RUBENS Nr. 161 - 1. Juni 2012
RUB » RUBENS » Ausgabe 161 » Artikel

Flotter Flitzer

Eine Spritztour mit dem E-Auto der RUB

Wir hatten es uns schon lange vorgenommen: einmal eine Runde mit dem RUB-Elektroauto Mitsubishi i-MiEV drehen und schauen, was der kleine Flitzer im Vergleich zu den anderen Autos, die wir gewöhnt sind, zu bieten hat. In Europa ist der i-MiEV schon seit drei Jahren auf dem Markt; seit Dezember 2010 ist er für ein Forschungsprojekt an der RUB im Einsatz.


Bei herrlichem Sonnenschein machen wir uns also von der Uni auf den Weg nach Witten zum Hohenstein, mit einem kleinen Umweg über einen Supermarkt in Laer. Unsere Teststrecke wartet mit innerstädtischen 30-Zonen, Landstraße, Autobahn und Kopfsteinpflasterweg mit Steigung auf.

Komfort

Was beim Einsteigen zuallererst auffällt: Man hat eine unglaubliche Rundumsicht. Die Windschutzscheibe ist ein Panoramafenster und so weit entfernt, dass wir angeschnallt das Navigationsgerät nicht erreichen können. Die Seitenfenster sind ebenfalls groß, die Außenspiegel verhältnismäßig riesig. Entsprechend gut ist die Übersicht. Das Wageninnere ist größer als es von außen den Anschein hat. Wir haben eine gute Beinfreiheit und auch über dem Kopf jede Menge Platz. Wenn vorn zwei Große sitzen, könnte es allerdings hinten eng werden. Dafür hat der i-MiEV fünf Türen.
Die Sitze fallen uns im Vergleich zu unseren eigenen Autos sofort positiv auf: Sie sind fest gepolstert und sehr bequem, gerade im unteren Rücken stützen sie gut und bieten Stabilität. So könnten wir uns auch eine längere Fahrt vorstellen.
Die Ausstattung lässt mit Klimaautomatik, Sitzheizung, Lederlenkrad und -schaltknauf, elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, elektrischer Außenspiegelverstellung und Zentralverriegelung mit Fernbedienung keine Wünsche offen. Drei Getränkehalter sind schon fast einer zu viel. Das Automatikgetriebe ist gewöhnungsbedürftig, wenn man bisher Schaltgetriebe gefahren ist, aber wir lernen schnell, den linken Fuß lahmzulegen. Am Berg ist die Automatik Gold wert! Gewöhnungsbedürftig ist auch das Geräusch des Blinkers – ein niedliches Piepsen statt des satten Tickens, das man üblicherweise hört – und die Aufmerksamkeit des kleinen Flitzers, der unentwegt Warntöne piept, sobald die Tür offen oder jemand nicht angeschnallt ist.

Fahrverhalten

Nach ein paar vorsichtigen ersten Metern stellen wir fest: Der i-MiEV fährt sich völlig unkompliziert. Er ist klein und wendig und die Lenkung ist leichtgängig. An der Ampel kommen wir verhältnismäßig schnell vom Fleck, auch wenn wir sicher kein Beschleunigungsduell gegen einen Porsche gewinnen können. Nach einer Weile haben wir uns auch daran gewöhnt, dass das Auto kaum Fahrgeräusche produziert. Hin und wieder vernehmen wir ein leises Surren; als wir schneller werden, kommt dann das vertraute Geräusch der Reifen auf dem Asphalt hinzu.
Die meiste Zeit führt unsere Fahrt jedoch durch verkehrsberuhigte Zonen und wir haben Mühe, das Tempolimit einzuhalten. Ohne Schalten und Motorgeräusche fehlt uns das Gefühl für die Geschwindigkeit. Also müssen wir den digitalen Tacho fest im Blick halten. Trotzdem: Tempo 30 kostet Nerven! Einmal Gas geben können wir dann aber doch, denn für eine Ausfahrt hüpfen wir auf die A 44. Und in der Tat erreicht der i-MiEV seine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Dann folgt der abschließende Test: übers Kopfsteinpflaster den Berg hinauf zum Hohenstein. Unser Mitsubishi meistert die Steigung mühelos, allerdings werden wir ganz schön durchgerüttelt, das Armaturenbrett knarzt und scheppert. Alles in allem trotzdem eine angenehme und problemlose Fahrt!

Ladefläche

Der Kofferraum des i-MiEV ist dem ersten Anschein nach eher ein vergrößertes Handschuhfach. Unsere zwei Wasserkästen aus dem Supermarkt bekommen wir hier nicht unter. Aber schnell stellen wir fest, dass sich die Rückbank in Windeseile umlegen lässt. Auf jeder Seite betätigen wir einen Hebel, fertig. Jetzt könnten wir noch mehr einkaufen! Bestimmt sechs Wasser- oder Bierkisten kann man auf der Ladefläche unterbringen.

Design

Auf den ersten Blick sieht der i-MiEV wie ein klassischer Stadtflitzer aus. Er ist äußerst schmal – ein Vorteil beim Einparken – und kompakt. Sein Überholprestige dürfte sich in Grenzen halten. Wir vermuten: Es ist eher ein „Frauenauto“.
Am Ende bleibt also eigentlich nur noch die Frage: Warum heißt das umweltfreundliche Gefährt ausgerechnet MiEV? Die Lösung: MiEV = Mitsubishi innovative Electric Vehicle.

 

Projekt „Alltagstauglichkeit von Elektromobilität“

Ein Jahr lang rollte eine Versuchsflotte von sechs Elektrofahrzeugen durch das Ruhrgebiet, getestet von Fahrern mit unterschiedlichen Alltagsanforderungen. Über hochauflösende Sensoren im Fahrzeuginneren wurden alle wichtigen Betriebsdaten aufgezeichnet, so dass zum Beispiel die Effizienz des speziellen Schnellaufladevorgangs und des Standardaufladevorgangs an der herkömmlichen Steckdose verglichen werden konnten. Für das Projekt unter Federführung von Prof. Dr. Constantinos Sourkounis (Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik) arbeiteten die RUB-Forscher mit dem Automobilzulieferer Delphi Deutschland GmbH zusammen. Außerdem wurde das Projekt vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert und unter anderem vom kommunalen Netzwerk ruhrmobil-E aus Bochum und der Initiative Solarmobil Ruhrgebiet (ISOR) begleitet.


Technische Daten und Ausstattung

Länge: 3,47 m
Breite: 1,47 m
Höhe: 1,61 m
Reichweite: 100-150 km
Leistung: 67 PS
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 15,9 s
Energieverbrauch: 13,5 kW auf 100 km
Energieeffizienzklasse: A+
Ladezeit: 8 Stunden (230 V/16A), Schnellladung: 30 Min. (80%)
6 Airbags
Lichtsensor
Elektrische Stabilitäts- und Traktionskontrolle
Elektrische Servolenkung
ABS


md, jwe; Foto: jwe | Themenübersicht