
Serie: Was macht eigentlich…
… ein Kontinuumsmechaniker?
Komparatistik, Proteomik, Hadronenphysik und Kontinuumsmechanik sind nur ein paar Beispiele für Arbeitsbereiche an der RUB. Aber was genau erforschen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an diesen Lehrstühlen eigentlich? In unserer neuen Serie stellen wir in jeder RUBENS-Ausgabe eine andere Arbeitsgruppe vor. Carlo Vinci hat Bauingenieurwissenschaft in Italien studiert, in München einen internationalen Master in Computational Mechanics absolviert und promoviert nun seit zwei Jahren am Lehrstuhl für Kontinuumsmechanik, betreut von Prof. Dr. Holger Steeb und Prof. Dr. Jörg Renner (Geophysik). Mit ihm sprach Julia Weiler.
Was erforscht ein Kontinuumsmechaniker?
Die Kontinuumsmechanik ist ein Weg, die Welt mit Gleichungen zu beschreiben. Der Fokus des Lehrstuhls sind poröse Materialien wie Felsgestein, aber auch Knochen. Die Forschung kann für viele Arbeitsfelder genutzt werden – in der Medizin oder wie in meinem Fall in der Geophysik. Ein poröses Material hat verbundene Hohlräume, die Porenkanäle, in denen flüssige oder gasförmige Substanzen eingelagert sind. Wir betrachten aber nicht die Details auf der mikroskopischen Ebene der Poren, sondern die Phänomene auf einer größeren, makroskopischen Skala.
Ich beschäftige mich mit „hydraulic fracturing“, also dem Aufbrechen von Felsgestein, in das man Flüssigkeiten mit hohem Druck injiziert. Das ist ein wichtiges Verfahren, um die Durchlässigkeit des Gesteins zu erhöhen und es damit zum Beispiel für die Tiefengeothermie nutzbar zu machen. Dafür entwickle ich mathematische Gleichungen, mit denen ich den Druck entlang der Risse im Gestein simulieren kann. Damit lassen sich dann die Rissöffnungen berechnen.
Wie sieht Ihr Alltag aus?
Mein Arbeitsalltag teilt sich in Forschung und Lehre auf. Im Moment habe ich viele Lehrverpflichtungen, aber das mag ich! Für meine Forschungsarbeit studiere ich zunächst intensiv die Literaturquellen, um das mathematische Modell zu erstellen. Die Simulationen mache ich dann mit dem Computer. Da spielt sich eigentlich meine ganze Forschung ab.
Was ist das Faszinierendste an Ihrer Forschung?
Dass meine Arbeit nützlich für innovative Anwendungen ist – wie Geothermie. Ich möchte dazu beitragen, Quellen für erneuerbare Energien zu entwickeln. Ich mag es, dass meine Forschung eine Anwendung hat und nicht nur Theorie ist. Das treibt meine Arbeit voran!
Welche Berufe gibt es für Kontinuumsmechaniker?
Es ist ein breites Feld. Die Kontinuumsmechanik ist eine Disziplin, die heute in fast jedem Bereich der Ingenieurwissenschaft Verwendung findet. Wenn wir hier unseren Abschluss machen, sind wir für jeden Ingenieursberuf offen. Ich könnte in ähnlichen Projekten wie zurzeit arbeiten, aber zum Beispiel auch in die Automobilbranche wechseln. Es gibt keine Grenzen.
Was ist Ihr Traum für die Zukunft?
Wenn ich meine Promotion abgeschlossen habe, mache ich vielleicht noch einen PostDoc, dann möchte ich einen Job in der Industrie anfangen. Ich kann noch nicht genau sagen, in welcher Branche. Automobilindustrie wäre cool! Und ich möchte auf jeden Fall in Deutschland bleiben, das ist klar!
jwe, Foto: Nelle | Themenübersicht

