RUBENS Nr. 162 - 1. Juli 2012
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Lasershow im Windkanal

RUB-Alumni zu Gast bei den Ingenieuren

Bis kurz vor Ende der Führung hatten die Besucherinnern und Besucher den Wind nur gesehen, aber nicht gespürt. Aber dann brachten die RUB-Ingenieure doch noch ein paar Frisuren durcheinander. Im Uni-Windkanal testen die Forscher normalerweise die Effekte von Wind auf Gebäude, zum Beispiel Kühltürme und Brücken. Am Sommerfest öffneten sie die Tore für Alumni.


„Der Windkanal ist unsere Herzenssache“, erzählt Dipl.-Ing. Jörg Sahlmen (Bau- und Umweltingenieurwissenschaften) zu Beginn der Führung. 25 ehemalige RUB-Mitglieder sind an diesem Abend ins IA gekommen, um den Uni-Windkanal in Aktion zu erleben. Normalerweise denkt man beim Stichwort Windkanal an die neusten Kreationen der Automobilhersteller oder windschnittige Formel 1-Wagen auf dem Prüfstand. Hier geht es jedoch um etwas anderes.

Modelle testen

Die Gruppe drängt sich um ein sicher im Glaskasten eingepacktes Holzmodell von Düsseldorf. Ringsherum hängen Miniaturgebäude an den Wänden – mal ein Stadion, mal eine Deponie, mal eine ganze graue Stadt mit Bäumchen aus Drahtwolle. Von draußen dringt dumpf die Musik des Sommerfestes herein.
Im Grenzschicht-Windkanal setzen die RUB-Ingenieure Gebäudemodelle einer möglichst realitätsgetreu simulierten Windsituation an einem bestimmten Standort aus. Dabei bezieht das Team um Prof. Rüdiger Höffer, Leiter der Abteilung für Windingenieurwesen und Strömungsmechanik, auch das Klima und umgebende Bauwerke mit ein. Anhand der Versuchsdaten schätzen sie die Belastungen, die an dem Ort auf das Gebäude einwirken würden.
Anhand von Anekdoten macht Jörg Sahlmen deutlich, wie wichtig das ist: 1965 z.B. stürzten im englischen Ferrybridge drei Kühltürme ein – ihre fünf Schwestertürme blieben unversehrt. Was war passiert? Die Türme waren in zwei Viererreihen angeordnet gewesen; in den Gassen zwischen den Gebäuden hatten sich ungünstige Windwirbel gebildet, die die Türme im Windschatten zum Einsturz brachten.
Damit das in Zukunft nicht mehr passiert, testen die Bochumer Forscher Kühlturm-Modelle vor dem Bau ausgiebig im Windkanal. Für heute haben sie eine spezielle Demonstration vorbereitet. Durch eine schmale Werkstatt gelangen wir zum Prunkstück der Führung. Eine etwa 13 m lange Konstruktion füllt den schlauchartigen Raum, der früher einmal eine Bibliothek war, fast ganz aus. Eine blaue Metallröhre beherbergt einen übermannsgroßen Rotor, der Luft vom anderen Ende des Windkanals ansaugt. Auf dem Weg zu dem nicht einmal kniehohen Kühlturm-Modell stehen dem Wind so einige Hindernisse entgegen. Angesaugt wird die Raumlauft zunächst durch ein Gitter. Dann muss sie sich an drei gelben „Haifischflossen“ vorbeizwängen und schließlich über eine mehrere Meter lange Holzklötzchenlandschaft fliegen. Die ganze Konstruktion steht auf Füßen; darunter häufen sich Kanister, Röhren, Holzteile und Säcke.

Disco-Feeling

„Wir sind im Haus nur begrenzt beliebt“, scherzt Jörg Sahlmen. „Sie werden gleich hören, warum.“ Heulend, ähnlich wie eine Flugzeugturbine, startet der Motor des Windkanals und lässt die Luft um den Kühlturm zischen. Die Musik vom Unifest hören wir nun nicht mehr. Schwaden von Disconebel hüllen das Modell ein. Dann geht das Licht zuerst im Windkanal, schließlich im ganzen Raum aus. Ein sattgrüner Laserstrahl zielt auf den Kühlturm und zeigt uns, wie die Luftwirbel um das Modell tanzen. Ein paar Minuten bestaunen wir das Windspektakel, abgeschirmt durch Glasscheiben. Dann wird es langsam wieder still und das Raumlicht kehrt zurück.
Um den Disconebel loszuwerden, wollen die Ingenieure den Windkanal zum Abschluss noch einmal richtig durchpusten. Wir dürfen uns neben den Rotor stellen – nicht dahinter. Denn einmal vergaß ein Mitarbeiter, das Modell festzuschrauben, das sägespanmäßig aus dem Rotor geflogen kam. Glücklicherweise passiert heute nichts dergleichen.
Den Wind können die Forscher hier maximal auf 30 m pro Sekunde beschleunigen. Ein Drittel dieser Geschwindigkeit reicht aus, um den Kanal von den Spuren des Demonstrationsversuchs zu reinigen – und um zum Ende der Führung doch noch die Haare durcheinanderzuwirbeln

 

RUB-Alumni
Knapp über 10.000 ehemalige RUB-Mitglieder haben sich im Alumni-Netzwerk zusammengeschlossen. Alle, die noch nicht beigetreten sind, sind herzlich eingeladen, dies zu tun und so mit ihrer Alma Mater in Kontakt zu bleiben. Dann gibt es nicht nur die Möglichkeit, an der alljährlichen Führung auf dem Sommerfest einen Blick hinter die Kulissen der RUB zu erhaschen, sondern noch viel mehr Angebote. Mehr Infos: http://alumni.ruhr-uni-bochum.de

jwe; Foto: Sponheuer | Themenübersicht