Atom für Atom
Master 2.0-Studiengänge an der RUB
Dank zahlreicher innovativer Projekte entwickelt sich die Lehre an der RUB immer weiter: Sie wird internationaler, interdisziplinärer, forschungsintensiver und bereitet gezielt auf Wissenschaftskarriere und Berufsleben vor. Paradebeispiele sind die Master2.0-Studiengänge. In einer Reihe wollen wir sie in RUBENS vorstellen – heute: Materials Science and Simulation.
Im Mittelpunkt des Masterstudiums Materials Science and Simulation (MSS) stehen Werkstoffe, z.B. aus Metall oder Keramik. Ihre Eigenschaften werden bis ins kleinste Detail untersucht und im Computer simuliert – die RUB-Materialforscher sprechen von einem skalenübergreifenden Ansatz. Moderne Analyse- und Berechnungsmethoden stehen daher selbstverständlich auf dem Lehrplan. Der gesamte Studiengang findet in englischer Sprache statt und ist auch sonst international angelegt: Die Studierenden haben die Möglichkeit, Projekt- und Abschlussarbeiten bei ausländischen Partnerinstitutionen zu bearbeiten, z.B. in England, den USA, Frankreich oder China, wo das Interdisciplinary Centre for Advanced Materials Simulation ICAMS Kooperationspartner hat. Zwölf Studierende sind zurzeit eingeschrieben. Sie stammen aus Deutschland, Indien, Pakistan, Iran, Nepal und Israel.
Interessant ist der Studiengang für Absolventen der Fächer Werkstoffwissenschaften, Maschinenbau, Physik, Chemie, Physik, Bauingenieurwesen, Mechanik, Nanotechnologie, Informatik und Mathematik. Sie sollten sich für ein grundlegendes Verständnis des Werkstoffverhaltens und dessen numerische Modellierung begeistern, über solide Grundkenntnisse in Werkstoffwissenschaften oder Festkörperphysik verfügen und aufgeschlossen sein gegenüber einem internationalen, interdisziplinären und interkulturellen Umfeld.
Info: www.icams.de/mss
Bochumer Besonderheit
Maren Heyn, 23, studiert seit dem WS 11/12 MSS. Ihren Bachelor-Abschluss hat sie an der FH Gelsenkirchen in Materialwissenschaften gemacht. Mit ihr sprach Meike Drießen.
RUBENS: Frau Heyn, warum haben Sie sich für das Master 2.0-Studium an der RUB entschieden?
Maren Heyn: Vor allem weil der Studiengang inhaltlich spannend ist. In meinem Bachelor-Studium war alles sehr anwendungsbezogen, wir haben geätzt, Oberflächen präpariert etc. Hier werden Mikrostrukturen betrachtet und simuliert, die sind ja vor allem bei Metallen sehr wichtig. Zurzeit ist das Studium sehr physiklastig; es geht um Quantenmechanik, Thermodynamik… Es ist wissenschaftlich sehr dicht gepackt, und da ich von der FH an die Uni gewechselt bin, muss ich mich erst einfinden. Aber die Dozenten sind alle sehr bemüht. Sie geben Literaturtipps und motivieren einen durch persönliche Ansprache.
RUBENS: Ist es schwieriger, weil der Studiengang englischsprachig ist?
Maren Heyn: Nein, das ist ok. Ich hatte Englisch-LK und bin ein bisschen im Training geblieben, auch nach der Schule.
RUBENS: Wie sind Sie überhaupt nach dem Abi zur Materialwissenschaft gekommen?
Maren Heyn: Als ich mit 16 ein Schulpraktikum machen musste, habe ich angefangen zu suchen, was mich interessieren könnte. Zuerst dachte ich an Lebensmittelchemie. Dann hatte die FH Gelsenkirchen ihren Tag der offenen Tür, und die Materialwissenschafts-Studenten waren alle so begeistert, dass ich gleich nochmal hingefahren bin. Beim dritten Besuch hatte ich den Professor dann für mich allein, dann habe ich alles klar gemacht. Die Anwendungsgebiete sind so breit, dass man ganz viele Tätigkeitsbereiche finden kann. Sehr populär ist die Materialwissenschaft aber nicht, vor allem nicht bei Frauen. Zurzeit bin ich im Master die einzige Frau, vorher war ich eine von zweien.
RUBENS: Sie hätten nach dem Bachelor direkt in den Beruf einsteigen können. Warum haben Sie sich für ein weitergehendes Studium entschieden?
Maren Heyn: Mit dem Bachelor hätte ich z.B. zum Materialprüfungsamt NRW gehen können, das haben einige meiner Kommilitonen gemacht. Da geht es um Prüfmethoden und Schadensanalytik, also sehr angewandte Dinge. Im Masterstudium schauen wir uns aber noch viel mehr die Grundlagen an, die Mikrostrukturen Atom für Atom, das ist eine Bochumer Besonderheit. Wir lernen moderne Techniken und Simulationsmethoden kennen. Damit könnte ich später in die Forschung und Entwicklung einsteigen: u.a. in der Auto- oder Stahlindustrie. Was ich machen werde, ist für mich aber im Moment noch völlig offen.
md; Foto: Nelle | Themenübersicht

