RUBENS Nr. 165 - 1. Dez. 2012
RUB » RUBENS » Ausgabe 165 » Artikel

Unterm Dach des DAAD

Reihe: Studentenorganisationen an der RUB

Studentenorganisationen helfen im Studium oder beim Knüpfen sozialer Kontakte, sie kümmern sich um internationale Studierende oder organisieren Messen. Sie sind deutschlandweit organisiert, manchmal europaweit oder weltweit. Natürlich sind viele dieser ehrenamtlich arbeitenden Studentenorganisationen auch an der RUB vertreten. In RUBENS stellen wir sie vor. Heute geht es um IAESTE.

Wer die IAESTE-Leute in ihrem Büro besuchen möchte, muss den Campus Richtung Nordost verlassen – aber nur für ein paar Meter. In der Lennershofsstraße hat die Ruhr-Uni Häuser angemietet, um dort – übergangsweise – Menschen und Institutionen unterzubringen, die beispielsweise aufgrund der vielen Sanierungen und Umbauten ihre Heimat verloren haben. IAESTE saß viele Jahre lang im IC. Das ist zurzeit nicht möglich, das Gebäude IC wird kernsaniert. „Für uns ist es in der Lennershofsiedlung optimal: total ruhig und viel schöner als im IC, wo wir in einem Flur saßen, wo ständig Leute herumliefen und wo wir viel weniger Platz hatten“, beschreibt Markus Focke. Der Maschinenbaustudent ist seit drei Jahren aktiv im Bochumer Lokalkomitee (LC) der Studentenorganisation.
140 dieser Komitees gibt es in Deutschland, insgesamt ist IAESTE (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience) weltweit in 85 Ländern auf der ganzen Welt vertreten. Gegründet wurde die Organisation 1948, sie verfolgte zu Beginn folgende Ziele: Studenten (vorrangig technischer Hochschulen) sollten im Ausland Berufs- und Lebenserfahrung sammeln; die internationale Verständigung zwischen Studenten aller Nationen und Staaten (unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Glauben) sollte gefördert werden und interessierten Unternehmen und akademischen Einrichtungen sollten gut ausgebildete und motivierte Studenten vermittelt werden.

Zeitlose Ziele

Bei diesen Zielen ist es weitgehend geblieben. Aus Sicht von IAESTE Deutschland stellt sich das so da: Es besorgt deutschen Studierenden (hauptsächlich aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften) bezahlte Praktika im Ausland. Außerdem vermittelt man pro Jahr rund 1.000 internationale und qualifizierte Fachpraktikant/innen an Wirtschaftsunternehmen, Forschungs- und Hochschulinstitute in Deutschland und betreut sie während dieser Zeit. „Wir haben zurzeit sieben internationale Praktikanten in Bochum“, sagt Focke, der selbst ein halbes Jahr in einer Bosch-Niederlassung in Ungarn gearbeitet hat (s. Kasten). „Alle sind bei Einrichtungen im Umfeld der RUB beschäftigt, z.B. im Hygieneinstitut und bei ICAMS“, so Focke weiter, „einmal in der Woche treffen wir uns in der Lennershofsstraße, außerdem veranstalten wir regelmäßig Motto-Abende, angelehnt an die Heimatländer der sieben Praktikanten.“
Während sich die Ziele von IAESTE nicht grundlegend von denen anderer Studentenorganisationen unterscheiden, gibt es doch eine Besonderheit: IAESTE kooperiert eng mit dem DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) und profitiert von dessen Strukturen. Doch auch der DAAD hat Vorteile von der Zusammenarbeit: Er bekommt Kontakt zu deutschen und internationalen Studierenden. „Ich bin stolz darauf, dass dieses Programm in der Palette unserer Förderinstrumente einen exponierten Platz einnimmt“, erklärt die DAAD-Präsidentin Prof. Sabine Kunst.
Info: IAESTE LC Bochum e.V., Lennershofstraße 21, Bochum, Tel. -11929, E-Mail: iaeste@rub.de, Internet: http://www.iaeste-bochum.de


Praktikumsberichte: Ungarn & Ecuador
Die rund 30 aktiven und ehemaligen Mitglieder des Bochumer LC sind in der Mehrzahl Maschinenbau- und Chemiestudierende. Viele von ihnen sind bereits im Ausland gewesen und haben Praktika absolviert. Zwei von ihnen haben ihre Erfahrungen aufgeschrieben.

Bei Bosch in Ungarn
Als Maschinenbaustudent an der RUB habe ich mit Hilfe des IAESTE-LCs Bochum ein Praktikum in Ungarn absolviert. Mein Arbeitsplatz war bei der Firma Robert Bosch. Dort habe ich viele positive Erfahrungen sammeln können und mir ist es ziemlich schwer gefallen, mich nach Ende des Praktikums wieder in den deutschen Alltag einzuleben und zu integrieren. Man rechnet vor dem Antritt des Praktikums nicht mit gravierenden Unterschieden, da Ungarn nicht so weit entfernt ist. Aber es ist ein enorm anderes Lebensgefühl, für ein halbes Jahr in einem anderen Land zu leben. Das fängt bei der Sprachbarriere an und hört bei der anderen Mentalität der Menschen auf. Ich hab schlicht und einfach nicht nur eine super Berufserfahrung sammeln können, die mir im weiteren Verlauf meines Studiums helfen wird, sondern mich auch persönlich weiter entwickelt. Ich möchte diese Erfahrung für nichts in der Welt eintauschen und würde auch immer wieder ins Ausland gehen, um ein Praktikum zu absolvieren. Hinzu kam die unheimlich familiäre Betreuung der ehrenamtlichen Studenten der IAESTE-Ungarn, die den ausländischen Praktikanten ein tolles Wochenendprogramm geboten haben, in dem wir beispielsweise noch weitere Länder Europas kennengelernt haben. Markus Focke

Bei Nestlé in Ecuador
Obwohl ich mexikanische Wurzeln habe und so manches Mal meine Familie dort besucht habe, weiß ich doch wenig über die Kultur und das Leben in Lateinamerika. Um es näher kennenzulernen, eine Zeit lang von der Uni wegzukommen und Praxiserfahrung zu sammeln, entschloss ich mich während meines Chemiestudiums zu einem dreimonatigen Praktikum bei Nestlé in Ecuador. Die Reise nach Quito dauerte 20 Stunden. Da sich der Flughafen mitten in der Stadt befindet, war ich schnell in meinem Hostel. Dort wurde ich sehr freundlich begrüßt und lernte viele andere IAESTE-Trainees kennen, die dort ebenfalls untergebracht waren.
Die erste Woche war teilweise ermüdend, da ich mich erst an die Höhe (2.800 m) gewöhnen musste. Allerdings habe ich viel mit den anderen Praktikanten unternommen. In der zweiten Woche fing das Praktikum an. Im Labor arbeitete noch ein Schweizer IAESTE-Praktikant, und einer der Laboranten war ein Jahr zuvor mit IAESTE in Deutschland gewesen. In diesem Labor werden sämtliche Nestléprodukte aus drei Ländern (Venezuela, Kolumbien, Ecuador) geprüft. Es werden Vitamin-, Zucker- und Fettgehalt bestimmt und Kontrollen zu Pestiziden, Mycrotoxinen und Schwermetalle durchgeführt.
Die Mitarbeiter haben uns sehr freundlich aufgenommen. Es heißt ja immer, in Lateinamerika würde die Arbeit nicht so ernst genommen, aber ich habe das Gegenteil erlebt: Es gab immer sehr viel Arbeit zu erledigen. Unter der Woche habe ich in Cayambe gewohnt, einer kleinen Stadt, die fast genau auf dem Äquator und am Fuße des gleichnamigen Vulkans liegt, mit 5.790 m zugleich der dritthöchste Berg Ecuadors.
Die Wochenenden habe ich dazu genutzt, Land und Leute kennen zu lernen. Ich war meist mit anderen IAESTE-Praktikanten unterwegs. Besonders beeindruckt hat mich die Vielseitigkeit des Landes. Keine Fahrstunde von Quito entfernt sind wir auf Berge gestiegen, wo uns kaum ein Mensch begegnet ist. Zusammen mit Lisa, einer anderen IAESTE-Praktikantin aus Bochum, habe ich ein langes Wochenende im Dschungel verbracht. Dort begegneten wir Tieren wie Affen, Vögeln, Spinnen, Skorpionen, Schlangen, Kaimanen und Piranhas in ihrem natürlichen Lebensraum. Beeindruckend waren auch die Galapagos-Inseln. Die Tiere dort besitzen keinerlei Scheu vor Menschen und können an Land und im Wasser aus nächster Nähe beobachtet werden! Andrea Halang

ad; Foto: IAESTE | Themenübersicht