RUBENS Nr. 163 - 1. Okt. 2012
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Heiße Eisen

Soziologiekongress in Bochum und Dortmund

Einige heiße Eisen anpacken möchten die rund 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 36. Kongresses der deutschen Gesellschaft für Soziologie. Er findet in der ersten Oktoberwoche (1.-5.10.) an der Ruhr-Uni und an der TU Dortmund statt. Es gibt einen handfesten Grund, dass der größte deutsche Soziologiekongress nach 25 Jahren wieder ins Ruhrgebiet kommt: Gastland der unter dem Titel „Vielfalt und Zusammenhalt“ stehenden Tagung ist die Türkei. Neben Berlin ist bekanntlich vor allem die Ruhrmetropole zur Heimat für die Zuwanderer aus der Türkei geworden. Gleich bei zwei der drei wissenschaftlichen Kongress-Exkursionen („Soziologie konkret“) steht deshalb türkisches Leben in den Städten der Region im Blickpunkt: Um die Frage „Relegationszone oder Integrationsschleuse?“ zu beantworten geht es am 2. Oktober in die Dortmunder Nordstadt. Zwei Tage später führt die Exkursion „Brautkleider, Gebetshäuser und Hochöfen“ nach Duisburg-Marxloh.
Auch eines der zentralen Kongressthemen berührt das Gastland: die Beschneidungs-Debatte. Sie hat längst den ursprünglich juristischen Rahmen gesprengt und Emotionen ungeahnten Ausmaßes freigesetzt. Das Thema verweist auf das Spannungsfeld von religiöser Vielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt und damit konkret auf das Kongress-Motto. Religiöse Vielfalt galt bisher als Garant des gesellschaftlichen Zusammenhalts. „Es bleibt abzuwarten, ob er nun bröckelt oder ob es zu einer Erneuerung des Gesellschaftsbündnisses kommt“, so Prof. Ludger Pries, RUB-Soziologe und Sprecher des Organisationskomitees des Kongresses. Weniger emotional diskutiert werden dürften andere Themen des Soziologiekongresses. Brisant und aktuell sind sie dennoch allesamt. Das gilt natürlich auch für den Euro, die Krise um ihn und den Versuch, ihn zu retten.
Doch die Tagung ist nicht nur wissenschaftlich, es gibt auch ein Begleitprogramm mit Ausflügen zur Zeche Zollverein, zur Arbeitsschutzausstellung oder ins Bergbau-Museum; es soll außerdem einen Sciene Slam im Bahnhof Langendreer geben sowie verschiedene Konzerte: Am 3. Oktober z.B. spielt das RUB-Ensemble Collegium instrumentale im Audimax für die Kongressteilnehmer u.a. Werke von Dvorak und Reger.
Weitere Informationen zur Tagung: http://www.dgs2012.de

 

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