14 im Aufzug
Forschungssymposium RUBeacon sucht Leuchttürme der Wissenschaft
Leuchttürme sollen in der Seefahrt sichtbar machen, was nicht sichtbar ist und was leicht übersehen werden kann. Das Bild des Leuchtturms wird deshalb auch häufig benutzt, um auf etwas Bedeutendes, das Strahlkraft entwickeln kann, aufmerksam zu machen. Auch Forschungsprojekte laufen bisweilen Gefahr, nicht wahrgenommen zu werden, obwohl sie das Potential haben, für Wissenschaft und Praxis einen großen Beitrag zu leisten. Beim ersten Forschungssymposium RUBeacon (beacon = engl. Leuchtturm) der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft haben sich Ende Oktober Forscher und Praktiker auf die (erfolgreiche) Suche nach diesen Leuchtturmprojekten begeben.
Meistens hat man nur wenig Zeit, anderen eine Idee zu verkaufen, für die man selbst brennt. Sei es, den Vorgesetzten von einer Investitionsmaßnahme zu überzeugen, Leute auf der Straße für eine Unterschriftenaktion zu gewinnen oder eine Barbekanntschaft von den eigenen Vorzügen zu überzeugen. Der Elevator Pitch, eine Präsentationsform, die immer häufiger bei Gründungswettbewerben zum Zuge kommt, berücksichtigt, dass die Entscheidung darüber, ob eine Idee für gut befunden wird oder nicht, in kurzer Zeit erfolgt. Es bleibt nicht viel mehr als eine Fahrt im Aufzug (Elevator), um den Gegenüber von der eigenen Idee zu überzeugen. Die Aufgabe wird ungleich schwerer, je komplexer sie ist. Entsprechend gut sollte man in der Lage sein, neugierig zu machen, die Vorteile seiner Idee ins rechte Licht zu rücken und angemessen auf Rückfragen zu reagieren.
Nur drei Minuten
14 Doktorand/innen der RUB stellten sich beim Forschungssymposium also in den Aufzug: Sie hatten drei Minuten Zeit, um rund 100 Gäste aus Wissenschaft und Praxis für ihr Forschungsprojekt zu gewinnen. „Man soll sein Thema so kurz und knapp, aber auch so verständlich darstellen, dass es auch ein Biologe versteht“, erklärt Anika Kolberg, eine der zuschauenden Doktorandinnen, die Auftaktaufgabe. Im zweiten Teil, einer Poster Session, konnten die Doktoranden ihre Ideen in kleinerer Runde weiter diskutieren.
Forschung sollte im besten Falle sowohl aus Sicht der Praxis als auch aus Sicht der Wissenschaft Relevanz haben. Beide Zielgruppen schienen mit dem Gebotenen mehr als zufrieden zu sein. „Mindestens drei Themen waren für uns direkt interessant“, stellte Praxisjuror Volker Baltes (Geschäftsführer der Nahrungsmittelfirma CFG Deutschland) fest. Ein weiteres Ziel des Symposiums war, dass Wissenschaftler Ideen zur Zusammenarbeit entwickeln und sich gegenseitig neue Impulse für ihre Projekte geben. Sarah Blaszkowski, eine der 14 Vortragenden, hat viel diskutiert an diesem Abend. Sie untersucht, welchen Einfluss Frauenquoten auf Investorenentscheidungen haben. „Ihr Thema ist für uns beide interessant, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven“, bemerkt Carolin Pooch, Doktorandin an einem anderen Lehrstuhl, als sie das Poster der Kollegin studiert. „Ich glaube, dass sich hieraus Möglichkeiten ergeben“, schätzt Blaszkowski.
Zwei Preise
Auch Preise gehören zu einem Wettbewerb. Mit eigenen Fragen und Bewertungsbögen ausgestattet, nahmen Doktoranden, Professoren und Praktiker die Forschungsprojekte weiter unter die Lupe. Einen „Wissenschaftspreis“ vergaben die Wiwi-Lehrstühle, und zwar an Birte Hoffmann (Lehrstuhl für Makroökonomik) und ihre Frage: „Wie beeinflusst Wettbewerb die Standards der Kreditvergabe von Banken?“ Der „Praktikerpreis“, den die Wirtschaftsvertreter vergaben, ging an Judith Gesing (Marketing Department); sie hat untersucht, wann welches Geschäftsmodell am effizientesten ist.
Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, da waren sich die Teilnehmer einig. Peter Dollhausen, Direktor des Zentralbereichs Human Resources der ThyssenKrupp AG, sagte: „Auf was für Ideen die Damen und Herren hier kommen, ist beeindruckend. Das Format finde ich klasse, wirklich kurzweilig.“ Lob kam auch von Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und RUB-Rektor Prof. Elmar Weiler. Prof. Jan Wieseke, Forschungsdekan der Wirtschaftswissenschaftler und Organisator der Veranstaltung, war nicht nur wegen der lobenden Worte zufrieden: „Der Abend hat die Leute offenbar auf Ideen gebracht, später beim Buffet wurde weiter über die Themen diskutiert.“ Der Bochumer Juwelier Michael Mauer, der sich als Praxisjuror zur Verfügung stellte, fasste zusammen: Die herausragenden Köpfe und die sichtbaren Ideen für Praxis und Wissenschaft seien gesucht und gefunden worden.
Text & Foto: Wiebke Rasmussen | Themenübersicht

