Nicht ohne meinen Buddy
Ein Tauchwochenende in Holland verbindet
Tauchen ist einfach nichts für Weicheier! Das ist das Letzte, was ich denke, bevor ich mit meiner pinken Flosse einen Schritt nach vorne mache und mich vom Steg in die 11 Grad kalte Nordsee fallen lasse. Die 10 Kilo Blei, die ich um meine Hüfte geschnallt habe, ziehen mich für einen kurzen Moment unter Wasser. Als mein Kopf wieder Himmel sieht, denke ich noch: „Ist ja gar nicht so kalt“ – doch im nächsten Moment fängt das Nordsee-Wasser an, in meinen sieben Millimeter dicken Neoprenanzug zu laufen. Langsam, ganz langsam. Immer schön den Rücken hinunter.
Wie jedes Jahr steuert das Taucherteam des Hochschulsports bereits Ende April das kleine Städtchen Brouwersdam in Südholland an, um im Freiwasser Prüfungen abzunehmen oder einfach nur zum Spaß die Nordsee zu erkunden. „Vorzugsweise für Fortgeschrittene“ war das Wochenende 11. bis 13. Mai betitelt – genau das Richtige für mich: Die Prüfung „Orientierung“ stand für mich als Nächstes in meiner „Taucher-Laufbahn“ auf dem Plan. Dabei muss man beweisen, dass man sich anhand eines Kompasses unter Wasser zurechtfindet. Also schnell angemeldet und kurz vorher bereut: Regen, starker Wind und Temperaturen um die 10 Grad warten laut Wetterbericht in Holland auf uns. Als meine Tauchkollegen und ich am Freitagnachmittag im beheizten Uni-Bus gen Holland sitzen, mag sich noch keiner vorstellen, am nächsten Tag ins Wasser zu springen.
Glücklicherweise kommt es anders: Am Samstagmorgen begrüßt uns Sonnenschein. Um 9 Uhr starten wir 16 Tauchschüler und vier -lehrer zu einem der insgesamt etwa 25 Tauchplätze, die es in Brouwersdam und Umgebung gibt. Es folgt das übliche Gerödel: Equipment zusammenbauen, sich in den hautengen Tauchanzug zwängen, Blei anlegen. Das ist anstrengend – umso schöner, dass man beim Tauchen immer einen so genannten „Buddy“ zur Seite hat, der über und unter Wasser seine helfende Hand anbietet. Ausgerüstet mit 12 Kilo schwerer Tauchflasche und 10 Kilo Blei fühle ich mich in meinem dicken Neoprenanzug so unbeholfen wie das berühmte Michelin-Männchen – und bin dementsprechend froh, dass mein Buddy Tim mir in die Flossen hilft oder einen Reißverschluss zumacht.
„Deswegen ist Tauchen auch so ein geselliger Sport“, sagt unser Fahrer Guido, während Tim und ich uns fertigmachen. Und in der Tat: Tauchen verbindet. An diesem Wochenende kommen Menschen zusammen, die sich teilweise noch nie vorher gesehen haben. Die einen studieren Medizin, die anderen Maschinenbau oder Katholische Theologie. Tauchnovizen treffen auf alte Hasen, Twens auf Familienväter, Studierende auf Doktoranden und RUB-Mitarbeiter. „Wo wohnst du denn in Bochum?“, „was willst du nach dem Studium machen?“ – nach dem Tauchen sitzen wir in geselliger Runde in unserer Unterkunft zusammen und lassen den Tag ausklingen. Vergessen sind das schwere Equipment und das kalte Wasser, geblieben die Erinnerung an angriffslustige Krebse, rosafarbene Seesterne und leuchtende Seestachelbeeren – und an viele nette Leute.
Infos: http://www.rub.de/tauchen
Text & Foto: Maren Volkmann | Themenübersicht

