| Mit heller und fester Stimme klagte Eren Keskin am 9. März während ihres Vortrages in der voll besetzten AStA-Cafete der Ruhr-Uni die Unterdrückung von Frauen und Mädchen in der Türkei an. An ausgewählten Beispielen machte sie während der Veranstaltung des autonomen Ausländer/innen-Referates auf die vielfältigen Formen von Frauenunterdrückung aufmerksam. Beispielsweise durch den Staat: Frauen sind nach der Heirat gezwungen, den Familiennamen des Mannes zu tragen. Sie dürfen auch nur mit der Erlaubnis des Ehemannes arbeiten, bei einer Scheidung werden die Kinder ihm zugesprochen. In der Haft werden oppositionelle Frauen - wie Zeynep Avci - meistens sexuell mißhandelt. Polizisten schoben ihr während der Folter die Schlagstöcke in die Gebärmutter. Eren Keskin berichtete weiter von Mißhandlungen im türkisch-kurdischen Konflikt: Remziye Dinc war ein kleines Bauernmädchen, das täglich das Vieh ihrer Großeltern zur Weide trieb. Es geriet in die Hände des Dorfschützers Nevzi Altuner, der es brutal vergewaltigte. Anschließend setzte er das Kind unter Druck. Der Täter behauptete, das Kind besitze Kontakte zur kurdischen Guerilla. Aus Angst und Scham verschwieg das Mädchen das Verbrechen. Wenig später vergewaltigten Altuners Freunde das Kind. In der anschließenden Gerichtsverhandlung wurde die Tat so dargestellt, als sei sie mit Einwilligung des Mädchens geschehen. | | Dokumentationszentrum im Aufbau |
| Diese Frauen können sich oft keine Anwältin leisten. Deshalb hat sich Eren Keskin - deren Leben durch ihre engagierte Arbeit in der Istanbuler Sektion des Menschenrechtsvereins Insan Haklari Dernegi selbst in Gefahr ist - gemeinsam mit ihren Kolleginnen Mercan Güclü und Nurcan Okcuoglu ein Dokumentationszentrum zur Aufgabe gesetzt, das die Fakten solcher Rechtsverletzungen und die Aussagen der Opfer zusammenstellt. Gleichzeitig bietet es Rechtshilfe an. |
| Die Deutschlandreise von Eren Keskin hatte auch den Zweck, das Zentrum international publik zu machen. Die Unterstützung durch Bochumer Frauen wie die Frauenbeauftragten der RUB oder die Einladerin Terre des Femmes Ruhr freute sie deshalb ganz besonders. Während ihres Vortrages wurde deutlich, daß die von Gewalt betroffenen Frauen nicht allein im Opferstatus verharren. In zahlreichen Initiativen haben sie sich über ethnische und politische Differenzen hinweg zusammengefunden, um den politischen Zuständen im Land zu trotzen. Nach ihrem Bochum-Aufenthalt traf Eren Keskin zu Gesprächen mit Bundesaußenminister Klaus Kinkel in Bonn zusammen. |
| tas |
|
|