Wertschätzung
243 weitere Stipendiaten werden aus dem Bildungsfonds gefördert
„243 Stipendiat/innen erhalten eine Förderung von 300 Euro monatlich aus dem Bildungsfonds, in dem die RUB das NRW-Stipendienprogramm und das Deutschlandstipendium vereint“. Diese Stellungnahme der RUB klingt sehr theoretisch und weit weg von einem. Ganz anders stellt sich jedoch die Situation dar, wenn man auf einmal selbst zu den 243 gehört und an einer großen Feier teilnimmt, wo sich Förderer und Geförderte persönlich kennenlernen und Kontakte knüpfen.
So stand ich also am späten Montagnachmittag im Veranstaltungszentrum. Es war voll und die Atmosphäre fröhlich: An den Tischen standen Studenten und Fördern, die sich nach der Ansprache des Rektors und der Übergabe der Stipendien weiter unterhalten haben, ganz locker mit einem Glas Sekt und Schnittchen.
Doch welche Gefühle hat eigentlich eine Studentin, wenn sie ihren Förderer kennenlernt? Bei mir war Stolz das vorherrschende Gefühl: ausgewählt worden zu sein, sich etwas weniger um Geld sorgen zu müssen und mehr Zeit für Studium und persönliche Dinge zu haben. Es geschafft zu haben, obwohl man Geisteswissenschaften studiert und noch nicht mal Deutsch als Muttersprache hat. Stolz auch darauf, dass jemand einen Wert in dir sieht und deswegen deine Bildung unterstützen will. Ein Ziel erreicht zu haben, das du dir nie vorgestellt hättest.
Im nächsten Jahr erhalten wir Stipendiaten 300 Euro monatlich. Es geht aber nicht nur um das Geld, wie auch der Rektor bei der Feier gesagt hat. Der Förderer kann auch andere Unterstützung anbieten, z.B. Praktika, Workshops, informelle Gespräche. Das Spannende an dieser Initiative ist, dass der Mensch als Ganzes gefördert wird.
Zwei Förderer im Gespräch
Doch wie stellt sich der Bildungsfonds aus Perspektive der Förderer dar? Im Anschluss an die Feier habe ich zwei Förderer interviewt: Prof. Dr. Gordon Wassermann, pensionierter Dozent der Fakultät für Mathematik, und Verena Klix, Rivera-Stiftung Bochum.
RUBENS: Warum haben Sie sich entschieden, einen Studenten der RUB zu fördern?
Wassermann: Ich habe eine Zeitlang in Amerika studiert und habe damals von der Universität dort ein Stipendium bekommen. Das ist dort so üblich. Studieren ist in den USA sehr teuer, ohne finanzielle Unterstützung wäre es für mich gar nicht möglich gewesen. Dafür spende ich noch jetzt an diese Universität. Ich sehe das wie einen Generationspakt. In Deutschland müsste sich diese Stipendienkultur noch viel weiter verbreiten.
Klix: Unsere Stiftung fördert Bildung, vor allem von Menschen, die einen hohen Abschluss anstreben, ihn aber ohne Unterstützung nicht erreichen können. Als Ergänzung zu unseren Programmen bieten wir ein Stipendium für Studenten in den Naturwissenschaften oder in Pädagogik an. Wenn möglich, für Menschen mit Migrationshintergrund.
RUBENS: Welche Bedeutung hat es für Sie, eine Studentin bzw. einen Studenten zu fördern?
Wassermann: Ich finde sowohl die Spende für meine ehemalige Uni in den USA als auch die Unterstützung für das Stipendium wichtig, weil ich gern auch finanziell helfen will.
Klix: Die Rivera Stiftung fördert begabte Menschen, um ihnen Impulse zu geben: Das ist dank des Stipendiums möglich. Dahinter steckt aber auch eine grundsätzliche Wertschätzung des Geförderten: „Du bist wert, du persönlich“. Wie Rektor Weiler gesagt hat, ist unsere Förderung nicht nur finanziell. Wir wollen damit auch mitteilen, dass jemand etwas Besonderes leisten kann, dass dieser Mensch begabt und besonders ist. Wir sind seit zwei Jahren beim Bildungsfonds dabei und haben positive Feedbacks von den Stipendiaten bekommen. Vielleicht können wir im nächsten Jahr die Anzahl der Geförderten erhöhen.
RUBENS: Wollen Sie Ihren Stipendiaten auch auf andere Weise (Praktika, Einladungen zu Workshops, Gespräche usw.) unterstützen?
Wassermann: Ja, vielleicht könnte ich inoffizielle Treffen anbieten.
Klix: Unsere Stiftung kann keinen Job anbieten, aber sie organisiert Projekte, an denen die Stipendiaten teilnehmen können. Zum Beispiel veranstalten wie ein Schulprojekt, wo die Schüler direkt im Kontakt mit den Stipendiaten treten. Die Schüler lernen mit den Stipendiaten und können sie vielleicht als Vorbild nehmen.
Steigende Zahlen
Mit 243 konnte die Anzahl der geförderten Studierenden des Bildungsfonds im Vergleich zu den Vorjahren erneut gesteigert werden (2011: 227 Studierende; 2010: 177; 2009: 120). Die Hälfte eines Stipendiums übernehmen jeweils der Bund bzw. das Land, die andere Hälfte stiften private Förderer, z.B. Unternehmen, Stiftungen, Verbände und Privatpersonen. Die Stipendiaten erhalten ihre Förderung für den Zeitraum von einem Jahr.
Stefania Parnici; Foto: Nelle | Themenübersicht

