| Schlange stehen zur Immatrikulation – das gab es schon vor 30 Jahren, als die Uni selbst ihre ersten Semester erlebte. Im Unterschied zu heute wurde in den 60er Jahren die Aufnahme neuer Studentinnen und Studenten in einem würdevollen Rahmen begangen. Teilnehmer der ersten Feierlichen Immatrikulation am 15.11.65 in der damaligen Mensa (heute: Hochschulbibliothekszentrum) waren neben prominenten Gästen wie Ministerpräsident Meyers „fast alle Studierenden“ (die RUB hatte seinerzeit 1.030). Stellvertretend für den erkrankten Rektor Greeven nahm Prorektor Schwartzkopff die Verpflichtung der Studierenden vor – per Handschlag. | | In seiner Ansprache hatte Schwartzkopff die Rechte und Pflichten des akademischen Bürgers umrissen. Zu letzteren gehöre, „das Leben im Geiste der Universität zu führen, ein gewissenhaftes Studium zu betreiben und das Ansehen der Hochschule zu wahren“. Auch gab er seiner Hoffnung Ausdruck, daß „die Leistung das Urmeter der Gemeinschaft sein möge.“ Der Beauftragte der Studentenschaft des Landes NRW, Peter Schultz, dankte der Landesregierung für Ihr Bemühen um die neue Universität und rief die Kommilitonen dazu auf, mitgestaltend an der Entwicklung der RUB teilzunehmen. |
| In ähnlich getragener Atmosphäre verliefen auch die Feiern der folgenden Semester. Dominierten auf seiten des Rektors Greeven noch Appelle an Leistung und Ausnutzung der Freiheit „zum gewissenhaften Streben nach Erkenntnis der Wahrheit“, klangen zur Zeit des beginnenden Studentenprotests beim Vertreter der Studierendenschaft auch Worte der Kritik an. Einen unbeabsichtigten Eklat beschwor der AStA-Vorsitzende Lothar Ermrich mit seiner Rede auf der Immatrikulationsfeier am 10.5.67 herauf, als er seine „Gedanken zum Selbstverständnis studentischer Interessenvertretung“ formulierte. Mit Blick auf die deutsche Hochschullandschaft der vergangenen Jahre hatte er kritisiert, daß politische Meinungsäußerungen mit autoritären Mitteln unterdrückt worden seien; die unpolitische Universität aber sei Ideologie, und er forderte für Bochum Regelungen, die das „gute Einvernehmen zwischen Lehrenden und Lernenden auch institutionalisieren“. Als Ermrich jedoch die positiven Verhältnisse an der RUB hervorhob, hatte schon eine Reihe verärgerter Professoren demonstrativ den Saal verlassen. Von „Mißtönen“ und „Skandal“ war anderentags in der Presse zu lesen. Greeven kritisierte zwar auch den Inhalt der Ausführungen, gravierender war für ihn jedoch, daß Ermrich mit einer deplazierten Polemik das Vertrauen der Universität mißbraucht habe. |
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| „Skandal“ |
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| „Sachliche Töne“ herrschten dann wieder ein halbes Jahr später. Allerdings war insgesamt auch ein Ansichten- und Stimmungswandel unverkennbar, der z. B. darin zum Ausdruck kam, daß der neue Rektor Biedenkopf nun von der „kritischen Funktion der Universität gegenüber Staat und Gesellschaft“ sprach. Schon 1968 hatten sich die Immatrikulationsfeiern überlebt. Sie wurden durch einen Universitätstag mit Veranstaltungen hauptsächlich in den Abteilungen abgelöst. |
| Jörg Lorenz, Uniarchiv, UB 3/3, Tel. 700-6438. |
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