RUBENS Nr. 182 - 1. Nov. 2014
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Dabita heißt auf Wiedersehen

Ingenieure ohne Grenzen im Auslandseinsatz

Das Stichwort „Semesterferien der besonderen Art“ beschreibt nicht annähernd die Erfahrungen und Eindrücke, die Sebastian Zobel von seiner Reise nach Malawi zurück mit nach Deutschland gebracht hat. Der Maschinenbaustudent der RUB war zusammen mit Christian Lehmann, einem Diplomingenieur aus Essen, im Auftrag des Vereins Ingenieure ohne Grenzen in Südostafrika, um zu erkunden, ob und wie der Verein eine Schule vor Ort hinsichtlich der infrastrukturellen Grundversorgung unterstützen kann.

Im Dorf Chikhosi, etwa 70 Kilometer von der Hauptstadt Lilongwe, erwartete die beiden eine kleine Gemeinschaft, die auf die Unterstützung aus Deutschland hofft, um ihren Kindern eine bessere Bildung und damit eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Die abc-Gesellschaft, ein Verein aus Essen, hat dort vor ein paar Jahren zwei Schulgebäude errichtet und einen regelmäßigen Schulbetrieb etabliert. Den Gebäuden, inklusive der Unterkünfte der Lehrer, fehlt aber eine zuverlässige Strom- und Wasserversorgung.
„Um entscheiden zu können, ob und wie wir als Verein Ingenieure ohne Grenzen dieser Schulgemeinschaft helfen können, war es unbedingt notwendig, selber nach Malawi zu reisen“, berichtet Zobel. „Wir haben Wasserproben entnommen, um herauszufinden, wo die Wasserqualität am Besten ist. Wir haben die Bauweise der Häuser analysiert, um entscheiden zu können, ob beispielsweise eine Photovoltaikanlage auf den Dächern installiert werden kann. Und wir haben auf den lokalen Märkten geschaut, welche technischen Hilfsmittel und Materialien vor Ort für die Schule eingekauft werden können. Der wichtigste Aspekt war jedoch, dass wir mit den späteren Nutzern persönlich in Kontakt treten konnten, um herauszufinden, wo der tatsächliche Bedarf liegt, wie das Equipment wirklich genutzt wird und vor allem wie die Nutzer sich selbst helfen können, um ihre Situation zu verbessern.“
Nachhaltige Lösungen für die Projektpartner in den Entwicklungsländern zu schaffen, ist das oberste Ziel der Auslandsaktivitäten des Vereins Ingenieure ohne Grenzen. Die Regionalgruppe Bochum, zu der Zobel und Lehmann gehören, besteht seit 2007. Das Projekt in Malawi ist ihre erste eigene Projektarbeit im Ausland und das erste Projekt des deutschen Dachverbandes in diesem Land. Entsprechend aufwändig waren die Vorbereitungen für die Reise. Neben den Vorüberlegungen für die technischen Lösungen standen vor allen Dingen Fragen nach den kulturellen Unterschieden auf der Agenda. „Als wir vor Ort die Wasserproben entnommen haben, haben wir zum Beispiel die Lösungsflüssigkeit vor den Augen der Einwohner auf unserer Haut verteilt, um ihnen die Angst vor dieser Arbeit zu nehmen. Die verwendete Kochsalzlösung ist alles andere als schädlich, den Einwohner aber gänzlich unbekannt“, erklärt Zobel.

15 Tage in Malawi

Insgesamt 15 Tage verbrachten die beiden in Malawi und machten sich ein umfassendes Bild von der Schulgemeinschaft. „Aktuell stehen die Lehrer mitten in der Nacht auf, um die einzige Wasserpumpe des Dorfes zu nutzen. Um auf diesem Wege den täglichen Wasserbedarf für sich und ihre Familien zu garantieren, müssen sie häufig auch ihre eigentliche Arbeitszeit als Lehrer nutzen und kommen so zu spät in den Unterricht. Da in Malawi gegen 17.45 Uhr die Sonne untergeht und es stockfinster wird, brauchen Schüler und Lehrer Licht, um auch in den Abendstunden lernen zu können. Viele Schüler sind tagsüber auf den Feldern in der Landwirtschaft beschäftigt und sind darauf angewiesen, am Abend unterrichtet zu werden“, sagt der Maschinenbaustudent.
Eine neue Wasserpumpe in der Nähe der Lehrerwohnungen zu errichten und eine Photovoltaikanlage zu bauen, sind nur erste Ideen eines Lösungsansatzes. Die genaue Ausarbeitung der technischen Lösungen erfolgt erst nach der nun anstehenden ausführlichen Analyse der gesammelten Daten in der Regionalgruppe.
Die Gruppe hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, ihre Ideen innerhalb des nächsten Jahres umzusetzen. Neben der Arbeit an den technischen Lösungen, besteht die große Aufgabe darin, genügend Spenden zu sammeln, um alle Geräte und Arbeiten vor Ort zu finanzieren. Bücherbasare und Aktionen auf Weihnachtsmärkten oder Sommerfesten sind dabei wichtige Einnahmequellen des Vereins, aber auch Spenden sind jederzeit herzlich willkommen. „Wer sich ein Bild von unserer Arbeit machen will, kommt am besten am ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr in Raum IC 03/134 oder besucht unsere Homepage. Dort gibt es auch weitere Berichte zu der Reise nach Malawi und unseren Aktivitäten für die Schule in Chikhosi“, fasst Zobel zusammen. „Ich selber bin immer noch positiv überwältigt von all den Eindrücken, die vor Ort auf mich eingeprasselt sind. Gleichzeitig bestärkt mich diese Erfahrung auch, mich weiterhin für Ingenieure ohne Grenzen zu engagieren und mein Studium durch diese praktische Arbeit zu ergänzen.“

Infos zum Verein gibt es im Web.

Kontodaten für Spenden:
Ingenieure ohne Grenzen e. V.
IBAN: DE89 5335 0000 1030 3333 37
BIC: HELADEF1MAR
Verwendungszweck: MWI-IOG01

mw, Fotos: Ingenieure ohne Grenzen | Themenübersicht