RUBENS Nr. 157 - 4. Januar 2012
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Unterwegs zur Uni

Die Ruhr-Uni erarbeitet ein Mobilitätskonzept

Wer regelmäßig die Einträge auf der Pinnwand von facebook.com/RuhrUniBochum liest, weiß: Kaum etwas erhitzt die Gemüter so sehr wie die Parkplatzsuche an der RUB. Zu Stoßzeiten ist außerdem die U-Bahn häufig überfüllt und Radfahrer müssen sich oft an falsch geparkten Autos vorbeischlängeln und auf dem Campus die verschiedenen Ebenen überwinden. Da sich die Situation aufgrund regelmäßiger Baustellen und des doppelten Abiturjahrgangs in NRW (2013) nicht automatisch verbessern wird, arbeitet die RUB zurzeit an einem Mobilitätskonzept. Um dabei besser auf die Anregungen der RUB-Mitglieder eingehen zu können, werden im Januar alle Mitarbeiter/innen und Studierenden befragt.

Die Ruhr-Universität ist täglich Ziel- und Ausgangsort für über 41.000 Menschen, 36.000 Studierende plus rund 5.500 Mitarbeiter/innen. Das sind die Dimensionen und logistischen Herausforderungen einer mittelgroßen Stadt. Es gibt umfangreiche Verflechtungen innerhalb des Campus, mit der Stadt Bochum und anderen Kommunen im Ruhrgebiet und angrenzenden Regionen. Eine zentrale Rolle nimmt die Mobilität der RUB-Mitglieder ein, vor allem die Frage: Wie komme ich täglich von meiner Wohnung an die Uni und wieder zurück? Selbst wer zu Fuß geht oder radelt, benötigt Wege: sowohl auf dem Campus als auch auf den Zufahrtswegen. Je weiter entfernt ein Uni-Mitglied wohnt, desto komplizierter wird es: Wer mit dem Pkw kommt, ist auf Straßen angewiesen (Autobahnen, Bundesstraßen etc.) und braucht an der RUB einen Parkplatz. Benutzer des ÖPNV müssen häufig mehrere Linien nutzen, bis sie an Uni sind. Oft sind dabei verschiedene Verkehrsbetriebe betroffen, die aufeinander abgestimmt operieren müssen.

Nachhaltige Mobilitätskultur

Schon jetzt ist es kaum möglich, allen Pkw-Nutzern einen gebäudenahen Parkplatz auf dem Campus zu garantieren oder allen ÖPNV-Benutzern einen Platz in der U35. Im WS 13/14 wird es durch den doppelten Abiturjahrgang noch voller; erwartet werden 3.000 bis 5.000 Studierende zusätzlich. Hinzu kommt die sukzessive Campussanierung: Durch Baustellen fallen immer wieder Parkplätze weg. „Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen wir bauliche, organisatorische und kommunikative Maßnahmen unter Berücksichtigung aller Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge durchführen. Wir wollen ein ganzheitliches Mobilitätskonzept für den Campus entwickeln und ein Mobilitätsmanagement etablieren, um die Zufriedenheit der Studierenden und Mitarbeiter/innen zu verbessern. Und wir brauchen eine nachhaltige Mobilitätskultur, die das ökologische Bewusstsein für den Standort fördert“, erklärt Björn Frauendienst, Koordinator des Mobilitätskonzepts.

Um dieses Vorhaben nachfragegerecht durchzuführen, werden vom 16. bis 29. Januar die Mitarbeiter/innen und Studierenden der RUB online befragt. Dafür wird EvaSys eingesetzt, das auch für die Lehrveranstaltungsevaluierung genutzt wird. An der inhaltlichen Gestaltung des Fragebogens waren viele Akteure beteiligt: uni-intern Personalräte, Schwerbehindertenvertretungen und -Beratungsstellen, Asta, Akafö, Dezernat 5 sowie alle im Projekt RUB.2013 zusammenarbeitenden Dezernate und Stabsstellen; externer Rat kam von der Stadt Bochum und der Bogestra. Gefragt wird z.B. nach der Verkehrsinfrastruktur am Wohnort, ob man einen Pkw zur Verfügung hätte oder ein Abo für den ÖPNV besitzt. Es schließen sich Fragen zum tatsächlichen Verkehrsverhalten an: Wie oft nutzt wer welches Verkehrsmittel, um zur RUB zu kommen? Hinzu kommen offen gehaltene Fragen zu Problemen bei der Nutzung unterschiedlicher Fortbewegungsformen. Die Daten werden voraussichtlich im Frühjahr 2012 ausgewertet sein (s. Interview).

 

„Strukturen schaffen“

Über die Onlinebefragung sprach Arne Dessaul mit Björn Frauendienst. Der Geograph koordiniert das Mobilitätskonzept.
RUBENS: Es ist zu erwarten, dass sich die Studierenden negativ zu Parkplatzsituation und überfüllten U-Bahnen äußern. Gibt es Ideen, das noch vor 2013 zu verbessern?
Björn Frauendienst: Für die Mitarbeiter/innen trifft dies sicherlich auch so zu. Wir sind bestrebt, schon vor 2013 erste Maßnahmen durchzuführen. Genauer soll dies aber erst nach der Befragung erarbeitet und benannt werden, da wir einen nachfragegerechtes Konzept erstellen möchten und erst nach der Befragung verstehen werden, wer aus welchen Gründen von wo aus zur Ruhr-Uni kommt. Im Fokus steht zwar die Förderung von Alternativen zum Auto, wir denken aber auch an die, die aufs Auto angewiesen sind: Wir werden Fahrgemeinschaften fördern und durch mehr Information und Organisation den Verkehrsfluss und die Parkmöglichkeiten besser steuern und kommunizieren.

RUBENS: Wann ist mit Ergebnissen der Befragung zu rechnen?
Björn Frauendienst: Die vollständige Auswertung wird etwa ein bis anderthalb Monate dauern, eventuell können erste grobe Ergebnisse früher bekannt gegeben werden. Die Erstellung des Konzeptes wird dann sicherlich ein paar Monate dauern, wenngleich herausstechende Maßnahmen auch schon vorher angestoßen werden können und müssen, da bauliche Vorhaben natürlich immer einer längeren Vorlaufzeit bedürfen, um dann spätestens bis 2013 fertig zu sein. Nach der quantitativen Befragung werden noch qualitative Workshops stattfinden, wo Ideen mit den zukünftigen Nutzern zur Umsetzungsreife gebracht werden sollen.

RUBENS: Wie ist das Mobilitätskonzept in die Planungen des Projektteams RUB.2013 eingebunden?
Björn Frauendienst: Ich selbst bin sowohl beim Dezernat 5 als auch bei RUB.2013 beschäftigt. Das Mobilitätskonzept ist ein wertvolles Schnittstellenthema zwischen beiden Bereichen. Während das Dezernat 5 sich insbesondere mit aktuellen und kurzfristigen Problemen im Bereich Verkehr beschäftigt, ist die Projektaufgabe von RUB.2013, Strukturen zu schaffen, die im WS 13/14 benötigt werden. Bei RUB.2013 trifft die Arbeit am Mobilitätskonzept – durch die Aspekte Verkehr, Wohnen und Sicherheit – im Kern das Themenfeld „Leben und Freizeit“. Wir betrachten das Thema aber integriert und werden Maßnahmen immer im Zusammenhang mit z.B. der Anbindung von Außenstellen, Seminaranfangszeiten etc. betrachten, weil sich alles gegenseitig beeinflusst. Das Mobilitätskonzept wird daher beides im Fokus haben: kurzfristig Maßnahmen durchzuführen, die die Situation der Studierenden und Mitarbeiter/innen verbessern, die heute an der RUB sind, aber auch, um Strukturen zu schaffen, die für 2013 und darüber hinaus nachhaltig wirken. Dass ein Mobilitätskonzept nichts Statisches ist, sondern regelmäßig fortgeschrieben und evaluiert werden sollte, versteht sich von selbst.

Infos: Björn Frauendienst, Koordinator Mobilitätskonzept, Dezernat 5/RUB.2013, -26505, Bjoern.Frauendienst@uv.rub.de; RUB.2013 im Netz.
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