Moral und Ethik bei Star Trek

        Bochumer Filmwissenschaftlerin analysierte Kultserie
        Am Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft der RUB wurde das Erfolgsrezept des Dauerbrenners „Star Trek“ untersucht. In ihrer von Prof. Dr. Gunther Salje betreuten Magisterarbeit „Fenster in die Zukunft. Eine Betrachtung der Kultserie Star Trek“ widmete sich Nicola Ruth Wanning, M.A., vor allem dem Thema „Moral und Ethik“, erstmals am Beispiel der Serie „The Next Generation“ (TNG).
        TNG unterscheidet sich von anderer Science-fiction durch die Konzentrierung der Handlung auf dramatische Konflikte. Der Plot der Episoden basiert häufig auf klassischen Motiven, die archetypische menschliche Konflikte widerspiegeln. Besonders die Figur des Captain Picard steht für intensive ethische Reflexion. Wenn Picard eine Entscheidung - oft zu aktuellen Themen wie Gentechnologie, Drogen, Abtreibung etc. - trifft, legt er stets ihre ethischen Grundlagen dar. In der „Sechs-Stufen-Theorie der Entwicklung des moralischen Urteils“ des amerikanischen Psychologen Lawrence Kohlberg steht Picard damit auf der höchsten Stufe: Für ihn gelten ausschließlich universelle ethische Prinzipien.
        Außerdem setzt sich TNG mit existentiellen Fragen des Menschseins auseinander, beispielsweise anhand des Androiden Data, eines „galaktischen Pinocchio“. Data wirkt wie ein Kind, das mit naiver Neugierde Antworten zum Wesen des Menschen sucht: Was bedeutet Freude und Trauer, Liebe usw.? Oft sind die Episoden, in denen Data menschliche Erfahrungen sammelt, ausgesprochen humorvoll. Die Komik resultiert aus dem Gegensatz des Computers in Menschengestalt zu dessen, oft unbewußt, sehr menschlichem Verhalten. Um ihn den Menschen ähnlicher zu machen, hat sein Schöpfer ihn mit einem „Ethikprogramm“ versehen.
        Kantsche Ethik
        Die in TNG vermittelte Ethik stellt Individualität, Toleranz und Freiheit an die oberste Stelle. Diese Auffassung orientiert sich an der Tradition der großen geistesgeschichtlichen Strömungen der Renaissance und der Aufklärung. Die Individualität der Bürger der Föderation (der universelle Zusammenschluß verschiedener Planeten, eine Art Weltraum-UNO) steht in keinem Widerspruch zur Unterordnung der persönlichen Interessen unter das Gemeinwohl. Damit knüpft die Verfassung der Föderation direkt an Immanuel Kants philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“ (1795) an. Es ist die Vernunft, die diesen Grundsatz hervorgebracht hat. Nicht umsonst gehören die Vulkanier zu den Gründern der Föderation; ein Volk, das Emotionen völlig unter Kontrolle hat und nur nach Grundsätzen von Logik und Vernunft handelt. Insgesamt vermittelt TNG, so Wanning, eine glaubwürdige Idee der Zukunft. Das gilt für die naturwissenschaftlichen Ausgangspunkte der fiktiven Technik und für die politisch-soziale Utopie. Die Föderation stellt sich dem Zuschauer als ideale Gesellschaft in der Tradition klassischer Utopien dar. Das utopische Denken glaubt an die positive Nutzung des menschlichen Potentials und an die evolutionären Kräfte des Menschen.
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