RUBENS Nr. 158 - 1. Februar 2012
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Die große Vielfalt

Serie: Master 2.0-Studiengänge an der RUB

Dank zahlreicher innovativer Projekte entwickelt sich die Lehre an der Ruhr-Uni immer weiter: Sie wird internationaler, interdisziplinärer, forschungsintensiver und bereitet gezielt auf Wissenschaftskarriere und Berufsleben vor. Paradebeispiele für diese Entwicklung sind die Master2.0-Studiengänge. In einer kleinen Reihe stellen wir sie in RUBENS vor. Wohl an keiner anderen deutschen Universität ist das religionswissenschaftliche Spektrum so breit wie an der RUB. Damit davon auch die Studierenden noch mehr profitieren, wurde der Masterstudiengang Religionswissenschaft umgestaltet. Das gelang so gut, dass es dafür vom Rektorat das Qualitätssiegel „Master 2.0“ gab.

Charakteristisch für den neuen Studiengang ist vor allem die große Flexibilität. Abgesehen von einigen Grundlagen, die für alle verbindlich sind, haben die Studierenden die große Freiheit bei der Wahl ihrer Schwerpunkte. Sie können sich, wenn sie mögen, auf die Forschung konzentrieren und dank dem Research Department CERES (Centrum für religionswissenschaftliche Studien) an der Spitzenforschung auf diesem Gebiet mitwirken. Auch hier sind den persönlichen Vorlieben keine Grenzen gesetzt. Es kann mehr sozialwissenschaftlich oder mehr historisch oder auch mehr philologisch geforscht werden. Durch diese Mitarbeit lässt sich prima ein Grundstein für eine Masterarbeit und vielleicht sogar für eine spätere Promotion legen.

Entscheidungshilfen

Wer lieber in die betriebliche Praxis will, kann auch das schon während des Studiums vorbereiten. Die Religionswissenschaft kooperiert mit verschiedenen Unternehmen, die Geisteswissenschaftlern eine berufliche Perspektive bieten, u.a. mit einer Unternehmensberatung, die im interkulturellen Bereich arbeitet. Wenn z.B. eine chinesische Firma eine deutsche übernimmt oder umgekehrt, gibt es wesentlich mehr zu berücksichtigen als nur die Sprachbarriere. Religionswissenschaftler sind für solche kulturellen Unterschiede sensibilisiert und können damit umgehen. Anderes Beispiel: Eine Studentin macht derzeit ein Praktikum beim Bundeswissenschaftsministerium und hilft bei der Vorbereitung der Islamkonferenz.

Manchmal gehen Forschung und Berufspraxis auch ineinander über und vermischen sich, so wie im Fall von Ann-Kathrin Wolf: Sie wird an der Gestaltung einer religionswissenschaftlichen Ausstellung in Situation Kunst mitarbeiten, die im April startet. Dabei geht es um die Organisation, aber auch um Texte für den Katalog und die Erläuterungen zu den Exponaten. „Damit kann ich in die Forschung einsteigen – aber wenn das nicht klappt, habe ich auch Erfahrungen für den Einstieg in einen anderen Beruf gesammelt“, sagt sie.

Ann-Kathrin Wolf ist die Entscheidung für einen persönlichen Schwerpunkt nicht schwergefallen, auch ihr Kommilitone Benjamin Scala genießt die große Freiheit: „Ich habe schon im Bachelor in die verschiedenen Felder hinein geschnuppert, und die Schwerpunktthemen ergeben sich aus meinem persönlichen Interesse von selbst“, meint er.

So wie den beiden geht es etwa der Hälfte der Studierenden, schätzt Prof. Dr. Sven Bretfeld, einer der Organisatoren des Studiengangs. „Die andere Hälfte weiß nicht so recht, für welches Thema sie sich entscheiden soll, manche interessieren sich einfach für alles.“ In diesem Fall setzen die Lehrenden auf eine gute Beratung. Denn eine Entscheidung muss getroffen werden. „Es ist wichtig, dass man den richtigen Schwerpunkt setzt und mit großer eigener Motivation herangeht“, sagt Anna Neumaier, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei CERES. „Denn gerade die Arbeit in der Forschung ist oft viel mehr Arbeit, als die Studierenden vorher geschätzt haben. Wenn man dann halbherzig bei der Sache ist, wird es sehr schwierig.“

Bochum ist beliebt

Neben Interdisziplinarität, die in der Religionswissenschaft ohnehin dazugehört, und Forschungsnähe, zeichnen sie die Master 2.0-Studiengänge auch durch internationale Bezüge aus. „Durch das Käte-Hamburger-Kolleg haben wir viele ausländische Gastdozenten, die in die Lehre mit eingebunden werden können“, erklärt Prof. Bretfeld. Für die Zukunft ist ein joint-degree-Studium mit ausländischen Partneruniversitäten geplant, Gespräche laufen bereits.

Bislang sind 25 Studierende im Master Religionswissenschaft eingeschrieben, einige noch im alten Master. Allen wurde aber der Wechsel in den Master 2.0 angeboten, „denn wir denken schon, dass er wesentlich attraktiver für die Studierenden ist“, sagt Prof. Bretfeld. Für die kommenden Jahrgänge können sich alle Interessierten aus Religionswissenschafts-affinen Fächern bewerben, d.h. auch Sozialwissenschaftler, Historiker und Absolventen anderer Fächer. Gegebenenfalls können sie noch bis zu zwölf Credit Points nachholen, falls bestimmte Grundlagen fehlen.

Schon ohne dass die RUB für den Studiengang Werbung macht, melden sich auch Interessenten von entfernten Unis. „Sie wählen Bochum wegen der Vielfalt religiöser Traditionen, mit denen wir uns hier beschäftigen“, sagt Prof. Bretfeld. Er schätzt, dass das Interesse weiter wachsen wird. „Die religionswissenschaftliche ‚Szene‘ entwickelt sich noch.“

md, Foto: Nelle | Themenübersicht