RUBENS Nr. 168 - 1. April 2013
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Aus Betrachtern werden Teilnehmer

Kunstsammlungen zeigen im Kubus Werke von Franz Erhard Walther

Vom 25. April bis zum 1. September zeigen die Kunstsammlungen der RUB im Kubus von Situation Kunst die Ausstellung „Perpetuum mobile: Lager Sockel Handlung“. Zu sehen sind Werke von Franz Erhard Walther. Walther gehört zu den international bedeutenden Bildhauern, die mit ihren Arbeiten die Kunst maßgeblich verändert haben. Mit seinen Werksätzen, die aus Betrachtern Teilnehmer machen, gilt er als Pionier der Partizipationskunst. Die Ausstellung präsentiert raumbezogene und grafische Arbeiten. Sie zeigen, dass Walther die Kunstproduktion und -rezeption als einen permanenten Prozess begreift: Aus Lagerformen werden Werke, die als Sockel dienen können oder zu Handlungen animieren.
Walther studierte Anfang der 60er-Jahre mit Gerhard Richter, Sigmar Polke und Joseph Beuys bei Karl Otto Götz an der Düsseldorfer Kunstakademie. Während sich Richter und Polke an der Pop Art orientierten und Beuys wichtige Impulse von der Fluxus-Bewegung aufnahm, entwickelte Walther seine künstlerische Sprache im Umfeld der US-amerikanischen Kunst der 60er- und 70er-Jahre. In der amerikanischen Kunst dieser Zeit ging es darum, den europäischen Werkbegriff zu verabschieden. Künstler wie Richard Serra oder Robert Morris experimentierten ebenso wie die Tänzer/innen des „Neuen amerikanischen Tanzes“ mit einfachen Handlungen. Das Publikum wurde in den Prozess der künstlerischen Aktion einbezogen. Hier setzt auch Walther an. Viele internationale zeitgenössische Künstler wie Tino Seghal oder Santiago Sierra beziehen sich in ihrer Arbeit ausdrücklich auf ihn. Und international renommierte Ausstellungsinstitutionen wie die Dia Art Foundation (2010-12) oder das Museum of Modern Art in New York (2012-13) unterstreichen mit Ausstellungen und Werkvorführungen die Bedeutung seiner Arbeit für die zeitgenössische Kunst.

Von Studierenden mitgeplant

Diese Aktualität wird auch in der Kubus-Ausstellung deutlich. Ortsspezifische Installationen und Zeichnungen führen zentrale Aspekte der Arbeit von Walther vor Augen und machen den transitorischen Status von Gegenständen in seinem Werk deutlich. Je nach Einbindung und Gebrauch verwandeln sie sich von Lagerformen zu Werkformen und zu Objekten, die zu Handlungen einladen und als Sockel für Akteure fungieren. So dienen Werkstücke aus den Jahren 1969 bis 2003 als Elemente für eine neue ortsbezogene Installation. Walthers „Schreit- und Standstücke“ ermöglichen neue Raum- und Werkerfahrungen: Die Besucher werden eingeladen, sich auf ihnen zu bewegen und so die Objekte, den Raum und auch die Beziehung zueinander sowie zu anderen Akteuren neu zu erfahren. Korrespondierend dazu veranschaulichen Grafiken den prozessualen Charakter von Walthers handlungsbezogener künstlerischer Arbeit.
Erarbeitet wurde die Ausstellung von Dr. Friederike Wappler (Wissenschaftliche Leiterin der Kunstsammlungen) in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler. Sie schließt an Master-Seminare des kunstgeschichtlichen Studiums an, die es auch Studierenden ermöglichen, an der Ausstellung und ihrer Vermittlung teilzuhaben. In einem vorbereitenden Seminar im Wintersemester 2012/13 wurden kunsthistorische Fragen zum Werk Franz Erhard Walters reflektiert und die Ausstellung vorbereitet. Im Sommersemester 2013 findet ein Aufbau-Seminar zur Realisierung und Vermittlung statt. Die Seminarteilnehmer drehen einen Film über das „Benutzen“ der Objekte, werden in die Kommunikation einbezogen und vermitteln den Besuchern als „Artspeaker“ das Projekt.
Friederike Wappler organisiert regelmäßig Ausstellungen, bei denen sie Studierende der Kunstgeschichte in den Prozess der Ausstellungsrealisation mit einbezieht. In begleitenden Seminaren lernen die Studierenden das Zusammenspiel zwischen kunsthistorischer Theorie und kuratorischer Praxis kennen und sammeln erste Erfahrungen in ihrem zukünftigen Berufsfeld.


Alle Daten zur Ausstellung
„Franz Erhard Walther. Perpetuum mobile: Lager Sockel Handlung“, 25.4.-1.9.13, Kubus/Situation Kunst, geöffnet Mi, Do & Fr 14 – 18 h, Sa/So 12-18 h; Eintritt 5/3 Euro; www.situation-kunst.de u. www.kusa-rub-moderne.de; lesen Sie auch das ausführliche Interview mit Franz Erhard Walther in der aktuellen Ausgabe von RUB Kultur (zu bestellen unter rubens@presse.rub.de oder online zu lesen unter www.rub.de/rubens/rubens168/17.html). F.E. Walther wird zur Ausstellungseröffnung am 25.4. (18 h) nach Bochum kommen.

Claudia Rinke, Foto: Hans Schröder © F.E. Walther / VG Bild-Kunst
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