RUBENS Nr. 163 - 1. Okt. 2012
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Gemeinsam Exzellentes leisten

Gespräch mit dem Hochschulratsvorsitzenden Jürgen Schlegel

Seit 2008 bestimmt der Hochschulrat die Geschicke der Ruhr-Uni maßgeblich mit. Die Amtszeit der Mitglieder endet im Januar 2013. Zeit für ein Resümee. Deshalb traf sich Arne Dessaul mit dem Hochschulratsvorsitzenden Jürgen Schlegel. Die beiden sprachen auch über das Abschneiden der RUB in der Exzellenzinitiative.

RUBENS: Herr Schlegel, die RUB war in zwei von drei Förderlinien der Exzellenzinitiative erfolgreich. Trauern Sie der dritten Linie nach oder zählen für Sie in erster Linie die beiden Erfolge?
Jürgen Schlegel: Ich freue mich vor allem über die Erfolge, auf die wir zu Recht stolz sein können. Ich möchte mich bei allen Beteiligten herzlich für ihren Einsatz bedanken und ihnen zugleich zu diesen Erfolgen gratulieren. Es hat mich in den letzten Monaten immer ein wenig bekümmert, dass sich die öffentliche Wahrnehmung so sehr auf die dritte Förderlinie konzentriert hat. Das entspricht nicht dem Geist und dem Wortlaut der Exzellenzinitiative. Sie ist ganz bewusst in drei Segmenten aufgebaut worden: Nachwuchsförderung, kooperative, koordinierte und hochschulübergreifende Forschung und drittens die wissenschaftspolitische Bewertung des Zukunftskonzeptes einer Hochschule, wie sie ihren Forschungsbereich weiterentwickeln will. Leider war es bei der Entwicklung der Exzellenzinitiative aus verfassungsrechtlichen Gründen noch nicht möglich, der Lehre einen angemessenen Raum innerhalb des Programms zu geben. Das hat sich auch in der letzten Vergaberunde nur marginal verändert. Es ist auch nicht so – das ist ein anderes Vorurteil –, dass das Geld nun in einen kleinen, elitären Zirkel von Universitäten fließt. Fast jede zweite staatliche Universität, 39 von etwa 80, erhält im Rahmen der Exzellenzinitiative Geld. Mittlerweile liegen die Gutachten der DFG und des Wissenschaftsrates zu den Entscheidungen in der Exzellenzinitiative vor. Sie sind sehr ausführlich und aufschlussreich. Der Hochschulrat wird sich in seiner nächsten Sitzung sehr intensiv mit ihnen auseinandersetzen. Schon eine erste Durchsicht zeigt, wo es noch Arbeit gibt.

Klausurtagung

Beispielsweise?
Die Gutachter waren der Ansicht, dass Bochum in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Hochschulen nicht genügend Drittmittel eingeworben hat. Vor allem sind nicht alle Fächer auf einem Niveau. Hier und da gibt es noch Luft nach oben. Einzelheiten werden Hochschulrat und Rektorat wie gesagt kurz vor Semesterbeginn auf einer Klausurtagung besprechen. Dort gibt es allerdings auch viel Positives zu besprechen: dass die Förderung der Research School fortgesetzt wird, eine deutschlandweit einmalige Graduiertenschule, die gleiche Standards für alle Disziplinen setzt. Eine Bochumer Erfolgsgeschichte. Genau wie die Solvatationsforschung, die nicht nur durch die Exzellenzinitiative gefördert wird. Zusätzlich entsteht mit ZEMOS ein neuer Forschungsbau. Für beispielhaft halte ich in diesem Kontext übrigens die Zusammenarbeit mit den Universitäten Dortmund und Duisburg-Essen sowie mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen.
Das sind wirklich tolle Erfolge, die auch von der DFG ausdrücklich gelobt worden sind. Man darf jetzt wegen der verpassten dritten Förderlinie nicht glauben, alle bisherige Mühe sei umsonst gewesen. Im Gegenteil! Wenn ich nur daran denke, wie sich die Wahrnehmung der RUB in der Wissenschaftspolitik und in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren verändert hat: Vor der ersten Runde der Exzellenzinitiative 2005/2006 war „Betonwüste“ noch immer eine der ersten Assoziationen, wenn die RUB überhaupt erwähnt wurde. Jetzt ist es der Begriff „Spitzenforschung“. Die Einschätzung der Ruhr-Universität ist so viel positiver geworden! Zudem hat sich innerhalb der Uni vieles verändert, es ist ein Wir-Gefühl entstanden. Hier arbeiten so viele Menschen in Forschung, Lehre und Studium, Infrastruktur und Verwaltung erfolgreich zusammen mit dem einen Ziel, im jeweiligen eigenen Bereich und gemeinsam Exzellentes zu leisten. Die Ruhruniversität hat sich als exzellent erwiesen, auch ohne die dritte Förderlinie. Dieser Geist bleibt hoffentlich erhalten auch über die Zeit hinaus, wo die Exzellenzinitiative endet. Sie endet in fünf Jahren, eine dritte Runde wird es wohl nicht geben.

Grundfinanzierung ist wesentlich

Was wird es stattdessen geben?
Das weiß man noch nicht. Ich kann Ihnen aber sagen, was ich für wichtig halte: Das sind nicht an erster Stelle die Drittmittel. Ich halte eine angemessene Grundfinanzierung für angebracht und wesentlich nachhaltiger. Wer dann für diese angemessene Grundfinanzierung der Hochschulen sorgt, ob weiterhin ausschließlich die Länder oder – nach einer möglichen Grundgesetzänderung – auch der Bund, das muss sich zeigen. Drittmittel kann es dann gern zusätzlich geben. Eine nachhaltige Drittmittelstrategie setzt nämlich eine stabile Grundfinanzierung voraus. Drittmittel können und sollen sie nicht ersetzen, sondern sie ergänzen.

Die Amtszeit des Hochschulrates läuft Ende Januar 2013 aus. Weiß man, wie es dann weitergeht?

Es wurde ein Auswahlgremium mit Vertretern von Senat, Hochschulrat und NRW-Wissenschaftsministerium gebildet. Dem Gremium haben alle sechs Mitglieder des jetzigen Hochschulrats signalisiert, dass sie bereit sind, ihre Arbeit in einer zweiten Amtszeit fortzusetzen. Die Entscheidung obliegt aber zunächst dem Senat und anschließend der Landesregierung.

Laut Koalitionsvertrag plant die Landesregierung, Zuständigkeiten und Zusammensetzung der Hochschulorgane neu abzustimmen. Konkret genannt werden Hochschulräte und Senate. Wissen Sie, ob diese Pläne weiterverfolgt werden?
Nein, bisher gibt es meines Wissens nach noch keinerlei Initiativen für ein neues Hochschulgesetz. Ich weiß aber: Wenn es zu einer Überprüfung der augenblicklichen Situation kommt und dabei auch die RUB überprüft wird, würde man sehen, wie sinnvoll, transparent und effizient die Dreiteilung der entscheidenden Gremien hier funktioniert: der Senat mit gesetzgebender Funktion, das operative Rektorat und der aufsichtführende Hochschulrat. Das funktioniert hier einwandfrei. Ganz abgesehen davon, dass ich die Zusammenarbeit im Hochschulrat und mit der Hochschule als sehr positiv und fruchtbar empfinde.

Im August ist die RUB in ganz anderer Hinsicht positiv in den Schlagzeilen gewesen. Ihre Studierenden haben maßgeblich zu den deutschen Erfolgen bei den Olympischen Spielen in London beigetragen. Haben Sie das verfolgt?
Oh ja! Die Ruderer habe ich schon länger im Blick, die habe ich schon vor gut einem Jahr live auf dem Baldeneysee gesehen. Ich fand es sehr schön, dass das Rektorat den Ruderern gleich nach ihrem Sieg gratuliert hat. Und ich habe mich ganz besonders darüber gefreut, dass sich einige von unseren Spitzensportlern hinterher noch mal bei der Universitätsleitung dafür bedankt haben, dass sie an der RUB Studium und Sport so gut miteinander verbinden konnten. Dieser Dank gilt sicher sowohl der Verwaltung der RUB, die den Athleten in organisatorischen Dingen behilflich ist, als vor allem auch vielen Lehrenden, die oft zusätzliche Belastungen auf sich nehmen, z.B. wenn sie den Sportlern dabei helfen, durch die Teilnahme an Wettkämpfen oder Trainingslagern versäumten Stoff nachzuarbeiten.

 

Hochschulrat
Der sechsköpfige Hochschulrat der RUB ist seit Januar 2008 im Amt; er ist das höchste beschlussfassende Gremium der Uni. Der HR wählt u.a. die Mitglieder des Rektorats. Er stimmt, basierend auf Empfehlungen und Stellungnahmen des Senats, dem Hochschulentwicklungsplan, dem Wirtschaftsplan und Zielvereinbarungen der RUB sowie dem Rechenschaftsbericht des Rektorats zu. Zum Gremium gehören neben dem Vorsitzenden Jürgen Schlegel: Prof. Karin Donhauser (Humboldt-Universität Berlin), Dorothee Dzwonnek (DFG-Generalsekretärin), Prof. Daniel Fallon (ehemals Leiter der Abteilung „Higher Education“ der Carnegie Corporation, New York), Birgit Fischer (Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Arzneimittelunternehmen) und Prof. Ulrich Middelmann (ehem. Stellv. Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG).

 

Jürgen Schlegel
Jürgen Schlegel (geb. 1945) wurde nach seinem juristischen Staatsexamen 1973 in Köln Leiter der Pressestelle und Assistent des Rektors der Uni Köln. 1975-90 arbeitete Schlegel im NRW-Wissenschaftsministerium und war Vertreter der Länder in verschiedenen Gremien der EU und der OECD. 1990-2007 war er Generalsekretär der Bund-Länder-Kommission und 2008-11 Generalsekretär der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz. 2003-07 war er zudem Mitglied des Kuratoriums der RUB. Jürgen Schlegel hat im November 2011 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten und wurde damit für sein jahrzehntelanges hauptamtliches und ehrenamtliches Engagement im wissenschaftlichen Bereich ausgezeichnet.

ad; Foto: Sponheuer | Themenübersicht