Außenperspektive
Forschendes Lernen im Bereich Sportpädagogik und Sportdidaktik
In Zeiten von exzellenter Forschung stellen sich alte Herausforderungen für die hochschuldidaktische Lehre neu: Wie kann angehenden Sportlehrer/innen, die außerhalb der Schule z.B. in Reha-Zentren, Fitnessclubs oder Vereinen Bewegungsangebote inszenieren, ihr Handwerk praxisnah und biographisch reflektiert vermittelt werden? Im Zuge der Qualitätsoffensive Lehre und durch Mitfinanzierung des Rektorats führt die Fakultät für Sportwissenschaft (Lehr- und Forschungsbereich Sportpädagogik und Sportdidaktik) seit dem WS 11/12 ein adressatenorientiertes Lehrprojekt durch. Neben der Beschäftigungsfähigkeit werden bei der Sportlehrerbildung für den außerschulischen Bereich die Persönlichkeit des Ausbilders und sein berufsspezifisches Handlungswissen gestärkt.
Unter Leitung von Dr. Hellmut Schreiber, Dr. Gerd Thissen und Dr. André Hempel sammeln Studierende des 1 Fach-Bachelor-Studienganges in Zweierteams vermittlungspraktische Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Um kooperatives und forschendes Lernen zu implementieren, werden die Praxisübungen auf Video aufgezeichnet, auf eLearning-Plattformen didaktisch aufbereitet, von den Studierenden bearbeitet und schließlich in der Gruppe diskutiert. Die so gewonnene Außenperspektive auf ihr eigenes didaktisches Handeln wird zielgerichtet mit theoretischen Modellen verknüpft, die Studierende entlang ihrer persönlichen Erfahrung verstehen und reflektieren lernen. Beim Erörtern der einzelnen Praxisfälle werden den Studierenden keine Lösungsrezepte aufgezwungen. Stattdessen diskutieren sie am jeweiligen Fall gemeinschaftlich Handlungsalternativen. Lernen am Modell hilft hier nicht weiter, weil jede Situation einzigartig ist und ein angemessenes Ausbilderverhalten verlangt. An der Schnittstelle von Theorie und Praxis wird die Entwicklung professionellen Handlungswissens also dadurch eingeleitet, dass sich die Studierenden selbst zum Thema werden: Sie lernen forschend entlang ihrer eigenen Erfahrung.
Erste Evaluationen dieser hochschuldidaktischen Innovation mit EvaSys ergeben ein positives Bild: Die Studierenden schätzen die reflektierte Praxis als gute Berufsvorbereitung. Eine parallele qualitative Erhebung zur Beobachtungskompetenz der Teilnehmer hat zudem gezeigt, dass schon innerhalb eines Semesters Fortschritte erkennbar sind. Im Sommersemester wird auf Grundlage der Studierendenbewertungen noch mal nachgesteuert: Die bislang schriftlichen Einzelreflexionen der Unterrichtseinheiten werden durch ein Lerntagebuch ersetzt; damit wird dem biographischen Moment von Lernen noch deutlicher Rechnung getragen.
André Hempel; Foto: Lehrstuhl | Themenübersicht

