Forscher auf Zeit
Intensive Track: Studierende setzen eigene Projekte um
Forschen macht Spaß! Das wird im kommenden Wintersemester beim „Intensive Track“, einem Modulangebot im Optionalbereich, wieder mal bewiesen: Zwei-Fach-Bachelorstudierende aller Fachrichtungen können ihr eigenes kleines Forschungsprojekt starten – und nebenbei Einblicke in andere Fächer erhalten.
Wie kann unser Gehirn zwischen dem Geruch einer Banane und dem einer Birne unterscheiden? Was haben Drucktechniken um 1500 mit heutigen digitalen Medien gemeinsam? Die Intensive Tracks, die im WS 12/13 starten, stammen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen: Biologie und Germanistische Mediävistik. Prof. Dr. Klemens Störtkuhl leitet die Lehrveranstaltung „Die fünf Sinne“ – bereits zum zweiten Mal. 2011 war er mit fünf Studierenden eine Woche lang in den Alpen, um zu testen, wie sich unsere Geruchswahrnehmung in höheren Gefilden verändert. Die Testobjekte: Taufliegen und Sportstudenten, die zur selben Zeit auf Exkursion in 2.500 m Höhe waren. Das Ergebnis: In der Höhe riechen Menschen und Taufliegen etwas besser als auf Normalnull.
Die Alpen-Exkursion zeigt, wo es im WS hingehen kann: Nach einer theoretischen Einführung, wie die fünf Sinne funktionieren, haben die Studierenden die freie Wahl, welches Projekt sie auf die Beine stellen möchten. Vieles ist denkbar: So könnten sie testen, mit welchem Farbsystem sich Insekten fangen lassen. „Exkursionen sind natürlich nicht ausgeschlossen“, sagt Klemens Störtkuhl – allerdings werde man im Winter dann eher den wärmeren Mittelmeerraum anpeilen.
Antike Bestseller
Wie Geisteswissenschaftler forschen, darin gibt der Intensive Track „Neue Medien in der Vormoderne“ einen Einblick. Prof. Dr. Bernd Bastert führt die Studierenden nicht nur in die Germanistische Mediävistik (Sprache und Literatur des Mittelalters) ein, er lässt sie auch nah an alten Texten forschen: Im Mittelpunkt stehen deutsche Übersetzungen von lateinischen Klassikern wie Vergil, Cicero oder Cato. „Das waren damals absolute Bestseller, heute werden sie von der Forschung sträflich vernachlässigt“, sagt Bernd Bastert. Untersucht werden soll, was sich verändert hat, als das Medium Handschrift um 1500 vom Medium Druck abgelöst wurde. Um dieser Frage auf die Spur zu kommen, kommen die Studierenden u.a. mit Mikrofilmen von alten Handschriften in Berührung; zudem sind Exkursionen in Bibliotheken denkbar. Jeder Teilnehmer entwickelt sein eigenes kleines Projekt, das am Ende im Geisteswissenschaftlichen Schülerlabor einem Deutsch-LK vorgestellt wird.
Eins haben beide Intensive Tracks gemeinsam: Sie geben einen Einblick, wie in den Natur- bzw. Geisteswissenschaften an eine bestimmte Frage herangegangen wird. Das ist sowohl für diejenigen interessant, die aus einem anderen Fachbereich kommen und interdisziplinär interessiert über den eigenen Tellerrand blicken möchten, als auch für die Studierenden, die im eigenen Fach das intensive Forschen erleben möchten. Maren Volkmann
Info: Der Intensive Track erstreckt sich über zwei Semester und umfasst eine theoretische Einführung, die Planung und Durchführung eines Experiments, die Auswertung und Präsentation der Ergebnisse. Für die zwei Module gibt es insgesamt 20 CP. Die Intensive Tracks starten im WS 12/13. Wer bei „Die fünf Sinne“ mitmachen möchte, schickt eine E-Mail an klemens.stoertkuhl@rub.de; Anmeldeschluss: 30.9. Interessenten für „Neue Medien in der Vormoderne“ sollten mindestens im 2. Semester sein. Eine Anmeldung erfolgt per E-Mail (bis 4.9.) an bernd.bastert@rub.de. Die Auswahlgespräche finden am 6./7.9. statt. Weitere Infos: http://www.intensivetrack.de
Maren Volkmann; Foto: privat | Themenübersicht

