RUBENS Nr. 161 - 1. Juni 2012
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Eine Welt aus Fantasie und Ruhrpott-Flair

Buchautorin und RUB-Studentin Mechthild Gläser im Interview

Mit ihrem Debütroman "Stadt aus Trug und Schatten" feiert die RUB-Studentin Mechthild Gläser (25) großen Erfolg. Neben ihrem Master-Studium European Culture and Economy (ECUE) arbeitet sie in der Bibliothek des Ruhrgebiets. Zeit zum Schreiben findet sie trotzdem. So entsteht zurzeit der zweite Teil von ihrem Roman. Im Interview mit Noryn Thomann erzählt Mechthild Gläser von ihrer außergewöhnlichen Fantasy-Geschichte, wann sie mit dem Schreiben begann, ihren Erfahrungen mit Presse und Kritikern und woher sie ihre Inspiration nimmt.

 

Wann hast du mit dem Schreiben angefangen?

Als ich vierzehn war, besuchte ich die Theatergruppe meiner Schule. Die Stücke, die wir aufgeführt haben, hat unsere Lehrerin verfasst. Davon war ich so fasziniert, dass ich unbedingt selbst kreativ werden wollte, und bald darauf schrieb ich mein erstes eigenes Theaterstück. Das war sozusagen der Beginn meiner Leidenschaft fürs Schreiben.
In den darauffolgenden Jahren habe ich mich am Schreiben von Märchen versucht, in denen es – wie das in dem Alter nun einmal so ist – um pinke Einhörner und Feenstaub ging. Mein erstes Manuskript für einen richtigen Roman schrieb ich dann mit 16. Es war 270 Seiten lang. Leider wurde es nicht an einen Verlag vermittelt. Erst sieben Jahre später erfüllte sich mit Stadt aus Trug und Schatten mein Traum von einer Veröffentlichung.

Wie kam dir die Idee zu dem Buch? Was hat dich inspiriert?

Ich denke oft über merkwürdige Dinge nach, das habe ich so an mir. Als ich mir einmal Gedanken über das Träumen gemacht habe, fand ich es gruselig, dass man sich am nächsten Morgen manchmal nicht an seinen Traum erinnern kann. Und ich fragte mich: Was passiert eigentlich in der Zeit mit unserem Bewusstsein? Was, wenn es irgendwo eine Art Eigenleben führt? Damit war die Idee zu meinem Fantasy-Roman geboren und ich fing sofort an, mir die Geschichte von Flora und der Stadt Eisenheim auszudenken.

Die Protagonistin Flora wohnt in deiner Heimatstadt Essen. Das kann ja eigentlich kein Zufall sein.

Natürlich habe ich eine besondere Verbindung zu dieser Stadt. In Essen bin ich aufgewachsen und lebe heute noch dort. Aber vor allem war es eine Herausforderung für mich, als deutsche Autorin mit einem Schauplatz zu überzeugen, der keine der gängigen Metropolen wie zum Beispiel Berlin ist. Während Flora im heutigen Essen lebt, hat die Traumstadt Eisenheim etwas von dem Essen der 1920er Jahre. Ihr Bild ist geprägt von Zechen und Industriegebieten. Es ist ein bisschen wie eine Zeitreise...

Als Autorin liest du bestimmt auch selber gerne. Welche Schriftsteller magst du besonders? Wer inspiriert dich?

Meine Lieblingsschriftstellerin ist Jane Austen und ich würde sie als mein Vorbild bezeichnen. Wen ich aber auch sehr bewundere, ist Michael Ende. In Stadt aus Trug und Schatten findet sich sogar eine kleine Hommage an ihn und seine Unendliche Geschichte.

Du hast viel Aufmerksamkeit von der Presse erfahren, hattest schon mehrere Lesungen und es gibt zahlreiche Kritiken im Internet. Wie gehst du damit um?

Zuerst war es schon ein komisches Gefühl, dass völlig fremde Menschen mein Buch lesen und in Internet-Foren hinter ihren Decknamen darüber urteilen. Ein Roman ist etwas sehr Persönliches. In Stadt aus Trug und Schatten steckt viel von mir selbst, und so können einige Kommentare schon verletzend sein. Aber zum Glück gibt es auch so viele positive Urteile, und das nicht nur von Freunden und Bekannten. Dadurch werde ich noch mehr motiviert, an Stadt aus Trug und Schatten weiterzuschreiben. Der zweite Band ist schon in Arbeit.

 

Zum Buch

Als Flora von Eisenheim erfährt, der Stadt, die erwacht, wenn sie einschläft, ist nichts mehr so, wie es vorher war. Ihre Seele wandert seit jeher durch die schattige Parallelwelt, in der es keine Farben gibt und in der sie sich gegen zerstörerische Mächte behaupten muss. Doch wieso wird sie plötzlich auch in der Realität von den Schatten Eisenheims verfolgt? Und welche Rolle spielt dabei der seltsame Austauschschüler Marian? Die Grenze zwischen den beiden Welten scheint immer mehr zu verschwimmen und Flora muss erkennen, dass sie niemandem mehr trauen kann...
Stadt aus Trug und Schatten erschien im Januar 2012 im Loewe-Verlag (ISBN 978-3-7855-7402-7) und ist der erste Teil einer Trilogie. Der zweite Band erscheint im Januar 2013, der dritte Anfang 2014.

Mehr Infos: http://www.loewe-verlag.de und http://www.mechthild-glaeser.de

Noryn Thomann; Foto: Nelle | Themenübersicht