… ein Sportpsychologe?
Serie: Was macht eigentlich…
Sportpsychologie, Dogmatik und Spektroskopie der kondensierten Materie – Was genau wird an diesen Lehrstühlen eigentlich erforscht? In unserer RUBENS-Serie stellen wir in jeder Ausgabe eine andere Arbeitsgruppe vor. Diesmal haben wir Sebastian Altfeld (26) auf dem Gesundheitscampus besucht. Er studierte Psychologie in Bochum mit einem Auslandssemester in Australien und arbeitet nun am Lehr- und Forschungsbereich Sportpsychologie an seiner Promotion. Was genau er dort tut, hat er Julia Weiler erzählt.
Was erforscht ein Sportpsychologe?
Altfeld: Ein Forschungsschwerpunkt in unserem Lehr- und Forschungsbereich sind die Themen Erholung und Belastung, sowohl von Sportlern als auch von Trainern. In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich mit Burn-out bei Trainern. In Deutschland ist das leider noch nicht gut erforscht, die Literatur ist hauptsächlich amerikanisch. Durch den Fall von Ralf Rangnick hat das Thema aber auch bei uns mehr Medienpräsenz bekommen. Ich entwickle derzeit einen Fragebogen für meine Arbeit, der das Burn-out speziell bei Trainern erfassen soll. Mein nächster Schritt ist, eine große Studie mit 800 bis 1000 Trainern zu machen, um herauszufinden, ob Burn-out in Deutschland überhaupt präsent ist. In den USA sind meist College-Trainer betroffen, die eher Lehrertätigkeiten haben. Sie sind nicht zu vergleichen mit den Trainern hier; das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich möchte herausfinden, welche Trainer eher burn-out-gefährdet sind: solche aus Individualsportarten oder aus Mannschaftssportarten, hauptberuflich Tätige oder nebenberuflich Tätige.
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Da ich eine halbe Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter habe, bereite ich viele Lehrveranstaltungen vor, kümmere mich um Anliegen der Studenten und natürlich plane ich die Studie. Ich mache eine Online-Erhebung; andere Kollegen führen aber auch experimentelle Studien durch, bei denen zum Beispiel Daten von Sportlern erhoben werden. Derzeit ist ein anderer Schwerpunkt die Auswirkung von Stress und Sport auf Rückenschmerzen. Wenn die Daten meiner Studie erst mal da sind, wird die Auswertung einen Großteil meiner Zeit einnehmen.
Was ist für dich das Faszinierendste an deiner Forschung?
Die Nähe zu meiner Leidenschaft Sport. Ich arbeite gern mit Menschen – das habe ich im Psychologie-Studium angestrebt –, und das kann ich jetzt einfach mit Sport verbinden. Ich bin selbst Basketball-Trainer und weiß, wie anstrengend dieser Job sein kann und welche Gefahren damit einhergehen.
Welche Berufsfelder gibt es für Sportpsychologen?
Man kann als Sportpsychologe selbstständig sein und Sportler oder Mannschaften betreuen, natürlich auch für Verbände arbeiten. Allerdings ist der Bereich erst im Kommen; es gibt nur sehr wenige Sportpsychologen, die von dem Beruf leben können. Man kann auch noch nicht absehen, ob das langfristig eine Selbständigkeit finanzieren kann.
Was ist dein Traum für die Zukunft?
Ich werde auf jeden Fall die Therapeutenausbildung machen. Eine Kombination aus Sportpsychologie und klinischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wäre toll – also zweigleisig fahren.
Mehr Infos: http://www.spowiss.rub.de/sportpsych
jwe; Foto: Nelle | Themenübersicht

