Autonome Unis sind gut für den Staat
Aktuelle Studie zu den neuen Steuerungsmechanismen
Der Staat hat keineswegs an Einfluss verloren, als er die Autonomie der Universitäten „durch Globalbudgets, Berufungsrechten und organisatorische Eigenständigkeit“ stärkte. Dieses Fazit ziehen die RUB-Wissenschaftler Prof. Jörg Bogumil, Prof. Martin Burgi und Prof. Rolf G. Heinze u.a. in ihrer soeben erschienen Studie „Modernisierung der Universitäten. Umsetzungsstand und Wirkungen neuer Steuerungsmechanismen“. Das Buch bildet den Abschluss des Projektes „Neue Steuerung von Universitäten – Evaluierung von Governance-Reformen des deutschen Universitätssystems“, das 2009-2012 aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Hans-Böckler-Stiftung an der RUB durchgeführt worden ist.
Zugleich räumen die Wissenschaftler mit der Mär auf, Wirtschaft und Gesellschaft hätten durch die Einführung von Hochschulräten übermäßig an Einfluss in Unis gewonnen. Vielmehr sei die „zielbezogene Außensteuerung durch die Hochschulräte eher vor untergeordneter Bedeutung“. Mit der Einführung der neuen Steuerungsmechanismen haben laut der Autoren „Rektorate ohne Zweifel an Macht gewonnen und Senate und Fakultäten an Einfluss verloren“. Damit sei eher die hierarchisch-administrative Selbststeuerung gestärkt, die akademische Selbstorganisation geschwächt worden, als dass der Staat an Einfluss verloren hätte.
Empirisch untersucht haben die Forscher den Stand der Implementierung neuerer Steuerungsmechanismen und das dadurch erreichte Ausmaß institutioneller Veränderungen. Untersucht wurden dann im zweiten Schritt die Auswirkungen der Instrumente auf die Outputs, Prozesse und Strukturen der Unis. Dazu haben die Wissenschaftler flächendeckend mit Fragebögen Rektoren, Kanzler, Dekane, Professoren, Hochschulratsmitglieder und Personalratsvorsitzende schriftlich befragt (mit Rücklaufquoten zwischen 39 und 72%).
Nach Ansicht der befragten Rektoren, Kanzler, Dekane und Professoren haben die Reformen der letzten 20 Jahre die Universitäten autonomer gemacht und dadurch „in der Summe positive Effekte“ bewirkt. Die Anreize haben insbesondere die Forschungsleistungen deutlich gesteigert, aber auch in der Lehre seien Verbesserungen zu verzeichnen. Mit der Stärkung der Rektorate ging jedoch ein „enormer Anstieg des Verwaltungs- und Controllingaufwands auf den zentralen und dezentralen Ebenen“ einher. Zudem haben die Reformen nach Ansicht der Befragten den Kampf um Drittmittel erheblich angeheizt. Die Personalräte nehmen zwar die Verbesserungen wahr; sie stellen aber zugleich fest, dass „sich die Arbeitsbedingungen und die Motivation/Zufriedenheit sowie formalen Mitbestimmungs- und informellen Partizipationsmöglichkeiten des wissenschaftlichen Personals eher verschlechtert haben“.
Info: Jörg Bogumil u.a. : „Modernisierung der Universitäten. Umsetzungsstand und Wirkungen neuer Steuerungsinstrumente“, edition sigma, Berlin 2013 (Modernisierung des öffentlichen Sektors, Sonderband 41), 18.90 Euro.
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