Mehr als irgendwas mit Medien
Lehr- und Lernredaktion: Studierende machen Fernsehen
Wie ist es so hinter der Kamera und durch sie hindurchzusehen? Wie fühlt man sich vor der Kamera stehend und in eine Linse erzählend? Wie entsteht aus stundenlangen Aufnahmen ein minutenkurzer Beitrag? Und wo kommt die Stimme zu den Bildern her? Die Welt des Film- und Fernsehjournalismus erkunden seit mehr als zwei Jahren Studierende im Projekt „Lehr- und Lernredaktion“ am Institut für Medienwissenschaft (IfM) der RUB. Dort lernen sie alles, was ein Film- und Fernsehredakteur können muss: von der Planung der Beiträge über Kameratechnik und -bedienung bis zu Moderation, Schnitt und Vertonung. Wir haben uns das Projekt mal genauer angesehen. Uuuund bitte!
Der Toilettenreport ist der wohl bekannteste Bericht der Redaktion. Doch auch viele andere Beiträge sind einen Klick Wert. So berichteten die Nachwuchsredakteure z.B. über die Situation in der U 35 und begleiteten Erstsemester durch das Labyrinth Ruhr-Uni. „Die Studierenden lernen in den Seminaren, Beiträge für die Magazinsendung TV.RUB zu produzieren. Danach können sie in der freien Redaktion, die weitgehend selbständig arbeitet, weiter mitmachen oder auch eigene Sendungen entwickeln. Wir sind da für alles offen“, sagt Dr. Indira Dupuis, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IfM und Projektleiterin. Sie hat 2009 mit der Lehr- und Lernredaktion (LLR) an einer Ausschreibung der Landesanstalt für Medien teilgenommen und die Förderungszusage erhalten. Unterstützt wird sie von Stoyan Radoslavov, ebenfalls vom IfM, der den Studierenden als Redaktionsleiter mit Rat zur Seite steht.
„Mitmachen kann, wer will“
Die Lehr- und Lernredaktion besteht aus zwei Bereichen: Im einen werden Formate entwickelt und umgesetzt. Dabei entstand z.B. das Magazin „Kaiserschnitt“, in dem sich Filmemacher aus der Gegend vorstellen, oder die neue Sendung „Funtour“, in der die Redakteure Sport, Kultur- und Spaßangebote aus der Umgebung testen. „Im anderen Bereich erlernen die Studierenden die Fertigkeiten für das klassische Fernsehformat, dem Magazin. Hier entsteht TV.RUB und hier arbeitet auch die freie Redaktion mit“, erklärt Indira Dupuis.
Die Sendung TV.RUB wird einmal im Monat ausgestrahlt: Zu sehen ist sie auf der Homepage der Lehr- und Lernredaktion und auf dem – per Kabelanschluss bei unitymedia empfangbaren – Kanal nrwision. Die Beiträge für die Sendung sowie die Moderationen gestalten die Studierende eigenständig. „Mitmachen kann, wer will“, erzählt Stoyan Radoslavov. „Das Einführungsseminar läuft ein Semester lang je vier Wochenstunden und kann über den Optionalbereich belegt werden. Die Studierenden der Medienwissenschaften finden es im Praxismodul des Curriculums wieder.“ Wer nach dem Einführungsseminar dabei bleiben will, kann als freier Redakteur weiter mitmachen und auch Tutor für den Nachwuchs werden. Nach drei eigenen Beiträgen stellt die Landeszentrale für Medien ein Zertifikat aus.
„Ich versuche, die LLR über die Förderungsperiode hinaus zu verstetigen und auszubauen. Demnächst wird es auch eine Kooperation mit der Research School geben, in der die Doktoranden Wissenschaftsjournalismus lernen können“, sagt Indira Dupuis. Es wird also weiterhin gedreht, geschnitten, moderiert und vertont. Im März wird die 25. Sendung TV.RUB ausgestrahlt und am IfM hoffen alle, dass viele weitere Ausgaben folgen.
Teamarbeit
Das wünschen sich auch Laura Fenger und Martin Lindner. Die Master-Studierenden (Medienwissenschaft) sind Mitglieder des Redaktionsteams, das sich einmal pro Woche trifft. Dann werden die nächsten Sendungen besprochen und Vergangenes reflektiert. Für Laura Fenger ist klar: „Die LLR bietet Studierenden eine sehr gute Möglichkeit, etwas über die Produktion von Fernsehbeiträgen und Formaten zu lernen und stellt eine gute Ergänzung zum (medien-)wissenschaftlichen Studium dar.“
Das Hauptmotiv, in der Redaktion mitzumachen, ist für beide der Spaß in der Gruppe und an der Sache. Martin Lindner schwärmt: „Da selten ein Redakteur einen Beitrag ganz alleine bearbeitet, sondern wir meistens im Team losziehen, fördert das die Gruppendynamik: Man tauscht sich untereinander aus, macht Verbesserungsvorschläge und lernt voneinander. Es macht auch deutlich mehr Spaß, ein Projekt zusammen mit anderen in Angriff zu nehmen. Die Arbeit bei TV.RUB ist superspannend und immer eine Herausforderung. Aber wenn dann nach vielen Stunden, die man beim Dreh und im Schnittraum verbracht hat, das Resultat stimmt, ist es ein Gefühl, das mich mit Stolz erfüllt.“ Uuuund cut! Das wars, wir habens im Kasten.
PS: Die Februar-Sendung von TV.RUB steht unter dem Motto „international“. Die Redaktion berichtet dann u.a. über die Japan-Woche vom letzten November.
Tabea Steinhauer, Foto: Damian Gorczany | Themenübersicht

