Einzigartig in Deutschland
Serie: Master 2.0-Studiengänge an der RUB
Dank zahlreicher innovativer Projekte entwickelt sich die Lehre an der Ruhr-Uni immer weiter: Sie wird internationaler, interdisziplinärer, forschungsintensiver und bereitet gezielt auf Wissenschaftskarriere und Berufsleben vor. Paradebeispiele für diese Entwicklung sind die Master2.0-Studiengänge. In einer Reihe stellen wir sie in RUBENS vor.
Auf die Stammzellforschung richten sich viele Hoffnungen – so könnten verschiedene Krankheiten, die heute noch nicht heilbar sind, mit Hilfe von Stammzellen beherrschbar werden. Denn die Zellen haben die Fähigkeit, sich zu verschiedenen spezialisierten Körperzellen auszubilden, je nachdem wo sie „im Einsatz“ sind, beispielsweise zu Knochenzellen oder Hirnnervenzellen.
Über 40 Lehrende
In den letzten Jahren hat die Stammzellforschung eine rasante Entwicklung durchlaufen. Entsprechend groß ist der Bedarf an Spezialisten, die sich damit bestens auskennen. Da die Stammzellforschung an der Schnittstelle zwischen Medizin, Biologie und Biochemie steht, gibt es nur wenige Institutionen, die ausgewiesene Experten ausbilden. Den ersten und bisher in Deutschland einzigen Masterstudiengang Stammzellforschung bietet die RUB seit dem letzten Wintersemester gemeinsam mit mehreren Partnern an. „Er ist wirklich etwas besonderes, denn man kann solche Angebote weltweit an einer Hand abzählen“, sagt Prof. Dr. Beate Brand-Saberi, die den Studiengang mit aus der Taufe gehoben hat.
Die Studierenden – im ersten Jahrgang wurden sieben zugelassen – werden von über 40 Personen unterrichtet, die sowohl von der RUB als auch aus ihren Universitätskliniken, dem Uniklinikum Essen und weiteren Partnerinstitutionen wie dem Max Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster, dem Institut für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika der Uni Düsseldorf und der Tongji-Universität Shanghai kommen. Sie lernen zum Beispiel, wie man Stammzellen aus Nabelschnurblut einsetzen kann. Oder wie sie dabei helfen können, Hornhautdefekte des Auges zu behandeln. Oder wie man sie nutzen kann, um Gewebeersatz herzustellen, etwa für Brandopfer. „Welche Schwerpunkte die Studierenden belegen, hängt von ihrem eigenen Interesse ab, es gibt viele Wahlpflichtbereiche“, erklärt Brand-Saberi.
Wer möchte, kann außerdem einen Teil des Studiums an der Tongji-Universität oder der Universität Aarhus verbringen, die in den Studiengang eingebunden sind. Aber auch die, die sich dagegen entscheiden, kommen mit internationalen Forschern in Kontakt. Ab Frühjahr 2012 wird zum Beispiel der chinesische Forscher Prof. Dr. Daxiang Cui an der RUB lehren.
Ethische Fragen
Von Beginn an legen die Organisatoren auch Wert darauf, „dass die Studierenden für ethische Fragen im Zusammenhang mit Stammzellen sensibilisiert werden“, sagt Prof Heumann, einer der Koorganisatoren des Studiengangs. Denn der Umgang mit embryonalen Stammzellen wirft solche Fragen auf und ist gesetzlich streng reglementiert. Unbedenklicher ist die Forschung mit sog. adulten Stammzellen, die dem Körper des Patienten für die eigene Behandlung entnommen werden können. Die Studierenden schätzen diese umfassende Herangehensweise. „Hier lernt man alles von Grund auf und konzentriert sich nicht nur auf Technisches, sondern bezieht auch die Hintergründe ein. Deswegen habe ich mich für Bochum entschieden“, sagt Daniel Bemmerl, Student des ersten Jahrgangs; weitere Stimmen siehe unten.
Absolventen des Masterstudiums können sowohl in Forschungslaboren von Kliniken und Forschungsinstituten arbeiten oder als Hochschullehrer. „Ich denke auch, dass man selbst ohne Promotion gute Aussichten auf eine Tätigkeit in der Industrie hat“, meint Prof. Brand-Saberi. „Denn die Studierenden lernen hier die Techniken der Patienten-spezifischen Anwendung kennen, bei der aus bereits spezialisierten Körperzellen sog. iPS (induzierte pluripotente Stammzellen) hergestellt werden können. Dieses Material kann dann in pharmazeutischen Ansätzen eingesetzt werden, um neue therapeutische Substanzen zu testen.“ Der Studiengang wird unter anderem unterstützt von der Deutschen Leukämiehilfe der Familie Thea und Hans-Heinrich Hoppe.
Infos: http://www.rub.de/istem/
Stimmen
Daniel Terheyden-Keighley, 22, studierte Biologie in Leeds, England: „Ich muss jeden Tag um 7.30 Uhr hier sein und bin dann abends um 20 Uhr wieder zurück in Recklinghausen. Da hat man wenig Freizeit, aber es ist interessant und macht viel Spaß, also ist das okay.“
Daniel Bemmerl, 23, studierte Angewandte Biologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: „Die Stammzellforschung ist noch neu und es gab bisher keine spezialisierten Studiengänge. Hier lernt man alles von Grund auf und konzentriert sich nicht nur auf Technisches, sondern bezieht auch die Hintergründe ein. Deswegen habe ich mich für Bochum entschieden.“
Julia Delling, 24, studierte Angewandte Biologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: „Das Thema interessiert mich sehr, und durch den Kontakt meiner Professorin zum Stammzellnetzwerk NRW habe ich von dem Studiengang erfahren. In Deutschland gibt es sonst keine solchen Angebote.“
md; Foto: Nelle | Themenübersicht

