RUBENS Nr. 164 - 1. Nov. 2012
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Soziologie live

Rückblick auf den DGS-Kongress „Vielfalt und Zusammenhalt“ in Bochum

Normalerweise geht es in der ersten Oktoberwoche recht ruhig an der Uni zu. Es finden einige Vorkurse und Erstsemester-Einführungen statt, doch die meisten Studierenden und Dozenten kommen erst eine Woche später. Dieses Jahr war es allerdings anders. Überall auf dem Campus waren Gruppen von Menschen mit türkisfarbenen Umhängetaschen unterwegs, oft in Begleitung von Studierenden in himmelblauen T-Shirts mit der Aufschrift „WAT WILLSE? – May I help you?“. Ursache dieses Phänomens war eine Premiere. Zwischen dem 1. und 5. Oktober wurde Bochum erstmals zur deutschen Hauptstadt der Soziologie. In dieser Zeit richtete die RUB zusammen mit der TU Dortmund unter dem Motto „Vielfalt und Zusammenhalt“ den 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) aus.

An fünf Tagen besuchten über 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer rund 200 Veranstaltungen überall auf dem Campus. Neben Vorlesungen, Vorträgen und Sektionssitzungen der verschiedenen soziologischen Fachbereiche wurde der Kongress von einem umfassendem Rahmenprogramm begleitet. Unter dem Begriff „Soziologie konkret“ wurden mehrere Exkursionen in verschiedene Städte des Ruhrgebiets unternommen. So fuhren beispielsweise rund 40 Soziologen in die Dortmunder Nordstadt, um sich dort u.a. über die Alltagsprobleme jugendlicher Migranten zu informieren. Darüber hinaus wurde im Foyer des Audimax eine sozialwissenschaftliche Fachbuch-Messe ausgerichtet, die auch bei Nicht-Kongressteilnehmern regen Zuspruch fand.

Zombies unerwünscht

Abgerundet wurde der Kongress u.a. durch Konzerte RUB-Ensembles aus dem Musischen Zentrum und der Indie-Rock-Band „The Fog Joggers“ sowie einen Science-Slam im Bahnhof Langendreer. Hier versuchten fünf Kandidaten, in zehn Minuten möglichst unterhaltsam wissenschaftliche Themen zu präsentieren, wie etwa die Neuentwicklung lateinischer Wörter für den Alltag oder die fehlgeschlagene Integration von Zombies in eine kleine Dorfgemeinschaft.
Der Kongress wurde organisiert von Prof. Dr. Ludger Pries (Lehrstuhl für Organisations- und Migrationssoziologie) und seinen Mitarbeiter/innen Sven Boden, Nora Jehles, Stefanie Schmidt und Xymena Wieczorek. Unterstützt wurden sie von insgesamt rund 60 studentischen Helfer/innen der RUB und der TU Dortmund. Diese kümmerten sich nicht nur um den Empfang und die Garderobe der Teilnehmer sowie die technische Betreuung der Hörsäle und Seminarräume, sondern halfen auch bei den „Soziologie konkret“-Exkursionen oder als Springer, womit sie zu einem reibungslosen Ablauf der Veranstaltung beitrugen.
In monatelanger Vorbereitung arbeiteten die Bochumer Organisatoren zusammen mit der DGS und der TU Dortmund am Veranstaltungsprogramm, luden zahlreiche prominente Gastdozenten wie Daniel Cohn-Bendit ein und bemühten sich erfolgreich um die Unterstützung durch weitere Organisationen. Auch die logistische Infrastruktur an der RUB war eine Herausforderung. Es mussten nicht nur Belegungspläne für die Tagungsräume erstellt und hunderte Kongresstaschen gepackt werden, sondern auch die Arbeitsbereiche der Hilfskräfte bestimmt und die externen Veranstaltungen koordiniert werden.

Positive Resonanz

Vor allem bei zahlreichen Gästen von außerhalb stieß die Organisation des Kongresses auf weitgehend positive Resonanz. Ein Teilnehmer beschrieb die Veranstaltung als „am besten organisierten DGS-Kongress seit langem“, mehrere andere lobten besonders die Freundlichkeit der studentischen Helfer. Kritische Anmerkungen hingegen gab es hauptsächlich in Bezug auf die teilweise nur schwer nachvollziehbare Raumnummerierung in den Gebäuden der RUB. Dieses Problem konnte jedoch meistens durch die Hilfe der unterstützenden Studierenden schnell gelöst werden, da diese ganz nach dem Motto ihrer T-Shirts handelten: „WAS WILLSE? – May I help you?“

Text/Foto: Tobias Schündelen | Themenübersicht