RUBENS Nr. 173 - 1. Nov. 2013
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Wissensbörse

5x5.000-Gewinner: „Statistik für Erziehungswissenschaftler“

Geisteswissenschaftler haben bisweilen Probleme mit Statistik. Abhilfe schaffen soll ein Projekt am Institut für Erziehungswissenschaft. Dr. Katja Serovas Team hat damit 5.000 Euro beim eLearning-Wettbewerb 5x5000 gewonnen. Nun will es das Konzept mit der „Wissensbörse“ umsetzen.

Die Wissensbörse enthält die Themen des Pflichtmoduls „Statistik für Erziehungswissenschaftler“, in dem das Projekt auch verankert ist. „Wir arbeiten ständig daran, den Zugangsschwierigkeiten zur Statistik, die viele Studierende in den Geisteswissenschaften haben, entgegenzuwirken und die Studierenden vielseitig und optimal beim Lernen zu unterstützen“, erklärt Dr. Serova. „Es ist uns aufgefallen, dass die Angebote, die das individuelle Fortkommen fördern, nicht ausreichen. Die Studierenden suchen vermehrt nach Online-Kommunikationsmöglichkeiten, die bisher nur außerhalb unseres Kurses spontan organisiert wurden (z.B. via Facebook-Gruppe). Unsere Idee ist, dass durch eine Wissensbörse die Kommunikationskanäle optimiert werden, damit die Bildung von ad-hoc-Lerngruppen oder Tandems zur gegenseitigen Nachhilfe leichter wird.“ Dr. Ferdinand Stebner vom Projektteam erläutert das Problem aus lernpsychologischer Sicht: „Die Wissensbörse ist eine Plattform für einen moderierten Wissensaustausch. Durch die Möglichkeit, den anderen Studierenden eigenes Wissen zu bieten, wird die Selbstwirksamkeitserwartung gestärkt, die Selbstregulation geschult und die Barriere, Hilfe in Anspruch zu nehmen, abgebaut.“

Caesar umformuliert

Zur Beschreibung des didaktischen Konzepts hat das Projektteam eine prominente Aussage von Julius Caesar umformuliert: Aus „veni, vidi, vici“ (Ich kam, ich sah, ich siegte) wurde „convenite, videte, solvite“ (zusammenkommen, sehen, lösen). „Zusammenkommen“ bedeutet, dass mithilfe einer moderierten und aktiv genutzten Austauschplattform eine Lerngemeinschaft entsteht. Das Zugehörigkeitsgefühl wirkt dabei den Lern- und Motivationsschwierigkeiten entgegen. Das „Sehen“ hebt darauf ab, dass im Austausch diffuse Lernprobleme leichter zu identifizieren sind. Die Studierenden werden angeregt, sich gegenseitig und selbstverantwortlich beim Erkennen der Lernschwierigkeiten zu unterstützen. Das geschieht z.B. durch „Expertengruppen“, die sich jeweils mit einem Thema intensiv befassen, einen zusammenfassenden Forumsbeitrag erstellen und die Diskussionen zu diesem Thema moderieren. „Lösen“ schließlich bedeutet, dass das Wissen bei der gegenseitigen Hilfe gefestigt wird. Hierfür gibt es mehrere Ideen wie die Bildung von Online-Lerngruppen und Tandems, das Zugreifen auf bereits bestehendes Angebot und auf „Expertengruppen“ sowie das Erstellen einer Art Nachschlagewerk (FAQ), auf das die Studierenden auch später zurückgreifen können.
Mit diesem kommunikativen und lösungsorientierten Konzept überzeugte Katja Serova die Jury beim aktuellen eLearning-Wettbewerb 5x5000: „Wir freuen uns sehr, dass unsere Wissensbörse bei der studentischen Jury einen bleibenden Eindruck hinterließ! Mit dem Preisgeld können wir eine qualitativ hochwertige Plattform aufbauen, die nachhaltig die Studierenden beim Lernen unterstützt.“ Das Team teilt die Begeisterung. Dr. Ute Lange ist optimistisch: „Es ist für uns ein sehr wichtiges Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung sowohl für bereits gemachte Arbeit als auch für die künftigen Projekte.“ Auch die studentischen Teammitglieder Lisa Marcinkowski und Jan Hackerts freuen sich auf die neuen Herausforderungen: „Wir haben viele Erfahrungen mit Statistik-Tutorien und Online-Tests gesammelt. Jetzt können wir unser Wissen für die Gestaltung und Erstellung der Wissensbörse anwenden."

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