RUBENS Nr. 157 - 4. Januar 2012
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Nah an der Spitze

iMOS - das internationale Master-Studium Molecular Sciences and Simulation

Schon im Studium mit modernster Technik arbeiten und ganz nah an der Spitzenforschung sein? Für Suresh Kondati Natarajan, Alexander Esser, Syed Hassan Bukhari (v.l.) und vier weitere Studierende gehören Laser, Hochleistungsmikroskope und Großrechner zum Alltag. Sie belegen iMOS, das internationale Master-Studium Molecular Sciences and Simulation. Das Programm ist im WS 11/12 gestartet und setzt sich zur Hälfte aus Theorie und Praxis zusammen. Ausgangspunkt seiner Entwicklung war die retrospektive Frage der iMOS-Leiterin Prof. Dr. Martina Havenith-Newen: „Wie hätte ich gern studiert?“

„An iMOS arbeiten acht Lehrstühle mit“, erklärt Dr. Sabine Borgmann, die den Studiengang zusammen mit Dr. Gerhard Schwaab (Physikalische Chemie II) koordiniert. „Das Forschungsgebiet ist stärker fokussiert, dafür ist die Herangehensweise umso breiter.“ Die Studierenden schauen von Anfang an aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Interaktionen von Molekülen. Sie untersuchen sie z.B. mit mikroskopischen und spektroskopischen Methoden und gleichen die Ergebnisse mit Computersimulationen ab. So lassen sich die Ergebnisse der Experimente erst interpretieren.

„Die Wissenschaft ist heute so komplex, dass einem gar nichts anderes übrigbleibt, als über den Rand der eigenen Disziplin zu schauen“, meint Dr. Harald Forbert (Theoretische Chemie), während er die Tür zum Allerheiligsten öffnet: dem Großrechner für die Simulation der Wechselwirkung zwischen Molekülen. Auf diesem Gebiet der Spektroskopie und Simulation sind die Forscher der RUB weltweit spitze und bestens ausgestattet. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hier seit langem an der Tagesordnung und einer der Schlüssel zum internationalen Erfolg. Insbesondere das molekulare „bottom up“-Verständnis steht im Mittelpunkt. Jeder Chemiker hat zwar auf diesem Gebiet ein Grundwissen; was aber im Detail auf atomarer Ebene passiert, ist noch wenig verstanden. Gemeinsam wollen die RUB-Forscher den Phänomenen auf den Grund gehen – wenn alles klappt mit einer Förderung als Exzellenz-Cluster in der Exzellenz-Initiative.

Interaktive und globale Aufgabe

Die iMOS-Studierenden sind ganz nah dran an der Spitzenforschung. Zu ihrer Ausbildung tragen neben RUB-Forschern auch internationale Gastdozierende wie Prof. Dr. James Lisy (Universität Illinois in Urbana-Champaign) bei, der zurzeit als Forschungspreisträger der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der RUB arbeitet: „Ich hatte das Glück, als Gastprofessor an einer Reihe von Unis auf vier Kontinenten zu arbeiten. Dennoch gab es nur selten die Gelegenheit, Vorlesungen für eine internationale Gruppe von Masterstudierenden zu halten. Daher war ich begeistert vom iMOS-Programm und glaube sehr stark an die internationale Komponente in der Lehre, weil Spitzenforschung eine interaktive, globale Aufgabe ist. Die iMOS-Studierenden haben die wundervolle Möglichkeit, schon in einem sehr frühen Karrierestadium an diesem einzigartigen, weltweit operierenden Programm teilzunehmen, das an der RUB entwickelt wurde.“
Das gesamte Lehrangebot findet auf Englisch statt. Zudem verbringen die Studierenden einen Teil des dritten Semesters bei einer Partnerinstitution, einer Spitzenuniversität im Ausland, z.B. UC Berkeley oder Yale University (USA), Ecole Normale Supérieure (Frankreich), einem der Indian Institutes of Technology oder der National University of Korea. „Das Angebot soll natürlich keine Konkurrenz sein zu den bisherigen Master-Studiengängen in Chemie und Biochemie – es ist ein interdisziplinäres Zusatzangebot“, sagt Sabine Borgmann. Das Interesse ist groß: Rund 140 Bewerber füllten für den ersten Durchgang das Online-Interessenten-Formular aus. Nach einer Vorauswahl derer, die die notwendigen formalen Qualifikationen mitbrachten, luden die Organisatoren ca. 50 zur vollständigen Bewerbung ein. Etwa die Hälfte kam in die engere Auswahl und wurde zum Skype-Interview geladen. „Da kann man schon ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wer sich für das Studium eignet“, sagt Borgmann. „Aufgrund der stark unterschiedlichen Vorkenntnisse der Bewerber stehen wir in der Verantwortung, nur Studierende zuzulassen, die das Programm erfolgreich abschließen können.“

Wie im Traum

Letztlich wurden acht Studierende zum Studium zugelassen. Zwei davon haben zuvor an der RUB studiert. Die anderen kommen z.B. aus Indien, Kanada und Pakistan. Um ihnen den Start zu erleichtern, hat iMOS zusammen mit dem Zentrum für Fremdsprachenausbildung und der Fakultät für Mathematik vor Semesterbeginn Kurse angeboten, um Lücken zu schließen und alle auf dasselbe Niveau zu bringen. Zudem konnten sie sich schon kennen lernen. Die ersten Monate liegen inzwischen hinter ihnen; es sieht so aus, als ginge das Konzept auf: „Ich hätte es nicht besser treffen können“, sagt Alexander Esser. Suresh Kondati Natarajan kam aus Indien nach Bochum: „iMOS ist ein Masterprogramm, von dem ich geträumt habe. Hauptsächlich durch die Aspekte Mobilität, Forschungsorientierung, eine wunderbare Kursstruktur und die finanzielle Unabhängigkeit durch ein Stipendium. Die ersten zwei Monate waren sehr anspruchsvoll und fühlen sich wie zwei Wochen an. Ich bin sehr froh, dieses Programm gewählt zu haben, besonders weil es das einzige Angebot dieser Art ist.“
Die Studienangebote stehen auch anderen Interessenten offen. Die Vorlesungen sind sehr gut besucht, da neben den iMOS-Teilnehmern auch ca. 20 andere Studierende teilnehmen. „Das ist für uns schön, dass iMOS so einen guten Start hatte“, freut sich Sabine Borgmann. Gerhard Schwaab ergänzt: „Durch die fokussierte Ausbildung in internationalen und interdisziplinären Teams erwarten wir für unsere Absolventen auch hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Hightech-Berufen“. Für den nächsten Durchgang stehen die beiden schon in den Startlöchern: Am 1.1.12 wurde das Bewerberportal wieder freigeschaltet, bis zum 15.5. können sich Interessenten eintragen. Insgesamt stehen 20 Studienplätze zur Verfügung. „Die werden wir ohne Probleme füllen können“, schätzt die Chemikerin.

 

Serie Master 2.0

Die Lehre an der RUB wird immer internationaler, interdisziplinärer, forschungsintensiver und sie bereitet gezielt auf Wissenschaftskarriere und Berufsleben vor. Beispiele sind die Master2.0-Studiengänge, die wir zurzeit in RUBENS vorstellen. Molecular Science and Simulation (iMOS) dauert vier Semester, ein Auslandspraktikum im dritten Semester ist verpflichtend. Bewerbern können sich Absolventen der Chemie, Physik, Biologie, Biochemie, Mathematik und Ingenieurwissenschaften, die ein starkes Interesse an den interdisziplinären Schnittstellen dieser Fächer haben. Die Studierenden erwerben das Rüstzeug der experimentellen und theoretischen Methoden für verschiedenste Fragestellungen; Infos.

 

md; Foto: Nelle | Themenübersicht