RUBENS Nr. 166 - 1. Jan. 2013
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"Alle an einen Tisch"

ELLI vernetzt und setzt Impulse – manchmal auch beim Mittagessen

Vom Seminarraum über die Cafeteria bis in die Mensa – in der Vorlesungszeit muss man etwas flexibler sein, was Raumwahl und Zeitfenster für einen fakultätsübergreifenden Austausch betrifft. Im ELLI-Projekt ist dieser Austausch von besonderer Bedeutung. Nach dem Motto „Alle an einen Tisch“ trafen sich Anfang Dezember erneut Mitarbeiter/innen der RUB, diesmal zum Thema „Übergang Schule – Hochschule“. Beim sog. Brownbag Lunch diskutierten sie u.a. darüber, ob am Tag der offenen Tür 2013 doppelt so viele Studieninteressierte zu erwarten sind wie 2012. Und was dann zu tun wäre? Am Ende des Treffens standen drei mögliche Lösungswege, die nun weiterverfolgt werden – und zufriedene Mitarbeiter/innen, die sich unbedingt weiter austauschen und voneinander lernen möchten.

Viele der Maßnahmen des ELLI Projektes zielen auf die Verbesserung von Übergangsphasen. Der Übergang von der Schule zur Hochschule ist einer davon. Aber auch schon vor einer konkreten Studienfachwahl sind besondere Maßnahmen für bestimmte Zielgruppen erforderlich. So sind Frauen in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen – immer noch – stark unterrepräsentiert. Angestoßen durch die fakultätsübergreifende Zusammenarbeit beim Schülerinnenprojektworkshop (SPW) im Oktober wurde eine Vorbilderreihe entwickelt, die nun jungen Frauen einen persönlicheren Einblick ins Ingenieurstudium bietet (RUBENS 164). Das ist ein erster Baustein dafür, dass ein „neues“ Bild vom Ingenieurstudium auch in den Schulen entsteht. Weitere Schritte sind in Planung. Neben der Motivation von Schülerinnen will ELLI einen möglichst breiten Zugang zum Ingenieurstudium ermöglichen bzw. der zunehmenden Heterogenität der Studienberechtigten gerecht werden. Zum Beispiel arbeitet ELLI zusammen mit der gemeinsamen Arbeitsstelle RUB/IGM daran, den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte zu fördern.

Gelungene Übergänge

Aber nicht der nur der Einstieg ins Studium ist von Interesse, auch die Übergänge in Promotion und Berufsleben halten besondere Herausforderungen bereit. Hier setzt das Projekt im Besonderen auf einen Austausch auf Augenhöhe, um den Studierenden passgenaue Informationen geben zu können. An den Schnittstellen vom Studium zur Promotion bzw. zum Beruf erhalten Studierende Kontakte zu Praktiker/innen aus Unternehmen bzw. zu Promovierenden aus den Fachbereichen. Darüber hinaus bietet ELLI spezielle Fortbildungen für Promovenden an. Im professionellen Coaching „Führungskompetenzen in Forschungsprojekten entwickeln“ können Mitarbeiter/innen sich mit ihrer spezifischen Situation auseinandersetzen, ihre Führungsaufgaben in Forschungsprojekten reflektieren und ihre Kompetenzen weiterentwickeln, insbesondere in Hinblick auf die künftigen Anforderungen in Industrie und Wirtschaft.
Ein spezieller Übergang – dem sich bislang nur eine kleine Gruppe der ingenieurwissenschaftlichen Studierende stellt – ist der in ein anderes Land. Unter der Überschrift „GoING Abroad“ möchte ELLI die Mobilität der Ingenieur-Studierenden erhöhen, denn für angehende Ingenieurinnen und Ingenieure ist es enorm wichtig, in internationalen Teams arbeiten zu können und auf die Herausforderungen eines globalen Arbeitsmarktes vorbereitet zu sein. Gemeinsam mit den Ansprechpartner/innen in den Fakultäten, mit Studierendenvertretern sowie dem International Office wurde die Frage diskutiert: Wie kann erreicht werden, dass mehr Studierende der Ingenieurwissenschaften ins Ausland gehen? Es wurden vielfältige Ideen und Lösungsansätze entwickelt. Dazu zählen beispielsweise fakultätsübergreifende Infoveranstaltungen zu Studiums- und Praktikumsmöglichkeiten im Ausland, eine erhöhte Abstimmung der bestehenden Kooperationen untereinander sowie die Verbreitung studentischer Erfahrungsberichte aus aller Welt.

Innovative Lehrformate

Ein weiterer Schwerpunkt des ELLI-Projektes ist die Förderung innovativer Lehrformate sowohl in den virtuellen Lernwelten als auch ganz real. Was haben eine Kläranlage, ein Prüfstand für Elektrofahrzeuge und eine Robotersteuerung gemeinsam? Sie, sowie fünf weitere Projekte, werden im Rahmen des Verbundprojektes gefördert, um künftig räumlich und zeitlich flexible Laborversuche in der Lehre der Ingenieurwissenschaften anzubieten. Diese sollen daher entweder übers Internet fernsteuerbar sein oder aber das Experiment vollständig am Computer nachbilden. Ausgewählt wurden die Projekte von einer Jury, die mit Studierenden, Lehrenden und einem Vertreter der Hochschuldidaktik besetzt war. Bei den Einsendungen kam es darauf an, die geplanten Versuche möglichst realitätsnah zu gestalten, also u.a. auch bewusst Störquellen oder Messungenauigkeiten einzubauen. Außerdem wurde großer Wert auf die Wege zur Wissensvermittlung und -überprüfung gelegt, da die neu einzurichtenden Versuche das bereits bestehende Lehrangebot in den Ingenieurwissenschaften erweitern und ergänzen sollen. Ebenso war die Berücksichtigung der studentischen Perspektive ein wichtiges Entscheidungskriterium. Aus 13 Anträgen wurden acht ausgewählt, die mit insgesamt 472.000 Euro gefördert werden. Die Laborversuche werden nun eingerichtet und demnächst in Praktikumsversuche und Vorlesungen integriert.
ELLI unterstützt Lehrende in der Umsetzung und Implementierung von innovativen Lehr- und Lernformaten. Darüber hinaus konzipiert bzw. initiiert ELLI auch spezifische Formate. Ein Beispiel ist das Konzept für eine Lehrveranstaltung, in der Studierende der Ingenieurwissenschaften gemeinsam mit Studierenden geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer an fachübergreifenden Themen und Problemstellungen arbeiten. Die Vermittlung von Inhalten durch Dozent/innen wechselt sich dabei mit Problem-based Learning Phasen ab. Das Konzept wird in Kooperation verschiedener Lehrstühle der RUB sowie RUB/IGM entwickelt und umgesetzt. Los geht es mit dem Modul „Schutzbrille allein genügt nicht! Interdisziplinäre Aspekte im Arbeitsschutz“ im kommenden Sommersemester.
Ein weiteres Beispiel für die Entwicklung eines innovativen Veranstaltungsformates ist die sog. Career-Blockveranstaltung, die auf projektorientierte Lehre setzt. Die Studierenden sollen in kleinen Gruppen eine Problemstellung eines Industriepartners bearbeiten und die Ergebnisse vor Ort präsentieren – als „Ingenieur/in von Anfang an“. Hier schließt sich in gewisser Weise der Kreis, denn die Veranstaltung nutzt die innovativen Lehrformate insbesondere dazu, den Studieneinstieg zu flankieren. Der Fokus zielt darauf, die Identifikation mit dem Ingenieurberuf zu stärken und die Motivation fürs Studium zu erhöhen.
Nach einem Jahr steht fest: ELLI will auch in Zukunft vernetzen und Impulse setzen, um gemeinsam weiterzukommen auf dem Weg des exzellenten Lehrens und Lernens und freut sich auf die Zusammenarbeit mit bereits bekannten und neuen Partnern! Mehr Infos unter http://www.rub.de/elli.

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