Brasilien - Mitten in Europa
Eine Gruppe des Romanischen Seminars auf der "europalia" in Belgien
Manchmal liegt Südamerika näher, als man glaubt: Als Zugabe zum Seminar „Die brasilianische Literatur des 19. Jahrhunderts“ reiste im Januar eine kleine Gruppe von Studierenden und Dozenten nach Brüssel, um dort Brasilien besser kennen zu lernen. Denn in Belgien fand das internationale Kunst- und Kulturfestivals „europalia“ statt, das diesmal im Zeichen Brasiliens stand. Seminar und Exkursion wurden von Prof. Dr. Roger Friedlein und Portugiesisch-Lektor Dr. Marcos Machado Nunes geleitet.
Das Festival „europalia“ findet seit 1969 alle zwei Jahre in Belgien statt. Im ganzen Land wurden von Oktober bis Januar Ausstellungen, Theater, Tanz etc. zu Brasilien gezeigt. Zentrum war Brüssel. Hierhin kam auch die Gruppe des Romanischen Seminars und besuchte vier Hauptausstellungen des Festivals: „Indios no Brasil“ befasste sich mit der indigenen Bevölkerung Brasiliens. Mithilfe von Geräuschkulissen und Videoprojektionen an semi-transparenten Stoffwänden konnten die Besucher tief in die Welt der Ureinwohner Brasiliens eintauchen.
Bei „Terra Brasilis“ ging es vor allem um Expeditionen. Nachdem die Portugiesen Brasilien im 16. Jahrhundert erobert hatten, waren es vor allem Flamen, Deutsche und Franzosen, die durch die Artenvielfalt der Flora und Fauna Brasiliens zu wissenschaftlicher Hochleistung angetrieben wurden. Die Ausstellung präsentierte Ergebnisse dieser Entdeckungsreisen, z.B. die herausragenden Werke „Flora brasiliensis“ und „Reise in Brasilien“ der deutschen Naturforschern Carl Friedrich Philipp von Martius und Johann Baptist von Spix.
Kunst/Geschichte
Der zweite Teil der Exkursion beschäftigte sich mit brasilianischer Kunst bzw. Kunstgeschichte. „Brasil. Brazil“ behandelte die Zeit vom 19. Jahrhundert bis zur Moderne. Gezeigt wurden die Anfänge der akademischen Kunst in Brasilien. Es wurde anschaulich gemacht, dass sich die Kunst unabhängig machen wollte. So haben Künstler Verbote übertreten und z.B. die Sklaverei in ihrem Land abgebildet oder sich bewusst mit der Identitätsfrage der Brasilianer auseinandergesetzt. Tarsila do Amaral gilt als Ikone des brasilianischen „modernismo“ und hat sich in der Avantgarde der 1920er-Jahre mit der bewussten Abwendung von Europa einen Namen gemacht. „Brasil. Brazil“ zeigte eine große Retrospektive der Kunstentwicklung Brasiliens, die in dieser Fülle wohl nicht mehr zu sehen sein wird.
Mit „Art in Brazil (1950-2011)“ schloss sich dann der Kreis. In dieser Ausstellung trafen die Besucher auf die Anfänge der modernen Kunst bis hin zu aktuellen Kunstwerken, die zum Teil eigens für die Ausstellung, an Ort und Stelle, angefertigt wurden. Der Weg führte die Besucher chronologisch durch die Zeit der großen Künstler Brasiliens: von Skulptur über Malerei bis zu Installationen und Performances. Die Exkursionsteilnehmer/innen konnten insgesamt ein breites Spektrum an historischen und zeitgenössischen Fakten mitnehmen und ihr bisheriges literaturwissenschaftliches Wissen erweitern und unterfüttern. Ermöglicht wurde die Exkursion durch Mittel des Romanischen Seminars und der Gesellschaft der Freunde der RUB.
ad; Foto: C. F. Moleques Flechando | Themenübersicht

