RUBENS Nr. 158 - 1. Februar 2012
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Bilder vom Krieg

Neue Ausstellungen in der UB und im KUBUS

Gleich zwei aktuelle Ausstellungen an der RUB befassen sich mit dem Thema „Krieg“. In der UB sind Fotos von Frauen in der Roten Armee während des 2. Weltkrieges zu sehen. Der KUBUS präsentiert Aufnahmen von Anja Niedringhaus, die 20 Jahre lang in Kriegsgebieten fotografiert hat. Beide Ausstellungen laufen seit Ende Januar.

Die Ausstellung „Mascha + Nina + Katjuscha. Frauen in der Roten Armee 1941-1945“ ist ein Gemeinschaftswerk der UB und zweier RUB-Lehrstühle: Lehrstuhl Geschichte Osteuropas sowie Lehrstuhl Geschlechtergeschichte. Die Fotos stammen aus dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst und sind noch bis zum 31. März im zentralen Treppenhaus der Universitätsbibliothek (UB) zu sehen. Sie zeigen russische Soldatinnen während ihres Einsatzes im 2. Weltkrieg. Um diesen Kriegseinsatz von mehr als 800.000 Frauen in der Roten Armee ranken sich Schreckbilder und Mythen. Den Deutschen galten sie seinerzeit als „Flintenweiber“ und als herausragende Beispiele bedrohlicher Entartung. Nach dem Krieg wurden der Beitrag und die Erfahrungen der weiblichen Soldaten in der offiziellen wie gesellschaftlichen Erinnerung der Sowjetunion weitgehend tabuisiert. So ist über ihren Kriegseinsatz und ihren Alltag bis heute nur wenig bekannt geworden. Die Ausstellung thematisiert die angesprochenen Mythen und setzt ihnen die vielschichtige Realität entgegen; geöffnet: Mo-Fr 8-24, Sa 11-20, So 11-18 h, Eintritt frei; Infos.

Gaza, Irak etc.

Die am 21. Januar gestartete Ausstellung im KUBUS heißt „Anja Niedringhaus – 20 Jahre Fotografie aus Kriegsgebieten“, sie ist dort bis zum 15. April zu sehen. „Ich bin in erster Linie ein Zeitzeuge“, erklärt Anja Niedringhaus ihr berufliches Selbstverständnis. Ein Großteil ihrer Fotografien entsteht in Krisen- und Kriegsgebieten: im Irak, in Afghanistan, in Libyen, Syrien und zahlreichen anderen Konfliktregionen. Für die Nachrichtenagentur „Associated Press“ fotografiert sie als teilnehmende Kriegsberichterstatterin Kampfhandlungen, begleitet Soldaten während ihrer Einsätze an die Front(en) und dokumentiert das Leben und Sterben der Menschen. Sie liefert Bilder, die wir täglich in den Nachrichten konsumieren, in Printmedien oder im Internet, und die daher seltsam vertraut erscheinen. Ihre Fotos zeigen den Schrecken ebenso wie den Alltag des Krieges. Angst, Tod und Trauer sowie ein Bemühen um Normalität und Würde erscheinen darin manchmal in berührend beiläufig wirkenden Situationen, etwa wenn ein Panzer an einem Seeufer in Albanien 1993 von ausgelassen badenden Kindern kaum wahrgenommen zu werden scheint oder wenn ein in Afghanistan stationierter Soldat im Morgengrauen einsam mit ein paar Kerzen seinen Geburtstag begeht. Niedringhaus gelingt es, die Haltung einer unparteiischen Beobachterin einzunehmen und zugleich eindringlich darauf hinzuweisen, was der Krieg mit und aus Menschen macht.

Situation Kunst zeigt im KUBUS eine Auswahl von etwa 100 Fotos. Sie dokumentieren Schauplätze und Ereignisse vergangener und aktueller militärischer Konflikte, angefangen 1992 mit dem Bürgerkrieg in Bosnien bis zu den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Rebellen in Libyen, die Niedringhaus im März 2011 aufgenommen hat. Neben ihrer gesellschaftlichen Bedeutung als aufklärerische, niemals moralisierende Informationsquellen zeichnet diese Fotografien vor allem ein unbestechlich präziser Blick aus. Er verleiht ihnen neben ihrer inhaltlichen Bedeutung eine besondere visuelle Qualität. Auf diese Weise sind diese Fotos mehr als bloße Dokumente – sie sind immer und in erster Linie Bilder menschlicher Existenz; geöffnet: Mi-Fr 14-18, Sa/So 12-18 h; Eintritt 5/ermäßigt 3 Euro; Infos.

Noch 12 Tage

Zu guter Letzt ein kurzer Hinweis auf einen Dauerbrenner: Es bleiben noch knapp zwei Wochen Zeit (bis 12. Februar), die Ausstellung „Menschenhandel in Birbuthsneppe und andere Alltagssorgen. Mittelalterliche Urkunden aus dem Kloster Flaesheim an der Lippe“ in den Kunstsammlungen der RUB zu besuchen. Hinter diesem langen Titel verbirgt sich die Präsentation eines Projektes am Seminar für Klassische Philologie, das sich mit Urkunden des 13. Jahrhunderts aus einem ehemaligen Kloster beschäftigte; geöffnet: Di-Fr 11-17, Sa/So 11-18 h; Eintritt frei; Infos.

ad; Foto: Anja Niedringhaus | Themenübersicht