RUBENS Nr. 176 - 1. Feb. 2014
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Was macht eigentlich...

... ein Anorganischer Chemiker?

Neuropsychologie, Embedded Security, Anorganische Chemie – was genau wird an diesen Lehrstühlen eigentlich erforscht? In unserer RUBENS-Serie stellen wir in jeder Ausgabe einen anderen Lehrstuhl vor. Dr. Bauke Albada (34) studierte Chemie im niederländischen Utrecht, wo er auch seine Promotion in Pharmazie abschloss. Seit 2010 arbeitet er als Postdoc am Lehrstuhl für Anorganische Chemie der RUB; was er da eigentlich macht, hat er Julia Weiler erzählt.


RUBENS: Was erforscht ein Anorganischer Chemiker?

Dr. Bauke Albada: Die Chemie ist ein gigantisch großes Feld. Das ganze Universum beinhaltet Chemie, nicht überall genauso, wie wir sie hier kennen, aber trotzdem Chemie! Die Organische Chemie arbeitet hauptsächlich mit zehn Elementen, die nötig sind, um Leben zu konstruieren; sie ist stark auf Kohlenstoff fokussiert. Das ist bei der Anorganischen Chemie nicht der Fall; sie schaut auf alle Elemente, die auf der Erde vorkommen. Es geht zum Beispiel um Mineralien, katalytische Oberflächen oder Metallo-Enzyme. Es ist ein so breites Feld, dass es unmöglich ist, kurz zusammenzufassen, was alles gemacht wird: Fast alles ist drin!

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Jeder Tag ist anders! Das ist es, was ich so mag! Ich betreue Studenten und halte Kooperationen am Laufen. Hauptsächlich beschäftige ich mich aber mit Synthesen, das heißt, ich stelle im Labor neue chemische Verbindungen her und analysiere sie – zum Beispiel Substanzen, die antibakteriell wirken. Man könnte sagen, dass ich ein molekularer Architekt bin. Wir optimieren die selbst synthetisierten Stoffe, sodass sie so effizient wie möglich Bakterien töten und so wenig wie möglich menschliche Zellen schädigen. Wir suchen auch nach neuen Medikamenten gegen Krebs und optimieren Synthesewege. Vor Kurzem haben wir zum Beispiel ein Molekül für eine der gängigsten Reaktionen designt, in der zwei Biomoleküle ein neues Produkt bilden. Jetzt arbeiten wir mit einer großen deutschen Biotechnologie-Firma daran, das Molekül weltweit verfügbar zu machen.

Molekularer Architekt

Was ist für dich das Faszinierendste an deiner Forschung?
Mit der Anorganischen Chemie kann man ein komplett neues Territorium erkunden. Man erschafft Stoffe, die vorher nicht existiert haben. Dann bringt man sie in eine existierende Umwelt ein – etwa eine lebende Zelle – und schaut, wie diese darauf reagiert. Das finde ich wirklich faszinierend! Dass man etwas komplett Neues erschafft und dann herausfindet, ob man es zum Beispiel als Medikament einsetzen kann. Das Unbekannte erforschen – dabei fühle ich mich ein bisschen wie die Seefahrer, die in den alten Zeiten neue Teile der Erde entdeckten. Es ist es wichtig, die Augen offen zu halten, gut nachzudenken und dann ohne Angst vernünftig weiterzugehen.

Welche Berufsfelder gibt es für Anorganische Chemiker?
Universität und Industrie sind die klassischen Felder; wer eine wirklich gute Idee hat, kann seine eigene Firma gründen. Die Anorganische Chemie ist überall in der Industrie vertreten, vom Optimieren von Autokatalysatoren bis hin zur „grünen Chemie“, die derzeit boomt. Um biologisches Material in nützliche Chemikalien umzusetzen, braucht man Katalysatoren; und um diese herzustellen, braucht man die Anorganische Chemie. Es gibt viel zu tun! Auch im grünen Zeitalter.

Was ist dein Traum für deine Zukunft?
Zurzeit verfolge ich das Ziel, an der Uni zu bleiben, auch wenn die Industrie in Zukunft eine gute Option sein könnte. Ich möchte gern ein unabhängiger Forscher sein, denn ich habe meine eigene Idee, was die Chemie für die Menschen tun sollte. Ich möchte etwas entdecken, wovon viele Leute profitieren können. Zum Beispiel bessere Medikamente oder bessere Strategien, um Moleküle herzustellen, die Menschen im täglichen Leben brauchen.



Voller Einsatz für die Krebsforschung
Nicht nur im Uni-Alltag engagiert sich Bauke Albada für die Suche nach neuen Medikamenten. Auch in seiner Freizeit zeigt er vollen Einsatz. Als leidenschaftlicher Radfahrer wollte er 2013 an der „Tour de Concorde“ teilnehmen: Um Spendengelder für die Krebsforschung zu sammeln, wäre er die komplette Strecke der Tour de France gefahren (http://aktuell.rub.de/pm2013/pm00047.html.de). Leider sagten die Veranstalter das Rennen ab. „Ich hoffe, dass die Tour 2016 zustande kommt und dass ich dann dabei sein kann“, sagt der Chemiker. „Sicher findet sich vorher aber auch eine andere Gelegenheit. Man kann immer etwas tun, zum Beispiel einen Marathon für einen guten Zweck laufen.“

jwe; Foto: jwe | Themenübersicht