Von Göttern und Comic-„Helden“
KUBUS zeigt Bild-Erzählungen aus Asien
Was haben tibetische Buddha-Rollbilder, indische Krishna-Miniaturen und japanische Mangas gemeinsam? Wie lässt sich eine Brücke schlagen zwischen Jahrhunderte alten Malereien und Zeichnungen mit religiösem Inhalt und den sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts verbreitenden Comics aus Japan, die oft alltägliche Themen behandeln?
Die Ausstellung „Von Thangka bis Manga. Bild-Erzählungen aus Asien“, die im Kubus von Situation Kunst gezeigt wird, widmet sich der Zusammenführung von drei unterschiedlichen künstlerischen Produktionen aus Asien. Anhand 20 tibetischer Rollbilder (Thangkas), 42 indischer Miniaturen sowie vier Mangas werden vor allem thematische Zusammenhänge sichtbar. So liegt der Fokus aller gezeigten Exponate auf den Geschichten von „Helden“ oder „Idolen“.
Den Impuls für die Ausstellung gab eine sensationelle Entdeckung im Jahre 2009: Nach eingehender Quellenforschung und wissenschaftlicher Untersuchung eines Thangkas aus der Sammlung von Situation Kunst konnte nachgewiesen werden, dass dieser 1668 vom fünften Dalai Lama in Auftrag gegeben wurde. Thangkas wurden für die rituelle Interaktion mit dem verehrten Buddha gefertigt und stellen für die Gläubigen nicht ein bloßes Abbild des Buddha dar, sondern sind seine Verkörperung. Sie illustrieren die Lebensstationen und Erscheinungsformen des Siddhārtha Gautama, dem historischen Buddha, der als Begründer der viertgrößten Religion der Welt von unzähligen Menschen als Vorbild angesehen wird. Ausgehend von dessen nordindischer Heimat breitete sich der Buddhismus vor allem in Süd- und Ostasien aus. Auch in Japan nimmt die Lehre einen hohen Stellenwert ein. Der in Auszügen gezeigte Buddha-Manga von Osamu Tezuka (bei uns bekannt durch „Kimba, der weiße Löwe“) trägt dem Rechnung und schlägt als Manga mit religiösem Thema eine direkte Brücke zu den traditionellen Thangkas.
Der vor allem in seinem Ursprungsland Indien stark verbreitete Hinduismus vereint verschiedenste Glaubensrichtungen. Eine der bekanntesten verehrten Gottheiten ist Krishna. Auf Miniaturen und Palmblättern sind in der Ausstellung Szenen aus dem Leben des Hirtengottes dargestellt – von seiner Geburt über seine Liebschaften mit den Kuhhirtinnen (s. Titelbild) bis zu seinen siegreichen Kämpfen mit Dämonen. Diese z.T. mit Text kombinierten Bild-Erzählungen, die Krishna mit menschlichen Schwächen, jedoch auch übermenschlicher Stärke darstellen, lassen aufgrund hintereinander folgender Sequenzen mitunter einen narrativen Handlungsstrang erkennen und erinnern formal bereits an die erst im 20. Jahrhundert entstandenen Comics.
„Barfuß durch Hiroshima“
Die japanische Zeichenkunst hat schon im 8. Jahrhundert erste Bild-Erzählungen auf Schriftrollen hervorgebracht. Aus ihnen entwickelte sich über die Jahrhunderte die heutige Form des Mangas. Die Ausstellung zeigt neben dem erwähnten Comic über Buddha drei weitere Mangas, die sich gesellschaftlichen Themen widmen. So zeichnet Yoshihiro Tatsumi mit „Existenzen und andere Abgründe“ ein düsteres Bild vom Alltagsleben in der Großstadt. In „Furious Love“ bettet Kazuo Kamimura Episoden aus dem Leben des Holzschnittkünstlers Hokusai in dramatische Liebesgeschichten. Keiji Nakazawa verarbeitet mit „Barfuß durch Hiroshima“ eigene Erlebnisse als Überlebender des Atombombenabwurfes von 1945. Die Figuren in den Geschichten wachsen an ihren Problemen oder gehen an ihnen zugrunde. Für den Leser werden sie somit zu „Helden“ oder zu „Antihelden“.
Info: „Von Thangka bis Manga. Bild-Erzählungen aus Asien“, 22.4.-1.7., KUBUS, Mi-Fr 14-18, Sa/So 12-18 h; Eintritt 5/erm. 3 Euro; www.situation-kunst.de. In Kooperation mit dem Käte Hamburger Kolleg der RUB erscheint ein Katalog im E. A. Seemann Verlag (im Museumsshop für 24 Euro erhältlich). Das Thema wird aus religionswissenschaftlicher, tibetologischer, indologischer und kunsthistorischer Sicht beleuchtet.
Patricia Hartmann, Foto: Museum Rietberg Zürich | Themenübersicht

