt wurde. Die Buchstabenaneinanderreiher
des AStA-Organs BSZ ließen sich immerhin durch einen Artikel in der
RUBENS (Nr.
37) auf das Verschwinden des Bildes aufmerksam machen. Sie erklärten
die Angelegenheit mitsamt der daran Beteiligten kurzerhand zum Skandal
bzw. zum "unsymp der woche" und manifestierten diese wagemutige Entscheidung
mit Hilfe des häppchenweise wiedergegebenen RUBENS-Artikels. Damit
erschöpfte sich der Tatendrang der Studentenvertreter. Von einer möglichen
Rettung des seinerzeit von Medizinstudenten geschaffenen Bildes war
erst gar nicht die Rede.
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| Während ich nun darauf warte, daß sich jemand von der BSZ (fürs Aufmerksam machen und all die geliehenen Worte) bedankt, denke ich endlich auch an die erfreulichen Momente des Jahres. An den Tag beispielsweise, als ich das studentische Wohnprojekt in Gerthe besuchte und dort auf eine prima funktionierende Kommune traf (Reportage folgt in der nächsten RUBENS). Kein Gelaber, keine Doktrin, einfach nur Machen. Gleiches gilt für den AStA der "TFH Georg Agricola zu Bochum", den ich bei einer ganz anderen Gelegenheit kennenlernte. Mein Gott, waren die erfrischend anders! Humorvoll, unbezahlt, an keine Partei gebunden und gerade deshalb handfest. Statt an Kohls Stuhl zu sägen, boxten sie an ihrer TFH zusätzliche Prüfungstermine durch. Der Dank ihrer Studierenden ist ihnen gewiß. Amen. |
| Arne Dessaul |
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