Film & Plädoyer für Einbürgerung

        Deutschländer in Bochum
        Baba (Vater) Kaya steht überrascht in der Tür. Rechts unterm Arm die Raki-Flasche, links wie ein gutes Skatblatt in der Hand mehrere deutsche Personalausweise, die er frisch für sich und seine Familie erworben hat. Und die hatte sie nötig, denn immer wieder gab es unnötige bürokratische Hürden, die durch das stürmische Auftreten des Filius Deniz bedingt, genommen werden mußten, und die mit einem deutschen Paß schneller und einfacher zu überwinden gewesen wären. Baba Kaya ist türkischer Herkunft. Aber weil gerade Karneval ist und es mit den neuen Pässen viel zu feiern gibt, hat er sich in eine bayrische Krachlederne geworfen. Ja mei, da sitzt doch seine schwarzgelockte Tochter Lale bunt bemalt auf dem Sofa mit dem Freund, der sich formvollendet und mit russischem Akzent als „Igor Iwanowitsch“ vorstellt. „Ein Ausländer unter uns“, rätselt verstört der gerade eingebürgerte Vater Kaya.
        „Deutschländer“ ist nicht die bekannte Marke für knackige Partywürstchen, sondern Thema des Films des Bochumer Studenten Ayhan Demirden (1995 Ausländerreferent im AStA der RUB). Gerafft in 17 Minuten werden komödienhaft im Stile der türkischen Familienserie „Bizimkiler“ (Die unsrigen) die Probleme von 40 Jahren türkischer Migration in Deutschland abgehandelt, wie Fremdenhaß und die Forderung nach Einbürgerung.
        Wesentlich mehr Zeit verstrich, das Kurzfilmprojekt technisch und finanziell über die Bühne zu bekommen. Über eineinhalb Jahre arbeitete der Student der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften - dem in Kürze ein Vertrag beim türkischen Privatfernsehen „atv“ winkt - an Exposé und Dreharbeiten, bis endlich (26.2.97) im Bochumer Programmkino Metropolis der Gong zur Premiere erklang. Die Idee zum Film hatte, so Ayhan Demirden, seine Ehefrau, eine praktizierende Ärztin aus Datteln. Das Exposé legte er dem Paritätischen Wohlfahrtsverband vor, der das Manuskript auswählte, um gemeinsam mit der in Bochum ansässigen IFAK (Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendarbeit) bildlich und aus türkischer Perspektive heraus die Kampagne zur Einbürgerung in Deutschland lebender Migrantinnen und Migranten zu untermalen. Von dem Kurzfilm werden über 200 Videokopien an Institutionen in der Jugend- und Migrationsarbeit versandt.
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        Filmversand und Infopaket „Einbürgerung“: IFAK, Tel. 0234-67221.