10 Jahre Mentoring
Erfahrungsberichte aus erster Hand
Die Mentoringprogramme an der RUB haben ihren 10. Geburtstag gefeiert. Koordinatorin Helga Rudack (Stabsstelle für Interne Fortbildung und Beratung, ifb) freut sich über den regen Zulauf für die Programme. „Ich bin seit zehn Jahren dabei. Ich finde es toll, dass ich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun habe.“ RUBENS stellt das aktuelle Angebot vor.
Zunächst gab es an der RUB das Wirtschaftsmentoring Thekla. Mittlerweile bietet die ifb sechs Programme für verschiedene Zielgruppen an, z.B. Studierende, Promovierende oder Postdoktorand/innen. „Beim Mentoring geht es um überfachliche Qualifikationen, nicht um wissenschaftliche Fragestellungen“, erklärt Rudack. „Man bekommt Wissen, das es nicht aufgeschrieben gibt.“
Mentoring³
Julia Eggermann erfuhr von einer Freundin von Mentoring³, während sie in der AG Verhaltensbiologie promovierte: „Ich habe mich beworben, weil ich dachte: Man kann nicht viel damit falsch machen.“ Seit 2005 unterstützt das Programm Doktorandinnen und Postdoktorandinnen auf dem Weg in die Wissenschaftskarriere. Es ist nach Fachbereichen auf die Standorte der Universitätsallianz Metropole Ruhr Dortmund, Bochum und Duisburg-Essen aufgeteilt. Eine/n Mentor/in suchen sich die Teilnehmerinnen selbst aus: „Ich habe mir im Internet Unmengen an Lebensläufen durchgelesen“, erzählt Eggermann. „Ich wollte auf jeden Fall eine Professorin, weil ich dachte, sie stand vielleicht vor ähnlichen Hürden wie ich. Wir haben uns dann alle drei Monate ganz entspannt im Café getroffen. Ich durfte mir aussuchen, über welche Themen wir sprechen.“
Das Eins-zu-eins-Mentoring ist aber nur ein Teil von Mentoring³. Auch Seminare, Kaminabende und Netzwerktreffen gehören dazu. „Wir hatten z.B. ein Seminar über Kommunikationsstrategien und Machtspiele“, erzählt die Mentee. „Schön war, dass wir gefragt wurden, welche Themen uns besonders interessieren, dazu wurden dann Seminare angeboten.“ Auch die Netzwerktreffen sind Julia Eggermann in guter Erinnerung geblieben: „Man konnte immer viel Motivation mitnehmen. Am Anfang hatte ich keine Stelle, dann hatte ich zwischendurch eine, dann wieder keine. Da braucht man schon Motivation, damit man dran bleibt.“ Oft war auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Thema: „Zu Beginn waren drei Teilnehmerinnen dabei, die Kinder hatten. Sie haben immer Positives berichtet. In den folgenden beiden Jahre haben noch vier oder fünf Teilnehmerinnen Nachwuchs bekommen.“
Prof. Dr. Martina Havenith (Physikalische Chemie II) berichtet aus ihrer Sicht als Mentorin: „Es kommen immer wieder die gleichen Fragen auf. Wenn ich mich für diesen Beruf entscheide, ist das dann das Aus für die Familie? Bin ich noch nett, wenn ich Karriere mache? Mir ist aufgefallen, dass das immer Beschränkungen im Kopf sind; einfach eine Hemmung, über gewisse Grenzen hinweg zu denken.“ Die Physikerin, die selbst Professur und Kinder unter einen Hut bringt, stellte fest, dass der Vorbildcharakter sehr wichtig für die Mentees ist: „Man merkte eine richtige Erleichterung bei den Fragenden. Es war für sie ein Aha-Erlebnis, dass das geht. Man muss sich einfach überlegen, wo man seine Zeitvorräte einsetzt und nicht versuchen, 300-prozentig in jedem Teil zu sein. Daher mein Ratschlag: sofort eine Haushaltshilfe suchen, nicht die ganze Wäsche selber bügeln und auch mal Verantwortung an Doktoranden abgeben.“
Für Medizinerinnen
Seit 2009 bietet die RUB ein eigenes Programm für Medizinerinnen an, die eine wissenschaftliche Karriere und gegebenenfalls eine Habilitation anstreben. „mQuadrat at RUB“ richtet sich an Grundlagenforscherinnen und an Ärztinnen in Kliniken. Die Mentor/innen kommen aus der Medizinischen Fakultät oder den Unikliniken. „Ich halte das Mentoring ganz klar für eine wichtige Aufgabe der Medizinischen Fakultät“, sagt Prof. Dr. Albrecht Bufe, Mentor und Mitglied der Lenkungsgruppe von mQuadrat. „Bisher hat sich bei jeder Mentee im Lauf des Mentorings irgendetwas bewegt. Ich habe noch nie erlebt, dass es nicht irgendeine Krise gab – seien es Konflikte mit dem Chef, Probleme beim Paper schreiben oder fehlendes Durchsetzungsvermögen. Ich sehe solche Krisen aber ganz positiv. Gerade so können sich Dinge verändern. Man lernt daraus und von denen, die einen hindurch begleiten.“
Eine richtige Krise gab es bei Dr. Cordula Koerner-Rettberg während ihrer Zeit als Mentee zwar nicht. Dennoch hat ihr das Mentoring viel gebracht: „Am Ende hat es dazu geführt, dass ich in meinem beruflichen Umfeld anders agiert und den Schritt zur Oberarztstelle gemacht habe.“ Nicht nur die Mentees profitieren vom Programm, auch die Mentoren lernen dazu. „Eine Sache war wirklich überraschend für mich“, erzählt Albrecht Bufe. „Man würde denken, dass Frauen heute unabhängiger von Rollenbildern sind, als unsere Mütter es waren. Aber ich habe festgestellt, dass sie immer noch in den gleichen rollenspezifischen Mustern verhangen sind. Es ist nur versteckter als früher, deshalb übersehen Chefs diese Dinge schnell.“
„Früher habe ich gedacht: Mentoring – das ist alles Quatsch, man muss einfach seinen Weg gehen“, resümiert Martina Havenith. „Aber ich habe in Bonn Sigrid Peyerimhoff erlebt, die damalige DFG-Vizepräsidentin, und meine Zeit in Berkeley war für mich auch so etwas wie ein Mentoringprogramm. Ich glaube, dass das unterbewusst eine Rolle gespielt hat. Bevor ich nach Berkeley ging, hatte ich überhaupt nicht die Idee, in der Wissenschaft zu bleiben und Professorin zu werden. Als ich wiederkam, war ich fest entschlossen, es zu machen. Heute freut es mich einfach, wenn ich etwas von diesen positiven Erfahrungen zurückgeben kann.“
Peer Mentoring:
Gleichgesinnte als Mentoren
Physik studiert und promoviert in Stuttgart, dann als Postdoc zur RUB: Dr. Saskia Fischer ist heute Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet den Lehrstuhl für Neue Materialien. Im Gespräch mit Julia Weiler erinnert sie sich an ihre Zeit im Peer Mentoring (2004-07) zurück. Anders als bei vielen anderen Angeboten gibt es beim Peer Mentoring keine Eins-zu-Eins-Betreuung durch einen Mentor, sondern eine lockere Austauschplattform für Gleichgesinnte.
RUBENS: Welche Erwartung hatten Sie an das Peer Mentoring?
Saskia Fischer: 2001 habe ich nach einem Mentoringprogramm für Postdoktorandinnen gesucht, aber keins gefunden. Das Peer Mentoring war genau das, was mir gefehlt hatte: eine Runde mit Leuten, die in der gleichen Situation sind wie ich, mit denen ich mich austauschen kann, u.a. über die Anforderungen von unten und oben.
RUBENS: Wie lief das Mentoring ab?
SF: Es gab keine regulären Veranstaltungen, weil Postdocs zeitlich ganz anders belastet sind als Doktoranden. Wir haben uns zwei-, dreimal pro Semester mittags in der Mensa getroffen. Diese zwanglose Art hat über Jahre funktioniert. Themen waren die wissenschaftliche Profilierung oder das Spannungsfeld von Frauen in einem männerdominierten Bereich.
RUBENS: Was haben Sie mitgenommen?
SF: Die Sicht über das eigene Arbeitsfeld hinaus auf regelmäßiger Basis, häufig positive Bestärkung und Impulse aus Gesprächen. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, diese Kontakte halten bis heute. Immer noch begeistert bin ich von Seminaren über Forschungsförderung oder Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen. Frau Rudack hat ein unglaubliches Händchen dafür, Experten an Land zu ziehen. Für so einen Workshop müsste man woanders viele tausend Euro zahlen. Das ist schon einmalig in Bochum!
RUBENS: Würden Sie Peer Mentoring also weiterempfehlen?
SF: Für Typen wie mich, die über den Tellerrand hinausschauen wollen, würde ich es uneingeschränkt empfehlen. Es ist aber nichts, wo man irgendwo hingeht und sich irgendwas anhört. Man muss schon ein Eigeninteresse haben.
mQuadrat at RUB:
Eine Medizinerin erinnert sich
Dr. Cordula Koerner-Rettberg war 2009-11 Mentee bei mQuadrat. Heute ist sie Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im St. Josef-Hospital und kann das Mentoring nur jedem empfehlen, wie sie im Gespräch mit Julia Weiler betont.
RUBENS: Warum haben Sie sich für mQuadrat interessiert?
Cordula Koerner-Rettberg: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Rahmenbedingungen für Frauen in der Forschung anders sind als die für Männer. Das sind nicht nur die klassischen biographischen Unterschiede durch Babypausen, sondern Frauen gehen mit kompetitiven Strukturen und dem Bekenntnis zu eigenen Zielen oft anders um. Das macht uns das Arbeiten manchmal etwas schwer und ich glaube, darauf kann Mentoring eine gute Antwort sein.
RUBENS: Wie lief das Mentoring ab?
CKR: Es gibt viele Bausteine, daher finde ich das Programm sehr attraktiv und geglückt. Wir haben uns mit allen Mentees alle zwei Monate in einer lockeren Atmosphäre getroffen. Manchmal hatten wir auch externe Gäste. Einen Abend hat Prof. Bufe das Habilitationsverfahren dargestellt, an einem anderen hat eine Dame der DFG über Forschungsanträge gesprochen. Zudem gab es Seminare zu Konfliktmanagement oder Coaching. Da habe ich viel mitgenommen. Die Mentor-Mentee-Beziehung gestaltete dann jeder selbst.
RUBENS: Was haben Sie mit Ihrem Mentor besprochen?
CKR: Die Themen gingen im Wesentlichen von mir aus. Wir haben z.B. über persönliche berufliche Ziele gesprochen, auch inhaltlich über Forschungsfragen.
RUBENS: Wurden Ihre Erwartungen an das Programm erfüllt?
CKR: Ja. Natürlich ist man nach dem Programm nicht plötzlich ein anderer Mensch. Aber ich glaube, was so ein Programm leisten kann, hat es getan: Anregungen, Aufbruchstimmung und ein bisschen mehr Vernetzung bringen; Informationen zum richtigen Zeitpunkt zugänglich machen. Mehr kann es, glaube ich, auch nicht leisten. Aber das ist schon eine ganz Menge!
RUBENS: Könnten Sie sich vorstellen, selbst Mentorin zu werden?
CKR: Ja, gerne. Ich denke, da sollte erst noch ein bisschen Zeit vergehen. Es würde mir schon Spaß machen, meine Erfahrungen weiterzugeben.
RUBENS: Wie haben Sie die Betreuung durch die ifb empfunden?
CKR: Total gut. Eine gute reibungslose Organisation und ständige Präsenz. Frau Rudack war bei jedem der Abende dabei und war auch auf den Netzwerkabenden immer für alle Wünsche ansprechbar.
Es begann mit Thekla
Thekla war das erste Mentoringprogramm der RUB für Studierende am Übergang zwischen Hochschule und Wirtschaft. Es startete 2002 und hat seither 140 Mentor/Mentee-Tandems begleitet. Die RUB kann inzwischen aus einem Pool von 120 Mentoren aus der Wirtschaft schöpfen. Helga Rudack (ifb) wählt den Mentor passend zu den Interessen des oder der Mentee aus. „Es hat noch nie einer gesagt, dass er nicht Mentor/in sein möchte“, sagt Rudack. „Manche machen das, weil sie sagen: Ich möchte nicht, dass eine junge Berufseinsteigerin dieselben Fehler macht wie ich. Oder sie freuen sich am Ende, ihre Beratungskompetenz erweitert zu haben.“ Viele Tandems bleiben auch über das einjährige Programm hinaus in Kontakt. Infos zu allen Mentoringprogrammen: www.rub.de/mentoring.
jwe; Foto: Nelle | Themenübersicht

