Die große Ökumene
Bochumer Studierende in Kamerun
Eine Gruppe Bochumer Theologiestudierender auf Exkursion in Kamerun – was kommt auf sie zu, was für Erlebnisse warten? Mit großer Vorfreude und einer gewissen Spannung – für nicht wenige Teilnehmende war es die erste Reise nach Afrika – machte sich eine Gruppe der Evangelisch-Theologischen Fakultät auf den Weg nach Zentralafrika.
In den frühen Morgenstunden des 14. Februar trafen sich am Flughafen Brüssel insgesamt 20 Studierende, Doktoranden und Lehrende. Geleitet wurde die Exkursion von Prof. Dr. Traugott Jähnichen und Clemens Wustmans (Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre). Auf Einladung des aus Kamerun stammenden Pastors Sadrack Djiokou, der im Kirchenkreis Soest tätig ist und als Doktorand bei Prof. Jähnichen die Kontakte vor Ort vermittelte, landete die Truppe am frühen Abend in Douala, der zweitgrößten Stadt Kameruns. Im Gepäck befanden sich nicht nur Mückenschutz und Reiseapotheke, sondern auch große Neugierde. Geplant waren für die 13 Tage der Besuch von kirchlich-sozialen Projekten sowie von Universitäten und dort der Austausch mit kamerunischen Studierenden. Im Kontext des Themas der Exkursion, der Frage nach Form und Inhalt interreligiöser Dialoge in Kamerun, standen auch interkulturelle Begegnungen: u.a. Audienzen bei Dorfältesten, Königen und Sultanen.
Kaum in Kamerun angekommen, reiste die Gruppe mit dem Nachtzug in den Norden des Landes. Nach einer 15-stündigen Fahrt und von der Morgensonne geweckt, fanden wir uns in der Sahelzone wieder. Kamerun wird auch als „Afrika in Miniatur“ bezeichnet, da das Land nahezu die ganze Vielfalt, die Afrika an Landschaften, Bevölkerung, Kultur, Flora und Fauna bietet, erlebbar macht. Geographisch bedeutet dies: Vom tropischen Regenwald im Süden wird es nach Norden hin immer trockener, bis man sich am Südrand der Sahara befindet. Über 200 verschiedene Ethnien sowie Spuren der französischen, britischen und deutschen Kolonialgeschichte lassen sich in Kamerun entdecken. Der Norden ist stark muslimisch geprägt (in N´Gaoundéré waren wir bei einer Fantasia, einem Reiterfestspiel zu Ehren des dortigen Sultans), aber auch hier lassen sich christliche Einflüsse finden. In Garoua besuchten wir Gottesdienste, die in Afrika im Vergleich zu Deutschland deutlich fröhlichere und lebendigere Veranstaltungen sind. Sie sind durch Gesang und Tanz geprägt und dauern oft vier oder mehr Stunden. Auf Einladung der Gemeinden hielten Sadrack Djiokou und Traugott Jähnichen Predigten.
Den Alltag meistern
Einen anderen Einblick gewährten uns kirchliche und soziale Projekte, die die Menschen und ihren Kampf, den Alltag zu meistern, in den Mittelpunkt stellen. Prägnanteste Beispiele sind der Besuch eines Alphabetisierungsprojektes und einer Medizinstation. Das Alphabetisierungsprojekt der Evangelischen Kirche von Kamerun bietet erwachsenen Frauen die Möglichkeit, lesen und schreiben zu lernen. Es war anrührend mitzuerleben, wie eine Frau voller Stolz von ihrem Glück berichtet, zum ersten Mal ihren Namen zu schreiben. Die Medizinstation versucht unter widrigsten Umständen, in einem Land, in dem man besser nicht krank werden sollte, zumindest eine Grundversorgung herzustellen und z.B. an Malaria Erkrankte im Rahmen der Möglichkeiten zu behandeln. Die für Reisende aus Europa selbstverständliche Prophylaxe ist für einen Großteil der Bevölkerung schlicht nicht zu bezahlen.
Die Université Protestant de l’Afrique Central (UPAC) in Yaoundé ist eine der renommiertesten evangelischen Unis der Region, vor allem in der Theologen-Ausbildung. An der UPAC empfing uns der Rektor, der baptistische Theologe Timothée Bouba Mbima, von dem einige Aufsätze auf Deutsch veröffentlich sind. Für uns ungewohnt und sehr interessant war die integrative Haltung gegenüber dem Islam. Bouba sprach von einer „großen Ökumene“. An der UPAC ist es normal, dass auch Muslime studieren können. Das selbstverständliche interreligiöse Miteinander von Christentum, Islam und traditionellen Religionen ist eine Besonderheit Kameruns und könnte beispielhaft sein. Vor den zunehmend multireligiös und plural strukturierten gesellschaftlichen Hintergründen des Ruhrgebiets sind solche Erfahrungen für angehende Religionslehrer/innen und Pfarrer/innen sicherlich wertvoll.
Vertieft werden sollen die Eindrücke und Erlebnisse in einem Begleitseminar im Sommersemester. Aus einer ähnlichen Exkursion des Lehrstuhls 2012 nach Ruanda gingen zudem Examensarbeiten und Forschungsvorhaben hervor.
Text/ Foto: Maximiliane Golsong, Clemens Wustmans | Themenübersicht

