| Eingepfercht auf engstem Raum leben birmanische Flüchtlinge auf den Baustellen Thailands. Mehr als drei Quadratmeter stehen ihnen oft nicht zu. 90% von ihnen leiden unter Malaria, andere unter Tuberkulose, Typhus oder Wundschmerzen. Die einheimische Bevölkerung meidet die Kranken, die allein von Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins sans Frontières, MsF) ehrenamtlich versorgt werden. Für MsF entwickelten die RUB-Studentinnen Bärbel Mosebach und Michaela Müller einen Fragebogen zur Gesundheitssituation der birmanischen Flüchtlinge, auf den in Kürze ein Gesundheitsprojekt aufbauen soll. Mit einem Stipendium der japanischen Sasakawa-Stiftung flogen die beiden im Rahmen des europäischen Aufbaustudiengangs „Humanitäre Hilfe“ für 6 Wochen nach Thailand, um vor Ort die Interviews zu führen. | |
| Beobachtungen vor Ort |
| |
| Über die Lage in Birma und Thailand wußten die beiden schon länger Bescheid - die diplomierte Kulturwirtin Müller studierte Südostasienkunde und Wirtschaft in Passau. Die Diplomökonomin Mosebach war zunächst Thailand-Urlauberin, dann verlegte sie ihren Studienschwerpunkt auf Marketing bei NGOs. Im Rahmen des Aufbaustudiums verfaßten sie die Magisterarbeit zu „Birmanischen Flüchtlingen und illegalen Migrant/innen in Thailand“. |
| Wie eine Fotoausstellung der engagierten Studentinnen im Euroeck dokumentierte, leben in Thailand etwa 700.000 illegale Migranten aus Birma, der heutigen Union von Myanmar. Nicht mitgezählt sind 100.000 Flüchtlinge verschiedener ethnischer Minderheiten, die in den 26 Flüchtlingslagern im thailändisch-birmanischen Grenzgebiet leben. Auch sie trieben die Repressionen eines brutalen Militärregimes über die Grenze. Es ist schwierig, die unterschiedlichen Flüchtlingsschicksale in nüchterne Zahlenkolonnen zu fassen. Die Motive zur Flucht sind oft dieselben, die späteren Lebens- und Arbeitsbedingungen im Gastland Thailand dagegen nicht. Ausschlaggebend ist allein das bürokratische Unterscheidungskriterium des UN-Flüchtlingskommissariats. Verfolgte aus dem Volk der Shan erhalten z. B. keinen Flüchtlingstatus. Sie gelten als illegal und leben nicht in den Flüchtlingslagern Thailands. Sie müssen sich unter primitivsten Bedingungen auf Baustellen verdingen. Sie erhalten weniger als die Hälfte des einheimischen Lohns und sind ständig von Abschiebung bedroht, es sei denn sie bezahlen die Abschiebebehörden gut. Den im Lager lebenden „anerkannten Flüchtlingen“ ist dagegen Arbeiten offiziell verboten. Tun sie es dennoch, dann hausen sie wie „die Illegalen“ auf offenen Baustellen und arbeiten zu ausbeuterischen Bedingungen. |
| Zwischen Birma und Thailand kam es in der Vergangenheit oft zu politischen Spannungen. Das ist jetzt anders, so Mosebach und Müller: Das birmanische Militär überfällt die Lager der Flüchtlinge und brennt sie ab. Das thailändische Militär schaut nicht hin, denn Thailand verfolgt mittlerweile wirtschaftliche Interessen im Nachbarstaat. |
| Im Juli sind Bärbel Mosebach und Michaela Müller mit ihrem Studium fertig geworden. Ihre berufliche Zukunft in Deutschland ist noch ungewiß. Beide zieht es am liebsten wieder Richtung Asien. |
| tas |
|
|
|
|