RUBENS Nr. 162 - 1. Juli 2012
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Investieren statt Spenden

Educaid verbindet Entwicklungshilfe und Wirtschaftsforschung

Spenden. Die meisten tun es, viel zu viele brauchen es, jeder weiß, dass es wichtig ist. Und doch sind der Nutzen und die Effizienz umstritten. Vielerorts wird deshalb nach Alternativen für spendenfinanzierte Entwicklungshilfe gesucht – auch an der RUB. Eine Gruppe von Studierenden gründete vor zwei Jahren mit Unterstützung von Prof. Dr. Stefan Winter (Lehrstuhl für Human Resource Management) die Entwicklungshilfeorganisation Educaid – Initiative zur Ausbildungsförderung von Kinder in Entwicklungsländern.

Die Idee der Organisation ist die Schaffung einer Synergie: Zum einen sollen Spenden gesammelt werden, um Kindern in Uganda eine Schulbildung zu ermöglichen. Zum anderen forschen die Studierenden, wie Bildung in Entwicklungsländern durch Investitionen finanziert werden könnte und schreiben ihre Abschlussarbeiten dazu. Dabei nutzt Educaid die Erfahrungen aus den geförderten Projekten als empirische Datengrundlage für die Entwicklung von Investitionskonzepten.
Die Geburtsstunde von Educaid war während einer Vorlesung von Prof. Winter; der Ökonom erläutert: „Thema war die Frage: Wie rentabel sind Ausbildungsinvestitionen? Die Antwort ist: sehr rentabel. Wenn etwas aber sehr rentabel ist, dann ist es für Ökonomen überraschend, wenn es nicht passiert. Die Ausbildung von Kindern in armen Ländern ist hoch rentabel, sowohl für die Kinder als auch für die Länder, in denen sie leben. Und doch werden viel zu wenige Kinder vernünftig ausgebildet. Warum?“ Fabian Kubik, BWL-Masterstudent und eines der Gründungsmitglieder, erinnert sich: „Es wurde in einer anderen Vorlesung nach Interessenten gefragt, die eine Antwort suchen wollen und es haben sich sofort 20 bis 30 gemeldet.“

Bilden und Helfen

Der Name „Educaid“ beinhaltet die Zweiteilung der Organisationsidee – Bilden (engl.: educate) und Helfen (engl.: aid). Mit den Spenden, die gesammelt werden und die die Mitglieder einzahlen, wird die Schulbildung von Patenkindern in Uganda bezahlt. Neben ihrem freiwilligen Engagement können die Studierenden auch ihre Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten innerhalb von Educaid bei Stefan Winter schreiben.
Nicht nur diese Verbindung, sondern vor allem der inhaltliche Ansatz reizt Fabian Kubik mitzumachen: „Eigentlich ist die Absicht von Spendern ja Gutes zu tun. Die Idee, statt Geld zu spenden, das Geld zu investieren, fand ich interessant. Warum wird das nicht gemacht?“ Die Antwort darauf kennt Prof. Winter: „Am rentabelsten ist es, in die Bildung der Kleinsten und Ärmsten zu investieren, also in arme Kinder in armen Ländern. Doch individuelle Bildungskredite zögen ethische und rechtliche Probleme mit sich, da die Investoren keine Verträge mit Kindern abschließen können.“ Educaid versucht dieses Problem durch seine Forschung und mit den Erfahrungen aus den Hilfsprojekten zu lösen. „Wir spenden Geld und spielen dabei Investoren“, so Winter. Das Projekt ist langfristig angelegt und soll anhand der durch die Spenden geförderten Kinder zeigen, dass Bildungsinvestitionen für die geförderten Kinder ein menschenwürdigeres Dasein ermöglichen und rentabler sind als viele andere Geldanlagen.

Uganda

Um zügig mit einem Pilotprojekt beginnen zu können, entschlossen sich Prof. Winter und die Studierenden, ein bereits bestehendes und für ihr Vorhaben geeignetes Projekt zu unterstützen. Die Wahl fiel auf die Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe, die zur Bochumer GLS-Bank gehört. Deren Projekt an der Kisaakye Primary Schule in Uganda eignet sich für den Forschungshintergrund von Educaid. „Ugandas Bevölkerung hat eines der niedrigsten Durchschnittsalter der Welt. Bürgerkrieg und Aids ließen eine große Zahl Waisen zurück. Aufgrund der Ausgangsthese, dass Ausbildungsinvestitionen bei den Kleinsten und Ärmsten am rentabelsten sind, schien die Wahl plausibel“, erzählt Stefan Winter. Außerdem garantiert die Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe, dass das Geld ohne Abzüge zu den Kindern gelangt und dass die Projekte in den Empfängerländern regelmäßig begutachtet werden.
Derzeit beteiligen sich knapp 100 sog. passive Mitglieder finanziell an Educaid. In Zukunft sollen auch gezielter Unternehmen als Sponsoren geworben werden, denn bisher sind 95 % der Spender Studierende. Sie wollen Kubik und Winter noch mehr zur aktiven Teilnahme ermutigen: „Uns ist wichtig, auch an anderen Fakultäten Mitglieder zu finden“, so Winter. Fabian Kubik ist dankbar für die Erfahrungen, die er bei seiner Mitarbeit macht: „Sie lehren einen Demut. Man wird geerdet.“ Er und die anderen aktiven Mitglieder sind der Motor von Educaid. Sie treffen sich regelmäßig alle zwei Wochen. Jeder hat seinen Zuständigkeitsbereich, jeder kann neue Projekte initiieren und Ideen auf den Tisch bringen. Prof. Stefan Winter betont: „Ich habe eine repräsentative Rolle. Die Studierenden sind die treibende Kraft von Educaid!“.

Tabea Steinhauer; Foto: GLS Bank | Themenübersicht