Schub für Didaktiker
PSE und Fakultäten stärken die Fachdidaktik in der Lehrerbildung
Wenn ich gute Studenten haben möchte, sollte ich sicherstellen, dass diese bereits in der Schule gut unterrichtet werden. Dafür wiederum benötige ich hervorragend ausgebildete Lehrer. Basierend auf dieser Gleichung werden Lehramtsstudium und Lehrerbildung in Deutschland momentan optimiert. Ganz vorn dabei ist die RUB mit ihrem reformierten Lehramtsstudium und ihrer Professional School of Education (PSE), die die Lehrerbildung auf Basis der Bildungsforschung nachhaltig qualitativ verbessert. Zu diesem Zweck beteiligt sich die PSE u.a. aktuell an der Finanzierung von vier Fachdidaktik-Juniorprofessuren in den Geistes- und Naturwissenschaften.
„Mit dieser Maßnahme decken wir einerseits ganz bewusst den Karriereraum oberhalb der Promotion ab“, erklärt Prof. Peter Drewek (Foto), Dean der PSE. „Andererseits möchten wir auf diese Weise den Nachwuchssorgen in den Fachdidaktiken begegnen.“ Diese Sorgen gibt es deutschlandweit und darum steht die RUB automatisch im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte in den Fachdidaktiken. „Allein in den beiden Jahren, seit ich die Professional School leite, haben fünf Fachdidaktiker/innen die RUB verlassen, einige waren nur sehr kurze Zeit hier“, verdeutlicht Drewek. Die an der RUB nunmehr insgesamt bestehenden 20 Professuren für Fachdidaktik (teils kombiniert mit der jeweiligen Fachwissenschaft) sind nun weiter aufgestockt worden: Vier Fachbereiche (Anglistik, Germanistik, Geografie und Physik) und die PSE teilen sich in den nächsten sechs Jahren jeweils die Finanzierung einer Fachdidaktik-Juniorprofessur. Die PSE finanziert die Stellen inkl. Sachetat in den ersten drei Jahren (ca. 55.000 Euro pro Jahr), die Fachbereiche übernehmen die Stellenkosten für die folgenden drei Jahre. Auf diese Weise sollen junge Wissenschaftler/innen möglichst lange an der Ruhr-Uni gehalten werden.
Dean Peter Drewek bzw. seine Stellvertreterin Prof. Katrin Sommer (Fachdidaktik der Chemie) saßen stimmberechtigt in den Berufungskommissionen und waren so direkt in die Auswahl der Didaktik-Expertinnen eingebunden. Tatsächlich handelt es sich in allen vier Fällen um Frauen (s. Kästen). Zufall? „Nein“, sagt Prof. Drewek, „vor allem in der gewünschten Kombination von Fachdidaktik und empirischer Bildungsforschung sind Frauen im wissenschaftlichen Nachwuchs zunehmend stärker vertreten.“
Educational Studies
Zwischen Dezember 2011 und November 2012 wurden die Stellen besetzt. Alle vier Juniorprofessorinnen sind zwar den jeweiligen Fakultäten (zweimal Philologie, Geowissenschaften, Physik und Astronomie) zugeordnet. Sie gehören aber zugleich dem Center for Educational Studies der PSE an. Mit ihm bietet die PSE die fachlichen Voraussetzungen, um einen sichtbaren Beitrag in der Bildungsforschung und der Nachwuchsförderung zu leisten. Perspektivisch sollen möglichst viele der 20 fachdidaktischen (Junior-)Professuren an der RUB in das Center integriert und dabei die über die Fächergrenzen hinweg bereits bestehende Vernetzung weiter gestärkt werden. Zugleich sind die drei im Institut für Erziehungswissenschaft angesiedelten Lehrstühle „Lehr- und Lernforschung“, „Pädagogische Psychologie“ und „Schulforschung und Schulpädagogik“ sowie der Arbeitsbereich „Theorie und Planung des Unterrichts“ maßgeblich an den Forschungsstrategien des Center beteiligt. Explizit zur Mitarbeit eingeladen sind aber auch thematisch affine Wissenschaftler/innen aus den Wirtschaftswissenschaften, den Sozialwissenschaften, der Psychologie etc. Ende November haben sich die Mitglieder des Centers for Educational Studies zur zweiten Klausurtagung getroffen, mit dabei waren erstmals auch die vier neuen Fachdidaktik-Juniorprofessorinnen.
Dass Peter Drewek zu Beginn explizit den „Karriereraum oberhalb der Promotion“ angesprochen hat, hat übrigens auch seinen Grund. Denn auch von der Promotion im didaktischen Umfeld gibt es demnächst Neues zu berichten. Mehr dazu spätestens im Sommersemester.
Die vier Juniorprofessorinnen
Jun.-Prof. Dr. Irene Neumann war im Dezember 2011 die erste von der Professional School of Education mitfinanzierte Fachdidaktin, die an die RUB berufen wurde. Sie besetzt die Juniorprofessur für Didaktik der Physik. Als Forschungsinteressen nennt sie unter anderem „Nature of Science“ im Physikunterricht sowie Mathematik in der Physikausbildung in Schule und Hochschule. Irene Neumann studierte 2001-2006 Physik an der Uni Würzburg und schloss dieses Studium mit dem Diplom ab. Parallel studierte sie in Würzburg Mathematik und Physik fürs Lehramt und absolvierte 2007 das 1. Staatsexamen. Von Juli 2007 bis Juni 2010 war sie Promotionsstipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg „Naturwissenschaftlicher Unterricht“ an der Uni Duisburg-Essen. Im August 2010 wechselte Irene Neumann als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in die Abteilung für Didaktik der Mathematik am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik der Uni Kiel, wo sie bis zu ihrem Ruf nach Bochum blieb. Im April 2011 wurde sie an der Uni Duisburg-Essen mit einer Arbeit zur Kompetenzmodellierung im Bereich „Nature of Science“ promoviert.
Jun.-Prof. Dr. Sandra Hof besetzt seit dem WS 12/13 die Juniorprofessur für Didaktik der Geographie. 1997-2004 studierte sie die Fächer Erdkunde, Biologie und Deutsch fürs Lehramt an Gymnasien – sowie im Zweitstudium Diplom-Geographie – an der Uni Gießen. 2004 legte sie das 1. Staatsexamen ab und absolvierte ihr Referendariat an einem Gymnasium in Wetzlar. Nach dem 2. Staatsexamen entschloss sich Sandra Hof zu promovieren. 2006 kam sie als Doktorandin (ab 2007: Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes) in die AG „Didaktik der Biologie“ (Gießen und Kassel). Unterbrochen wurde die Arbeit in der AG von einem Forschungsaufenthalt am Illinois Institute of Technology (2008). Sandra Hof wurde 2010 mit der Arbeit „Wissenschaftsmethodischer Kompetenzerwerb durch Forschendes Lernen – Entwicklung und Evaluation einer Interventionsstudie“ promoviert. Bereits seit 2009 war sie als Studienrätin im Hochschuldienst am Institut für Geographie der Uni Gießen tätig. 2011/12 nahm sie eine Vertretungsprofessur für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik der Geographie an der Uni Hamburg wahr.
Ebenfalls seit Oktober 2012 ist Jun.-Prof. Dr. Eva Wilden in Bochum: als Juniorprofessorin für die Didaktik der englischen Sprache und Literatur. Sie befasst sich z.B. mit dem Potenzial klassischer und moderner Medien für den Fremdsprachenunterricht und mit der Förderung der Professionalisierung von Fremdsprachenlehrkräften. Eva Wilden absolvierte 1995-2002 an der Uni Duisburg-Essen den Lehramtsstudiengang Anglistik und Geschichte (1. Staatsexamen für die Sekundarstufen I & II). Von ERASMUS gefördert, studierte sie dabei ein Jahr lang an University of Sunderland. Sie nahm als Studentin zudem an einem dreimonatigen Austauschprogramm zur Internationalisierung der Lehrerausbildung in Amsterdam teil. 2007 wurde sie in Kassel promoviert. 2007/08 erwarb Eva Wilden an der University of Nottingham ein „Postgraduate Certificate in Education in History through the medium” (Englisches Lehrerdiplom für Geschichte und bilingualen Unterricht). In Kassel besuchte sie anschließend einen Anpassungslehrgang für EU-Lehrkräfte und wechselte 2009 für ein Jahr in den Schuldienst. 2010-12 war sie Studienrätin im Hochschuldienst an der Uni Frankfurt/Main (Institut für England- und Amerikastudien, Abteilung Sprachlehrforschung und Didaktik).
Als vierte im Bunde kam Jun.-Prof. Dr. Claudia Müller im November 2012 an die RUB, wo sie Juniorprofessorin für germanistische Sprachdidaktik mit Schwerpunkt Schreib-/Sprechdidaktik ist. Nach dem Abitur (1999) leistete sie ein freiwilliges soziales Jahr in Nordirland, bevor sie 2000 ihr Studium begann: zunächst ein Lehramtsstudium für Sekundarstufe II in Köln, ab 2001 ein Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschulen an der PH Freiburg (Deutsch, Heimat- und Sachunterricht mit Schwerpunkt Geschichte). 2005/2006 schloss sich dort ein Promotionsaufbaustudium an (Hauptfach: Deutsch) an. Bereits ab 2005 wirkte Claudia Müller an zahlreichen Projekten am Institut für Erziehungswissenschaft der PH Freiburg mit. Z.B. ging es um Sprachförderung von Kindern im Vorschulalter und um Rechtschreibförderung von Grund- und Sekundarschülern; sie leitete zudem Fortbildungen von Erzieher/innen und Grundschullehrer/innen. 2008 wurde sie Promotionsstipendiatin der Research School Education and Capabilities (TU Dortmund/Uni Bielefeld). Ihre Promotion in Linguistik schloss sie im Januar 2012 ab. Bis zu ihrem Ruf an die RUB wirkte Claudia Müller noch an verschiedenen Forschungsprojekten an der TU Dortmund mit.
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