RUBENS Nr. 166 - 1. Jan. 2013
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Wintertheater

Der Theater-Januar im Musischen Zentrum

Allen Einspar-Notwendigkeiten zum Trotz gibt es im Januar im Musischen Zentrum jede Menge gute Unterhaltung versprechendes Theater zu sehen: Das Theater Ohne Mittel vermischt geschickt Film und Theater und die Studiobühne gratuliert Georg Büchner zum 200. Geburtstag: mit einer innovativen Inszenierung von „Leonce und Lena“.

Theater braucht keine Mittel – nur Menschen. Dieser Meinung ist TOM – das Theater Ohne Mittel, eine studentische Theatergruppe, die sich im April 2012 zusammengefunden hat. Ohne Mittel, das heißt nicht nur ohne große finanzielle Rücklagen, sondern auch pur und ohne große Ausstattung. Das erste Projekt der Gruppe, „Regenschauer – Wie ich starb“ von Nathanael Ullmann (zugleich Regie), ist solch ein „pures“ Projekt, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt: Als der dem Leben gleichgültig gegenüberstehende Ephraim sich gerade entschlossen hat, Selbstmord zu begehen, begegnet er dem mysteriösen Gent. Dieser überredet ihn, noch eine letzte Reise zu unternehmen. Also ziehen beide durch das Land und treffen die verschiedensten Menschen mitsamt ihren Schicksalen: die unnahbare Myri, den von Selbstzweifeln zerfressenen Tom, die durch das Leben hetzende Helene und den unscheinbaren John. Jedem versucht Ephraim irgendwie zu helfen... „Die Inszenierung ist eine Mischung aus Film und Theater. Beide Medien sollen bestenfalls zu einem Medium verschwimmen, ineinander übergehen. Dafür wurden zahlreiche Szenen rund um Bochum, im Münsterland, in Hohenlimburg und sogar in Ostbelgien gedreht“, beschreibt Ullmann. Komplettiert wird diese Mischung durch (Live)-Musik von Alena Gaux; 12./13. Januar, je 19.30 h, Eintritt: 3 Euro, Kartenreservierung: ohnemittel@hotmail.de; Infos: http://www.ohnemittel.de.tl.

Pipi und Popo

2013 hätte Georg Büchner seinen 200. Geburtstag feiern können. Als Student wurde der Dichter zum politischen Revolutionär und kämpfte für Freiheit und Demokratie. Für einen Wettbewerb schrieb er 1836 – gleichzeitig zu seiner naturwissenschaftlichen Doktorarbeit – das satirische Lustspiel „Leonce und Lena“. Darin wird das sinnfreie und snobistische Leben des Adels beschrieben, aber auch die ausgebeuteten und ausgehungerten niederen Stände. Die Frage nach dem Sinn des Lebens hält Leonce (im Königreich Popo) und Lena (im Königreich Pipi) von der puren Freude am Dasein ab. Vom Leben und sich selbst gelangweilt, geben sie sich dem Müßiggang hin und werden erst aktiv, als sie verheiratet werden sollen: Beide fliehen. Auf der Flucht begegnen und verlieben sie sich. Mit wortspielreicher Ironie und virtuos artikulierter Absurdität werden die Charaktere von Büchner skizziert. In der Inszenierung der Studiobühne wird „Leonce und Lena“ unter kleinen Ensembles aufgeteilt. „Da alle Rollen in dem Lustspiel als Typen gekennzeichnet sind, haben wir es gewagt, sie mehrfach zu besetzen. Das heißt: Von Szene zu Szene könnte beispielsweise jeweils ein neuer Leonce-Darsteller bzw. eine Leonce-Darstellerin auftreten“, erklärt Regisseurin Karin Freymeyer das Prinzip; 26./27. Januar, je 19.30 h, Eintritt frei; Infos: http://www.rub.de/mz-theater.

Kurz vor Vorlesungsende, am 29. Januar (19.30 h; Eintritt frei; Infos: http://www.rub.de/mz-theater), findet im Theatersaal des Musischen Zentrums die „Abschlusspräsentation“ des MZ-Kurses im Optionalbereich „Improvisation und Schauspiel“ statt. In diesem erstmals angebotenen Kurs wurden seit Oktober 2012 zunächst verschiedene Formen der Improvisation aus der Theatergeschichte und aus aktuellen Veranstaltungskonzepten vorgestellt und besprochen. Praktische Improvisationsübungen sollten im weiteren Kursverlauf die eigene Kreativität auf die Probe stellen. „Ziel war es, eigene Grenzen in der darstellerischen Präsentation zu überwinden und sich neue unbekannte Freiräume zu erschließen“, erläutert Kursleiterin Karin Freymeyer. Diese praktischen Übungen wiederum bilden die Grundlage der öffentlichen Abschlussperformance.

ad; Foto: TOM | Themenübersicht