RUBENS Nr. 178 - 1. Mai 2014
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Thanks for playing

Studentische Initiative untersucht Computerspiele

Computerspiele sind längst nicht mehr nur etwas für Kinder und Nerds, sie gehören fest zur Freizeitbeschäftigung von Jung und Alt. Dieser Entwicklung trägt auch die Forschung verstärkt Rechnung. An der RUB beschäftigt sich die studentische „Initiative Game Studies“ (IGS) mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der digitalen Spielkultur. Sie hat mit der Reihe „Thanks for playing“ eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Spiele-Industrie geschaffen.

„Angefangen hat alles mit einem Kreativwirtschaftsseminar“, erzählt Peter Kozyra, eines der Gründungsmitglieder der IGS. Im Seminar sollten die Studierenden in Gruppen kleine Projekte zu selbst gewählten Themen erarbeiten. Eine Gruppe entschied sich für ein Projekt über die Spiele-Industrie und legte so den Grundstein für die spätere IGS. „Aus den Gruppentreffen entwickelte sich schnell ein Stammtisch über Computerspiele, zu dem immer mehr Interessierte kamen“, erinnert sich Kozyra. Dabei fiel den aus verschiedenen Fachrichtungen stammenden Studierenden auf, dass es zwar in der Medienwissenschaft Angebote zu Computerspielen gab, jedoch der interdisziplinäre Blick darauf fehlte.
So entstand die Idee, den privaten Stammtisch in eine studentische AG umzuwandeln. „Wir haben uns gefragt, wie wir bestehende Kontakte nutzen und neue knüpfen könnten. Da kamen wir schnell auf eine Vortragsreihe“, sagt Sabine Schollas. Für die kleine Gruppe war das eine Herausforderung. Niemand hatte Erfahrungen mit der Finanzierung und der Organisation. Als Glücksfall erwies sich der Kontakt zum Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, Arbeit und Wirtschaft von Prof. Rolf Heinze. „Darüber haben wir einen Kontakt zur Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr knüpfen können, wo man sich sehr aufgeschlossen für das Thema zeigte“, erzählt Schollas. Man habe dort erkannt, dass das für die Wirtschaft immer wichtiger werdende Standbein der Games-Industrie im Ruhrgebiet zu wenig Beachtung finde.

Feste Größe

Also schrieben die Studenten Förderanträge und erarbeiteten ein schlüssiges Konzept. Dazu gehörte auch die Überlegung, wie viele Gastredner pro Semester eingeladen werden sollten. „Wir haben festgestellt, dass vier Vorträge gut machbar sind“, sagt Kozyra. Zudem ermöglicht die gerade Zahl ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.
Im November 2012 war es soweit: Mit Xenia Hartleb von Ubisoft Blue Byte konnte die erste Vortragende in einem von der Medienwissenschaft zur Verfügung gestellten Raum begrüßt werden. Die Reihe hat sich seitdem als feste Größe an der RUB etabliert, sodass die IGS auch neue Projekte in Angriff nehmen kann – z. B. ein im vergangenen WS angebotenes Modul im Optionalbereich. Unter dem Titel „Gamification – Zwischen Theorie und Praxis“ gaben die IGS-Mitglieder Sabine Schollas und Felix Raczkowski Einblicke in die „Gamification“. Darunter versteht man den Prozess, Alltägliches wie Sport oder Arbeiten im Haus als Spiel zu betrachten. Denn das fördert – so die geläufige These der Spiele-Wissenschaftler – die Motivation, diese Aufgaben auch wirklich vollständig zu erfüllen.
Ergänzt wurde das theoretische Seminar durch den von Experten der Kasaa Health GmbH geleiteten Praxisworkshop „Serious Games“. Das sind Spiele, die nicht der Unterhaltung dienen, sondern vor allem medizinische oder therapeutische Zwecke verfolgen. Während derzeit noch unklar ist, ob es eine Neuauflage des Moduls geben wird, wird die IGS im Sommersemester „Thanks for playing“ fortsetzen. Den Auftakt macht am 8. Mai Carsten Wiedera Trombach. Der CEO der Crenetic GmbH Studios spricht über das Thema „GIVE EM BRAIN –Wie viel künstliche Intelligenz braucht ein Zombie?"

Weitere Infos zur Vortragsreihe und zur Initiative: https://dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/igs/.

Benjamin Hahn Foto: Hahn | Themenübersicht