Wo kommst Du denn her?
Studierende bringen ihre Heimat in deutsche Klassenzimmer
Gemeinsam kochen, tanzen, diskutieren: Es gibt viele Wege, eine fremde Kultur kennen zu lernen. Im Programm „Europa macht Schule“ (EMS) nutzen internationale Studenten sie alle. Denn das ist das Konzept vom EMS: Europäische Gaststudenten gehen in deutsche Klassen, um deutschen Schülern in kleinen Unterrichtsprojekten ihre Heimatländer vorzustellen.
Koordiniert wird das Programm vom DAAD und unterstützt vom Bundesbildungsministerium (BMBF). Ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort stellen den Kontakt zwischen Schulen und Studierenden her und helfen bei der Koordination. EMS ist in 36 deutschen Städten vertreten, u.a. in Essen und seit 2011 in Dortmund. Beide Standorte begleiten Projekte im ganzen Ruhrgebiet, also auch in Bochum. Am 25. April stellt das Dortmunder Team mit allen beteiligten Studierenden, Lehrern und Schülern die Projekte des Programmjahres 2012/13 im Dortmunder Rathaus vor. Die Veranstaltung beginnt um 11 h, Interessierte sind herzlich willkommen.
Das Programmjahr 2013/14 beginnt dann im November mit der online-Anmeldung interessierter Lehrer und Studierender. Dabei können sie angeben, welches Land bzw. welche Schulform sie besonders interessiert. „Wir bemühen uns, den Wünschen nachzukommen. Das hat auch immer ganz gut gepasst“ sagt Eva Gerritzen, eine der fünf ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in Dortmund. Bisher engagieren sich im Ruhrgebiet viele Studierende aus Spanien und der Türkei. Gerritzen hofft, „dass im nächsten Jahr noch mehr Studierende aus noch mehr verschiedenen europäischen Ländern teilnehmen wollen.“ Da die Studierenden oft aus einer anderen Lehr- und Lernkultur kommen als ihre Schüler, vermitteln die EMS-Mitarbeiter den Studierenden auf einem Wochenendseminar Grundlagen der Pädagogik und der interkulturellen Kommunikation. Damit Lehrer und Studierende ihre Erwartungen unter einen Hut bringen können, lernen sie sich frühzeitig kennen und planen die drei bis fünf Unterrichtsstunden gemeinsam. Auf einem Zwischentreffen im Februar berichteten Lehrer und Studierende von ihren Projekten und konnten sich letzte Tipps vom EMS-Team holen. Außerdem stellten Studierende, die Deutschland nach dem Wintersemester verlassen, bereits abgeschlossene Projekte vor.
Zwischen Klischee und Alltag
Unter anderem präsentierte Rade Sazdovski sein Projekt „Mazedonien – wo liegt denn das?“. An zwei Tagen besuchte er eine Inklusionsklasse des Gymnasiums Eickel in Herne. Zunächst empfand er es als Herausforderung, sein Programm auf alle Schüler der Inklusionsklasse zuzuschneiden. Aber dass Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Kinder bestehen, „habe ich wirklich nicht gemerkt“, sagt er. Immer wieder sehen sich Studierende aus Frankreich oder Spanien mit der Frage konfrontiert „Vorurteile bestätigen oder abbauen?“ Manche Klassen erwarten eben Paella und Flamenco, Rotwein und Baguette. Rade Sazdovski hatte dieses Problem nicht: Mazedonien war den Kindern völlig unbekannt. Nur mit Hilfe des Atlas‘ fanden sie heraus, wo das Land liegt. In einem kurzen Vortrag erfuhren die Schüler dann mehr über die Hauptstadt Skopje, über die Landschaften und über berühmte Persönlichkeiten Mazedoniens. Anschließend spielten sie mit ihrem neuen Wissen ein Mazedonien-Domino und erprobten sich in kyrillischer Schrift.
Am zweiten Tag erzählte Sazdovski den Kindern eine Legende über die „Steinstadt“ bei Kuklica im Norden des Landes. Bei mazedonischer Volksmusik malten die Schüler verschiedene Szenen dieser Geschichte und bastelten zum Abschluss ein Buddybook mit den Themen, die ihnen besonders wichtig waren. „Insgesamt bin ich sehr zufrieden und glücklich“, strahlt Rade Sazdovski. „Die Kinder waren sehr neugierig“. Auch Lehrerin Antje Fehrholz ist begeistert: „Es ist für die Kinder total spannend! Und wenn man sieht, dass da was hängen bleibt, ist das doch super!“
Info: Internationale RUB-Studierende können sich unter www.europamachtschule.de näher informieren und anmelden. Der EMS-Standort Dortmund/Bochum sucht zudem Studierende, die sich wie Eva Gerritzen ehrenamtlich für Europa macht Schule engagieren.
Text/Foto: Nadja Balnis | Themenübersicht

