RUBENS Nr. 157 - 4. Januar 2012
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Auf Kurs gebracht

Studentischer Verein vermittelt Börsenwissen

Seit April 2011 engagieren sich Studierende im Akademischen Börsenverein Bochum. Ihr Ziel: die akademische Herangehensweise ans Thema Börse durch praxisorientiertes Wissen anzureichern. Wer mag, kann beim Verein sogar den Börsenführerschein machen.

Sie investieren zunächst Zeit statt Geld. In den Gängen zwischen GC und GB treffen sie sich, um zu erfahren, was sich hinter Fonds und Derivaten verbirgt oder wie man Aktiencharts liest. Rund 30 Studierende – vornehmlich Wirtschaftswissenschaftler, vereinzelt auch Juristen – lauschen an einem Mittwochabend den Worten von Christof Bock. Bock ist Wirtschaftsstudent an der RUB und arbeitet seit zwei Jahren als Werkstudent bei einer Bank. Als wäre das nicht genug, ist er zudem stellvertretender Vorsitzender des Akademischen Börsenvereins Bochum e.V. (ABBEV).

Nr. 1 im Ruhrgebiet

Zu dessen Gründern gehört Thiago de Araujo, derzeit auch Vorsitzender von ABBEV. Nachdem sein Interesse durch Vorlesungen geweckt wurde, wollte sich der Wirtschaftsstudent umfassender über die Börse informieren. Da es im Ruhrgebiet kaum Anlaufstellen gab, ging er zum Börsenverein Köln. „Köln ist ein bisschen weit weg. Daher haben wir einfach selbst einen Verein gegründet“, berichtet de Araujo. Das war im April 2011. Bereits im Mai fand der erste Infoabend statt. Der Verein, der ausdrücklich keine wirtschaftlichen Ziele verfolgt, zählt bereits 40 Mitglieder; mitunter kommen 70 Teilnehmer zu den Veranstaltungen.

Bock kommt direkt von der Arbeit in den Raum GBCF 04/411, gerade noch pünktlich. In einer von drei Veranstaltungen zum „Börsenführerschein“ klärt er über Anlageformen auf. Den Börsenführerschein hält Bock für sinnvoll. Außenstehende würden annehmen, dass das Wirtschaftsstudium automatisch zum Börsenprofi erzieht. Doch Bock weiß es besser. „Der BVH (Bundesverband der Börsenvereine an deutschen Hochschulen) hat den Börsenführerschein ins Leben gerufen, weil man viele Themen, die mit Börse zu tun haben, selbst an der Uni nur am Rande behandelt.“ Insbesondere, wenn es konkret wird, z.B. wie man überhaupt mit Aktien handelt, fehle es oft an praktischem Wissen. Die Ausbildung bleibe akademisch.

Bocks Motivation, sich mit etwas Abstraktem und Komplexem wie dem Börsengeschehen auseinanderzusetzen, war vielseitig. „Wenn man sagt, dass es nicht auch finanziell getrieben ist, wäre es gelogen.“ Aber auch das Taktieren mache ihm Spaß und „vielleicht könnte auch die Atmosphäre im Film Wall Street eine Rolle gespielt haben“, ergänzt er weniger ernst und erntet Zustimmung von de Araujo. Der hat zwar bislang mit Musterdepots gearbeitet, sich aber lange nicht getraut, bares Geld zu investieren. Das soll sich ändern, aus rein privatem Interesse. „Wenn ich mal in den Ruhestand gehe, werde ich wenig bis gar keine Rente erhalten.“ Es sei unumgänglich, privat vorzusorgen.

Frankfurter Börse besucht

Jurastudent Julian Reinecke (22) gehört zu denen, die Bock zuhören. „Ich habe 2008 angefangen, mich selber um meine Investments zu kümmern“, sagt er. Zuvor hatte er die Erfahrung gemacht, dass die Beratung der einschlägigen Institutionen seinen Ansprüchen nicht genügte: „Ich wollte etwas Bestimmtes haben, habe aber immer etwas anderes bekommen.“ Die Vorträge des ABBEV seien für ihn eine gute Möglichkeit, das Thema zu vertiefen.

Neben den Vorträgen soll es in Zukunft interaktivere Angebote geben: vom Musterdepot bis zur Teilnahme an einem Börsenspiel. Zur Frankfurter Börse ist der Verein bereits gefahren. Der ABBEV-Vorstand freut sich natürlich über die gute Akzeptanz. „Wir freuen uns aber nicht nur über neue Mitglieder, sondern auch über mehr Aktive“, sagt Bock.
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Wiebke Rasmussen; Foto: iStock | Themenübersicht