an den Rändern der Disziplinen
Interdisziplinäre Summer und Winter Schools im Optionalbereich
Seit dem Sommersemester 2012 bereichern die interdisziplinären Summer und Winter Schools das Lehrangebot im Optionalbereich der RUB. Konzipiert für Studierende mit hohem Interesse an interdisziplinärer Projektarbeit bietet dieses einmalige Lehrformat spannende wissenschaftliche Themen mit hohem Anwendungsbezug, methodische Vielfalt und intensive Gruppenarbeit mit Studierenden anderer Fächer, bei der man sprichwörtlich über seinen eigenen Tellerrand schauen muss. Die Summer und Winter Schools finden als Block jeweils in der vorlesungsfreien Zeit statt. Sie sind ein Angebot von inSTUDIES und werden aus Mitteln des BMBF gefördert. Es folgt Blick zurück auf die letzte Summer School sowie ein Blick nach vorn auf die kommende Winter School.
Die Modellierung von Zeit
Wie gestaltet sich das Arzt-Patienten-Verhältnis im Sterbeprozess? Wie funktioniert non lineares Denken? Vergeht die Zeit im All langsamer als auf der Erde? Und welchen Einfluss hat die Wahrnehmung von Zeit auf die Gestaltung unserer eigenen Biographie? Highlights aus gefühlten 1000 Jahren universitärer Forschung in einer Blockveranstaltung und immer wieder die Frage, was das alles mit der eigenen Fachdisziplin zu tun hat, so umschreibt ein Teilnehmer der Summer School „Modellierung von Zeit“ seine Erfahrungen mit der Interdisziplinarität im Studium.
25 Studierende haben den Schritt gewagt und die erste inSTUDIES Summer School als neues interdisziplinäres Modul im Optionalbereich belegt und das Thema „Zeit“ im Diskurs so unterschiedlicher Disziplinen wie Philosophie, Astrophysik, Soziologie, Biologie, Medienwissenschaft oder Geschichte reflektiert und analysiert. Ziel war es, die Relevanz der Interdisziplinarität in Forschung und Praxis zu vermitteln, sowohl thematisch als auch methodisch, Berührungsängste zu anderen Disziplinen abzubauen und den Studierenden Impulse für eigene wissenschaftliche Projektarbeiten mit auf den Weg zu geben.
Dass es nicht leicht ist, sich in die Methodik anderer Fächer hineinzudenken, diese Erfahrung machten die Studierenden auf dem Projekttag an der ID-Factory der Uni Dortmund, wo das non lineare Denken als kunstwissenschaftliche Methode im Fokus stand und damit die Frage, wie der Transfer künstlerischen Denkens in andere Wissenschaftsdisziplinen funktionieren kann – ganz praktisch durch Umgestaltung einer Kartoffel. Zwar ist es keinem der Studierenden wirklich gelungen, „geschmeckt“ hat das Ergebnis am Ende des Tages dennoch allen. Und es blieb auch hier die Erkenntnis hängen, wie wichtig das Querdenken ist, wenn es darum geht, komplexe Zusammenhänge analysieren und Problemlösungsstrategien entwickeln zu können. „Das ist eine wichtige Kompetenz, die mir später im Berufsleben nützen wird“, so das Fazit einer Studierenden.
Interdisziplinäre Erzählforschung
Ganz aktuell bietet inSTUDIES im Optionalbereich die interdisziplinäre Winter School „Narrativität“ an, für die sich Studierende aller Fachrichtungen jetzt anmelden können. In diesem Modul dreht sich alles um die Erzählforschung, einer von Grund auf interdisziplinär ausgerichteten Methode der Analyse von (Erzähl-) Texten in all ihren Formen, seien es Alltagsgeschichten, Literatur, Witze, Comics, Filme, Reden oder Zeitungsartikel.
Wer erzählt? Über was? Aus welcher Perspektive? Und vor allem: Warum? Erzählend konstruieren wir unsere individuelle Biografie, ordnen unser Leben, geben ihm Sinn und eigenen uns die Welt an. Auch als Gesellschaft verständigen wir uns auf gemeinsame Geschichten, die Zusammengehörigkeit stiften und auch Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges rechtfertigen oder legitimieren. Ist die Pleite der US amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers bloß das Ende der Geschichte einer Bank oder der Beginn der großen Erzählung „Finanzkrise“? Wird die Finanzkrise durch Politik und Medien erzählt als eine Tragödie, in der sich die Protagonisten in einem Dilemma befinden oder als eine Farce? Wer erzählt diese Geschichte und warum?
Weltpolitische Ereignisse in ihrer Gänze erfassen können wir nicht, wir sind auf Berichterstattung angewiesen. Umso mehr ist es wichtig, „diese in Hinblick auf ihre Darstellungsformen und damit auf ihre Wirkungsabsichten hinterfragen zu können“, so Prof. Benedikt Jeßing, der betreuende Dozent des Moduls, und weiter: „Dies ist Grundbedingung für eine kritische, mündige Meinungsbildung und so für jeden Studierenden unerlässlich – ob Geisteswissenschaftler oder nicht“.
Was erwartet die Studierenden in der Winter School „Narrativität“? Aufbauend auf einem theoretischen Input über die Grundlagen der Erzählforschung und Textanalyse werden Lehrende verschiedener Fakultäten ihren Zugriff auf das Thema vorstellen und das Spektrum der Anwendungsbereiche Schritt für Schritt erweitern: von Schiller über Literatur, (Zeit-) Geschichte und neue Medien hin bis zu Comics und doppelter Buchführung. Die Winter School startet am 9. Januar 2013, Infos: http://www.optionalbereich.de/instudies/.
Birgit Frey; Foto: iStock | Themenübersicht

