RUBENS Nr. 166 - 1. Jan. 2013
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"Deutscher Nobelpreis“

Onur Güntürkün erhält den Leibniz-Preis

Die Ruhr-Uni freut sich gemeinsam mit ihrem Preisträger Prof. Dr. Drs. h.c. Onur Güntürkün über den Leibniz-Preis 2013. Der Gottfried Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist mit 2,5 Mio. Euro dotiert und gilt als wichtigster Forschungsförderpreis in Deutschland. Mit ihm würdigt die DFG jährlich herausragende Forscher, die frühzeitig exzellente grundlegende Leistungen auf ihren Arbeitsgebieten erbracht haben und von denen erwartet wird, dass sie die Forschungslandschaft in Deutschland nachhaltig prägen werden.

„Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung. Nicht nur für mich, sondern auch für die RUB, meine Heimat-Uni“, sagt der Preisträger. „Ich gratuliere Onur Güntürkün herzlich. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich an der RUB eine exzellente gemeinsame Forschung von Neurobiologen und Experimentalpsychologen etabliert hat“, ergänzt Rektor Prof. Elmar Weiler.

Asymmetrie der Gehirnhälften

Wahrnehmen, Lernen und Entscheiden – wie das Gehirn diese Prozesse hervorbringt, untersucht Onur Güntürkün (Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Abteilung Biopsychologie) auf der Verhaltensebene, neuroanatomisch sowie mit elektrophysiologischen und bildgebenden Verfahren. Dabei interessiert er sich vor allem für die Asymmetrie zwischen linker und rechter Gehirnhälfte, über die bei Menschen kaum etwas bekannt ist. Primär arbeitet der Biopsychologe mit Tauben, da ihr Sehsystem ähnliche Rechts-Links-Unterschiede aufweist wie das des Menschen – sowohl anatomisch als auch funktionell. In den letzten eineinhalb Jahrzehnten hat Güntürkün visuelle Hirnasymmetrien bei Tauben auf der Verhaltensebene umfassend charakterisiert. Er gehört gleichzeitig zu den führenden Neuroanatomen von Vögeln. Seine zusätzliche Expertise in der Elektrophysiologie ermöglicht es ihm mittlerweile, neurobiologische Modelle zu formulieren, die erklären, wie aus der Aktivität von Nervenzellen lateralisiertes Verhalten entsteht.
Onur Güntürkün wurde 1958 in Izmir geboren. Ab 1975 studierte er Psychologie an der RUB, 1984 wurde er mit einer Arbeit zur funktionellen Organisation des visuellen Systems bei Tauben promoviert. Mit einem Habilitationsstipendium der DFG absolvierte er Forschungsaufenthalte in Paris und San Diego. Anschließend arbeitete Güntürkün als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Konstanz, wo er sich 1992 habilitierte. 1993 kam er als einer der jüngsten Professoren Deutschlands zurück an die RUB. Zusammen mit Kollegen gründete Onur Güntürkün 1996 das DFG-Schwerpunktprogramm „Sensomotorische Integration“, das mit großem Erfolg die gemeinsame Forschung von Neurobiologen und Experimentalpsychologen förderte. Er war Mitbegründer und 2005-2008 Sprecher der International Graduate School of Neuroscience der RUB, gründete zwei BMBF-Forschungsverbünde und eine DFG-Forschergruppe, war acht Jahre lang gewähltes Mitglied im DFG-Fachkollegium Psychologie und ist seit 2009 Mitglied des DFG-Senatsausschusses für die Sonderforschungsbereiche.

Hoch dekoriert

Der Leibniz-Preis reiht sich in eine lange Serie hochrangiger Auszeichnungen. 1993 erhielt Güntürkün den Gerhard Hess-Preis der DFG, zwei Jahre später den Preis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, 2006 die Wilhelm Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, 2006 die Mitgliedschaft in der Leopoldina und 2007 den großen Spezialpreis der TÜBITAK (das türkische Äquivalent zur DFG), mit dem jährlich ein international hochgradig sichtbarer türkischer Wissenschaftler ausgezeichnet wird. Seine Biographie hat Onur Güntürkün zu einem Mittler zwischen der türkischen und der deutschen akademischen Kultur gemacht. 2000 und 2008 erhielt er die Ehrendoktorwürden der Universitäten Istanbul und Dokuz Eylül (Izmir), 2009 die Große Verdienstauszeichnung der Türkischen Republik und 2010 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die DFG verleiht jährlich bis zu zehn Leibniz-Preise. Das Programm hat zum Ziel, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftler/innen zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftler zu erleichtern. Kandidaten müssen für den Preis vorgeschlagen werden. Bisherige Preisträger der RUB sind: Elmar Weiler (Pflanzenphysiologie, 1995), Hans-Joachim Freund (Physikalische Chemie, 1995), Ulf Eysel (Neurophysiologie, 1994), Jürgen Jost (Mathematik, 1993), Jan Veizer (Sedimentgeochemie, 1992).

jwe; Foto: Nelle | Themenübersicht