| Auf den Protest aus der eigenen Klientel mußte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) nicht lange warten, als sie auf ihrem 186. Plenum am 2.11. die "Empfehlungen zum Dienst- und Tarif-, Besoldungs- und Vergütungsrecht sowie zur Personalstruktur in den Hochschulen" verabschiedet hatte, in der sie u.a. eine "noch stärker leistungsorientierte Besoldung" der Professoren fordert. Besonders laut kam er vom Deutschen Hochschulverband. Präsident Schiedemair sprach von einem "unglaublichen Vorgang", sein eifrigster Nachplapperer, Kurt Reumann (FAZ), kommentierte sie als "Kampfansage" und "Mogelpackung". | | Blickt man zurück auf die Kommentare und den verabschiedeten Wortlaut, muß man sich doch arg über ihre Schieflage wundern: Als ob es der HRK nur darum gegangen sei, die Professoren mit einem C3-Grundgehalt abzuspeisen, und statt der Wissenschaftsminister die Hochschulleitung darüber befinden zu lassen. Die Kommentare übersehen nicht nur, daß die HRK auch Empfehlungen für den Hochschullehrernachwuchs sowie das wissenschaftliche, das administrative und technische Personal ausspricht. Sie überlesen sogar, daß die Empfehlungen eine Revolution des deutschen Hochschulsystems bedeuten: die endgültige Abschaffung des paternalistischen Systems von Herrschaft in den Hochschulen! |
| Wie das? Ganz einfach! Oder verstehe ich es etwa falsch? Wenn alle Professoren nur ein C3-Grundgehalt und nach einfachen Kriterien zeitlich befristete Leistungs-, Belastungs- und Funktionszulagen bekommen, kann es dann noch auf Dauer angelegte 'Lehrstühle' geben? Kann es bei Berufungen wie bisher heißen, der 'C3er partizipiert an den Sachmitteln und der Sekretärin des Lehrstuhls'? Kann er oder sie noch 'Lehrknecht' des C4ers sein? |
| Wenn der Nachwuchs auf die Habilitation verzichten und sich nach einer "überdurchschnittlichen Promotion" ... "in Konkurrenz auf dem freien akademischen Arbeitsmarkt" möglichst nicht an der Heimathochschule auf eine befristete C2-Stelle bewerben soll, "die das gesamte Aufgabenspektrum von selbständigen Hochschullehrern umfaßt", ist das nicht das Ende herkömmlicher‚ 'väterlicher' Betreuung? |
| Wenn "Alterszulagen" wegfallen, statt dessen die Hochschulleitung die eingesparten Mittel für Leistungszulagen verwendet, auf hochschul- oder fächergruppenbezogene Pools aufteilt, und wenn die Basisgehälter deutlich angehoben werden können, weil ein Prof "aufgrund der Marktlage ... nur so für eine Hochschullehrertätigkeit gewonnen werden kann", werden sich nicht die Gehälter nach Fächern und ihrem Prestige so differenzieren, daß z. B. eine Informatikprofessur wesentlich besser dotiert ist als eine in der Germanistik, ebenso wie selbstverständlich ein DV-Spezialist in der freien Wirtschaft deutlich mehr verdient als ein Lehrer? |
| Sage mir einer, die HRK sei nicht fortschrittlich! |
| jk |
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